{"id":10526,"date":"2025-01-20T09:04:44","date_gmt":"2025-01-20T08:04:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.paxchristi.at\/?p=10526"},"modified":"2025-01-20T09:04:44","modified_gmt":"2025-01-20T08:04:44","slug":"offener-brief-des-bischofs-der-evangelischen-kirche-in-oesterreich-michael-chalupka","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.paxchristi.at\/?p=10526","title":{"rendered":"Offener Brief des Bischofs der Evangelischen Kirche in \u00d6sterreich, Michael Chalupka"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Pr\u00fcft alles und behaltet das Gute.&#8220; (Thess 5,21)<\/p>\n<p>Unter diesem Bibelzitat hat der Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in \u00d6sterreich, Michael Chalupka, einen Offenen Brief zur aktuellen (innen- und gesellschaftspolitischen) Lage ver\u00f6ffentlicht und darin zum kritischen Pr\u00fcfen aufgerufen. Unter anderem betont er, dass das besondere Augenmerk der Evangelischen Kirche darauf liegen wird, wie sich zuk\u00fcnftige politische<br \/>\nEntscheidungen auf die Sch\u00f6pfung und auf \u201edie geringsten Br\u00fcder und Schwestern\u201c (Mt 25,40) auswirken \u2013 insbesondere auf Gefl\u00fcchtete, Migranten und Migrantinnen, Armutsbetroffene, Menschen mit Behinderungen, chronisch Kranke sowie Menschen in den L\u00e4ndern des globalen S\u00fcdens.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Hier der Gesamttext:<\/strong><\/p>\n<p>Pr\u00fcft alles und behaltet das Gute. (Thess 5,21)<\/p>\n<p>Liebe Schwestern und Br\u00fcder, liebe Geschwister in Christo,<\/p>\n<p>Euch und Ihnen allen w\u00fcnsche ich ein gesegnetes Neues Jahr. Die Jahreslosung ermutigt uns, alles kritisch zu pr\u00fcfen, vor allem aber dabei auf das Gute zu sehen und an das zu erinnern, was uns Halt und Orientierung gibt.<\/p>\n<p>Seit der Nationalratswahl sind nun \u00fcber 100 Tage vergangen. Die bisherigen Koalitionsverhandlungen haben zu einem gro\u00dfen Vertrauensverlust gef\u00fchrt. Viele Mitb\u00fcrgerinnen und Mitb\u00fcrger sind verunsichert, schauen zutiefst beunruhigt und mit gro\u00dfer Sorge in die Zukunft und f\u00fcrchten um den Zusammenhalt und die Demokratie in unserem Land. Auch in unseren Evangelischen Kirchen teilen viele diese Sorgen.<\/p>\n<p>Bundespr\u00e4sident Alexander Van der Bellen hat nun die stimmenst\u00e4rkste Partei mit der Regierungsbildung beauftragt. Gleichzeitig hat er betont, dass die Fundamente der Demokratie von jeder neuen Regierung respektiert werden m\u00fcssen. Insbesondere nannte er den Rechtsstaat, Menschen- und Minderheitenrechte, freie und unabh\u00e4ngige Medien, die Gewaltenteilung sowie die Geltung europ\u00e4ischen Rechts. Als Kirche sehen wir auch die Bewahrung der Sch\u00f6pfung und die Religionsfreiheit als Teil dieser Grundfeste.<\/p>\n<p>Die Kirchen und Religionsgemeinschaften in \u00d6sterreich haben eine besondere Form des respektvollen Zusammenlebens entwickelt, die dem Frieden im Land dient und durch unbedachte \u00c4u\u00dferungen nicht gef\u00e4hrdet werden darf. Die Grundpfeiler der Demokratie, auf denen unser Wohlstand und unsere Sicherheit aufgebaut sind, sind von uns allen gemeinsam errungen worden. Ihre Einhaltung und Bewahrung ist Aufgabe der ganzen Gesellschaft, auch der Christinnen und Christen.<\/p>\n<p>Die Denkschrift \u201eEvangelische Kirchen und Demokratie in \u00d6sterreich\u201c der Generalsynode der Evangelischen Kirche A. und H.B. aus dem Jahr 2002 unterstreicht die prinzipielle \u00dcbereinstimmung des christlichen Glaubens mit demokratischen Formen des Zusammenlebens: \u201eChristlicher Glaube bejaht die Demokratie als jene Form des geordneten Zusammenlebens, die der Freiheit, Gleichheit und Geschwisterlichkeit der Menschen am meisten Raum gibt. Der demokratische Staat wei\u00df sich der Menschenw\u00fcrde und den Menschenrechten verpflichtet, woraus das Gebot politischer und sozialer Gerechtigkeit f\u00fcr alle erfolgt. Aus christlicher Sicht l\u00e4sst sich der Gedanke der Menschenw\u00fcrde und der Menschenrechte als inhaltliche Konsequenz der biblischen Lehre von der Gottebenbildlichkeit des Menschen begreifen.