Gebete – Predigten

Auf dieser Seite werden Gebete und Texte veröffentlicht, die uns in unserer Arbeit begegnen und die auch für andere von Interesse sein können.


Gedanken zum dritten Sonntag der Fastenzeit, 24. März 2019

Der zweite Atemzug – Ruf, Verantwortung zu übernehmen

Von Rev. Paul Lansu, Senior Politikberater von Pax Christi International
Übersetzung Gerhilde Merz

Exodus 3:1-8a, 13-15; Psalm 103 (102); 1. Korr. 10:1-6, 10-12; Luk 13:1-9

In die Wüste rufen. Wir alle kennen dieses Gefühl. Niemand hört uns, keiner leiht uns sein Ohr. Wenn wir doch eine Antwort bekommen, finden wir den zweiten Atemzug. Mit dem zweiten Atemzug können wir wieder rufen, uns wieder engagieren, wieder glauben. Wir hören, dass Mose einen zweiten Atemzug findet, nachdem Gott ihn durch den brennenden Dornbusch ruft. Und – wir lesen, dass der Weingärtner einen zweiten Atemzug findet und sich einlässt auf den bis dahin kahlen Feigenbaum.

Mitglieder von Gerechtigkeits- und Friedensgruppen und sozialen Organisationen brauchen ein sich-Einlassen auf lange Sicht, einen zweiten Atemzug, um sich auf Dauer zu engagieren. Einen zweiten Atemzug, den Gott immer gibt.

In allem, was geschieht, halten wir immer Ausschau nach der Verantwortlichkeit anderer, und wir schauen weniger kritisch nach unserem eigenen Anteil. Wenn wir eine bessere, friedliche und gerechtere Zukunft bauen wollen, muss jede/r von uns seine/ihre eigene Verantwortung wahrnehmen. Fehler machen ist sehr menschlich. Irrtümer ausbessern kannst du nicht (oder sie ausbessern lassen). Aber keine Verantwortung übernehmen, oder sogar die Schuld dem/der anderen geben, ist schlecht und eine Schande.

Moses muss seine Verantwortlichkeit annehmen. Er weiß, dass sein Volk in der Sklaverei in Ägypten lebt; es lässt ihn nicht aus. Im brennenden Dornbusch hört er den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs: „Ich habe das Elend meines Volkes gesehen. Ich kenne sein Leiden. Ich komme, um mein Volk zu befreien“. Mose fragt nach dem Namen dieses Gottes. Aber dieser Gott kann nicht eingefangen werden in Worte und Bilder. Mose muss sich begnügen mit: „Ich bin, der ich bin.“

Das Wort Gottes umgeht die Verantwortlichkeit nicht. Jesus erzählt die Geschichte vom Feigenbaum, einer Metapher für die Stadt Jerusalem. Der Feigenbaum bringt keine Früchte; Jerusalem ist korrupt, spielt das Spiel der Mächtigen (Nationen) rundherum, ist keine Stadt des Friedens. Jesus ist streng, er dautet hin auf die schlechte Situation, aber er lässt ein Türchen offen für einen Neuanfang. So erhält der Feigenbaum eine zweite Chance und Jerusalem einen zweiten Atemzug.

In dieser Fastenzeit kommt das Thema des Exodus zurück, ein Symbol jeder Straße, die von der Sklaverei zur Befreiung führt, von der Ungerechtigkeit zur Gerechtigkeit, von der Gewalt zur Gewaltlosigkeit. Versuchungen fehlen nicht an dieser Straße. Trotz Gottes ständiger Fürsorge erliegen ihnen die Israeliten und sterben in der Wüste. ChristInnen sind auch nicht immun gegenüber den Gefahren des Bösen. Die heutigen Formen des Bösen sind Armut, Hunger, Vertreibung, Gewalt, Unterentwicklung, Diskriminierung, Rassismus und so weiter

ChristInnen sollten einander ständig inspirieren und ermutigen, die menschliche Würde hochzuhalten, im menschlichen Wachsen wie auch im menschlichen Leiden und Sterben. Gegenseitige Liebe soll die Kultur der Menschen sein.