\u201c<\/p>\n<p>Weiter hei\u00dft es: \u201eDie Evangelischen Kirchen ermutigen ihre Mitglieder, Verantwortung f\u00fcr das Zusammenleben der Menschen wahrzunehmen \u2013 im eigenen Land sowie im europ\u00e4ischen und globalen Kontext \u2013 und sich f\u00fcr die Festigung und Weiterentwicklung demokratischer Strukturen in allen Bereichen des politischen Lebens aktiv einzusetzen. Dadurch nehmen sie den Auftrag wahr, der allen Christinnen und Christen aus der Menschenliebe Gottes und aus seiner Menschwerdung zuw\u00e4chst.\u201c<\/p>\n<p>Politische Parteien haben f\u00fcr das gesellschaftliche Leben eine wichtige Funktion, die die Evangelischen Kirchen sch\u00e4tzen und anerkennen. Das ist jedoch verbunden mit der Aufgabe, die jeweiligen Parteiprogramme wie auch \u00c4u\u00dferungen einzelner Politiker und Politikerinnen und deren praktische Umsetzung stets neu am Evangelium zu messen. Dazu geh\u00f6rt, die aktuelle politische, soziale und kulturelle Situation zu analysieren und die Zukunft mitzugestalten \u2013 im Bewusstsein, damit auch Konflikte zu riskieren.<\/p>\n<p>Aktuell bedeutet das, dass wir als Evangelische Kirchen in den n\u00e4chsten Wochen (wie schon bisher) achtsam die politischen Entscheidungen verfolgen und wenn n\u00f6tig Einspruch erheben werden. Besonderes Augenmerk wird unsere Kirche darauf legen, wie sich diese Entscheidungen auf die Sch\u00f6pfung und auf \u201edie geringsten Br\u00fcder und Schwestern\u201c (Mt 25,40) auswirken \u2013 insbesondere auf Gefl\u00fcchtete, Migranten und Migrantinnen, Armutsbetroffene, Menschen mit Behinderungen, chronisch Kranke sowie Menschen in den L\u00e4ndern des globalen S\u00fcdens. Die Sorge um ihre W\u00fcrde und ihr Wohl ist unserer Kirche \u2013 wie allen Kirchen \u2013 im Gebot der N\u00e4chstenliebe aufgetragen.<\/p>\n<p>In Zeiten der Verunsicherung bleibt es die wichtigste Aufgabe unserer Kirche, das Evangelium Jesu Christi in Wort und Tat zu verk\u00fcnden. Dies geschieht im Gottesdienst, im \u00f6ffentlichen Zeugnis, in der Seelsorge und in der Diakonie als t\u00e4tiger N\u00e4chstenliebe. Es geschieht \u00fcberall in \u00d6sterreich und steht vor und \u00fcber aller Willensbildung politischer Kr\u00e4fte in diesem Land. Wie es in der Denkschrift zur Demokratie hei\u00dft: \u201eDie Liebe Jesu zu den Armen, Kranken, Alten und Schwachen sowie zu den gesellschaftlich Ge\u00e4chteten ist im Neuen Testament so eindeutig, dass das Christentum die Verpflichtung zum sozialen Handeln \u2013 auf pers\u00f6nlicher und politischer Ebene \u2013 niemals aus den Augen verlieren kann.\u201c Alle, die diesen Auftrag haupt- und ehrenamtlich wahrnehmen, verdienen den besonderen Schutz der Gemeinschaft in den Evangelischen Kirchen. Alle, die dabei an ihre Grenzen sto\u00dfen, und alle, die sich durch die Sorge um die Zukunft dieses Landes belastet f\u00fchlen, k\u00f6nnen auf den seelsorglichen Zuspruch der Evangelischen Kirchen z\u00e4hlen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Pr\u00fcft alles und behaltet das Gute.&#8220; (Thess 5,21) Unter diesem Bibelzitat hat der Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in \u00d6sterreich, Michael Chalupka, einen Offenen Brief zur aktuellen (innen- und gesellschaftspolitischen) Lage ver\u00f6ffentlicht und darin zum kritischen Pr\u00fcfen aufgerufen. 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