Leset die Zeichen der Zeit

Das bedeutet, unentwegt Nahrung und „Quellenstudium“ aufzunehmen, sich nach der Bibel orientieren, und der biblischen Tradition unseren Zweck abzulesen. Das Evangelium fordert uns auf, regelmäßig die Zeichen der Zeit zu überprüfen und zu erklären. Was passiert dauernd in der Welt, und was ist dessen tieferer Grund? Immer wagen, die Frage zu stellen: Wie schaut unsere Gesellschaft heute aus und was muss getan werden, um gemeinsam alle Menschen in dieser Gesellschaft zu besseren Menschen zu machen?

Das niemals endende Bemühen der Menschen, mit anderen zusammen zu leben und eine wahre Gesellschaft zu bilden bedeutet, das gute Leben einer Person trägt auch zum guten Leben einer anderen bei. Einander helfen ist ganz wichtig in diesem Prozess. Unter anderen Dingen geht es um Fürsorge, gutes Leben, Nächstenliebe, Mitleid, Solidarität und um sich gegenseitig unterstützen.

Manchmal geht es darüber hinaus und man hat die Pflicht, Menschen in Not zu helfen, sogar jenen „unbekannten“ Menschen, die Hilfe benötigen. Das führt oft zu Dilemna: Wo liegen die Grenzen der menschlichen oder der individuellen Verantwortung und wo beginnt die Verantwortlichkeit des Staates? Dilemnas sind nicht negativ oder bedrohend, sie machen das Leben eher interessant.

Freiwillige Arbeit ist wie die Hefe im Teig

Pax Christi International ist ihrem Wesen nach eine Friedensbewegung der Ehrenamtlichen. „Freiwilliges Handeln“ kann verstanden werden als eine wesentliche Komponente in sozialer Verpflichtung zum gegenseitigen Beistand, zur Hingabe, Großzügigkeit und Verantwortung. FriedensarbeiterInnen brauchen immer den zweiten Atemzug. Friedensarbeit hat schließlich immer eine unfertige Agenda, unglücklicherweise. Ihre Überzeugungskraft und Verantwortlichkeit machen sie zu Agenten für den Wechsel – eine Anstrengung, die mit dem biblischen Bild als „Treibmittel im Teig“ ausgedrückt wird.

Für Gerechtigkeit und Frieden arbeiten geschieht aus dem Verständnis, dass der Mensch kein Einzelwesen ist, sondern auf Gemeinsamkeit angelegt und dass seine oder ihre integrale Entwicklung vor allem Beziehungen braucht, um sein/ihr Schicksal zu erfüllen.

Frieden bauen ist nicht nur etwas, das für und durch „Professionelle“ geschieht. Am Frieden zu arbeiten ist die Verantwortung jedes Einzelnen. Zum Frieden ist jede Person gerufen. Das ist es, warum wir „alle Menschen guten Willens“ zur Mitarbeit auffordern. Der gemeinsame Rahmen ist die Notwendigkeit eines friedlichen und gerechten Lebens. Jede Person und jede Bevölkerungsgruppe hat das Recht auf Frieden und Sicherheit. Ich bin sicher, überzeugt, dass ich mich nur sicher und gut fühle, wenn andere dieses Gefühl teilen. Christliche Friedensarbeit bietet eine Plattform, wo Menschen einander treffen und kommunizieren können und – was wichtig ist – potentielle Unstimmigkeiten vermeiden.

Es ist eine Tugend, Menschen zusammen zu bringen. Eine gute Gesellschaft ist charakterisiert durch eine fruchtbare Spannung zwischen Raum für Unterschiedlichkeit und die Suche nach dem, was wir gemeinsam haben. Die politische Gemeinsamkeit ist so im Dienst der menschlichen Gemeinschaft. Das erfordert soziale Pluralität, sodass eine Unterschiedlichkeit der Güter zu ihrem ganzen Vorteil gezeigt werden kann.

Der Sektor von Gerechtigkeit und Frieden braucht nicht nur viele Professionelle, sondern auch viele, die aus einer notwendigen Dringlichkeit leben, das Leben zu suchen und ihm Sinn zu geben.
Wiederum sind wir eingeladen, durch diese Fastenzeit im Glauben, in der Großzügigkeit, in der Versöhnung und im Dienst zu leben, die im Oster-Mysterium zum Höhepunkt kommt. Diese Zeit ist gedacht, Früchte in unser Leben zu tragen.


Thomasmesse: „Ohne Gerechtigkeit keine Zukunft“ mit Kaplan Franz Sieder
am Sonntag, 29. Oktober 2018 in Klagenfurt 18:00 Uhr Don Bosco Kirche
9020 Klagenfurt,Bischof Dr. Köstner Platz 2

Die radikale Botschaft Jesu auf dem Hintergrund unserer heutigen gesellschaftlichen Wirklichkeit zu verkünden, war und ist die Intention von Arbeiterpriester Franz Sieder. „Mein Herz schlägt links“, so der Titel seines letzten Buches. „Links heißt für mich, auf Seite der Schwachen der Gesellschaft zu stehen und links heißt für mich auch, sich einzusetzen für ein Mehr an Gerechtigkeit in unserer Welt. Wenn ich links so definiere, dann war Jesus zweifellos ein Linker und dann ist auch der jetzige Papst Franziskus ein Linker.“
Predigt Franz Sieder

PREDIGT: EUROPA BRAUCHT EINE SEELE (Franz Sieder,Sommerakademie auf der Friedensburg Schlaining 2017

JERUSALEM GEBET

Ein Gebet von Patriarch Emeritus Michel Sabbah
Geschrieben für die Weltwoche für Frieden in Palästina/Israel 2016

Barrieren abtragen und Mauern niederreißen

So viele weise Männer haben gesagt: Die Menschheit braucht Brücken – aber keine Mauern.
Aber Kriegsherren in unserem heiligen Land haben geantwortet
mit dem Bauen der Trennungsmauer und den Checkpoints, die unser Land zerteilen
in mehr als einen einzigen Ort
und schufen damit mehr Trennung und schürten Hass in den Herzen.

Gott, wir kommen zu Dir: Du bist unser Vater;
Du sorgst für jeden von uns, für Israelis und Palästinenser.
Du siehst diesen trennenden Wall mitten durch das schöne Land,
das Du zum heiligen auserkoren hast als Deinen Platz mitten unter den Menschen,
den Ort der Versöhnung der Menschen mit Dir und miteinander.

Gott, schau auf die vielen Checkpoints, schau auf die vielen Soldaten mit ihren Gewehren,
bereit, um sich zu verteidigen, bereit zu töten.
Die Barrieren, die Du geschaffen hast,
sind Deine prächtigen Berge und fruchtbaren, tiefen Täler, die Plätze zum Leben,
wo Natur und Menschen Deine Güte und Deinen Glanz spiegeln.

Gott, Du siehst die Mauern, die die Schönheit Deines Landes beschmutzen.
Oh Gott, schau an, wie die Mauern unsere Olivenbäume zerstören, und Deine wunderbare Schöpfung.
Gott, sieh an, wie die Checkpoints und die Gewehre die Schönheit Deines Ebenbilds
in Deinen Söhnen und Töchtern beschädigen.

Und tiefer drinnen in den Seelen
siehst Du die Trennung zwischen Deinen Söhnen und Töchtern, Israelis und Palästinensern.
Oh Gott, schau auf unsere Bedrängnis, unser Leiden.

„Sei mir gnädig, Gott, sei mir gnädig!
Denn auf Dich vertraut meine Seele,
und unter dem Schatten Deiner Flügel habe ich Zuflucht.
Ich rufe zu Gott, dem Allerhöchsten,
zu Gott, der meine Sache zum guten Ende führt“. (Ps.57/2-3)

„Gott, höre meinen Schrei, horche auf mein Gebet“ (Ps.61/2)

(übers.: Gerhilde Merz)

Gebet am Vorabend des 1. Weltkrieges

Mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens

Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens.
Wo Hass herrscht, lass mich Liebe entfachen.
Wo Beleidigung herrscht, lass mich Vergebung entfachen.
Wo Zerstrittenheit herrscht, lass mich Einigkeit entfachen.
Wo Irrtum herrscht, lass mich Wahrheit entfachen.
Wo Zweifel herrscht, lass mich Glauben entfachen.
Wo Verzweiflung herrscht, lass mich Hoffnung entfachen.
Wo Finsternis herrscht, lass mich Dein Licht entfachen.
Wo Kummer herrscht, lass mich Freude entfachen.
O Herr, lass mich trachten:
nicht nur, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste,
nicht nur, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe,
nicht nur, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe,
denn wer gibt, der empfängt,
wer sich selbst vergisst, der findet,
wer verzeiht, dem wird verziehen,
und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.

aus der Zeitschrift „La Clochette, Frankreich, 1913