{"id":3906,"date":"2013-01-19T00:24:24","date_gmt":"2013-01-19T00:24:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.paxchristi.at\/?p=3906"},"modified":"2013-07-11T08:08:37","modified_gmt":"2013-07-11T08:08:37","slug":"franzosische-militarintervention-lost-krieg-aus-ein-oder-auf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.paxchristi.at\/?p=3906","title":{"rendered":"Franz\u00f6sische Milit\u00e4rintervention l\u00f6st Krieg aus, ein oder auf?"},"content":{"rendered":"<p><!--[if gte mso 9]&gt;--><\/p>\n<p class=\"Default\"><strong>Die Kommission Pazifismus\/<\/strong><strong>Anitmilitarismus<\/strong><strong> in Pax Christi &Ouml;sterreich ist &auml;u&szlig;ert besorgt &uuml;ber die franz&ouml;sische Milit&auml;rintervention in Mali und bezweifelt, ob internationale Kampfma&szlig;nahmen gerechtfertigt und geeignet sind f&uuml;r die Beendigung der islamistischen Gewalttaten. <\/strong><\/p>\n<p class=\"Default\"><b><span lang=\"DE\">Die Kriterien des &quot;Gerechten Krieges&quot; und die Intervention in Mali <\/span><\/b><\/p>\n<p class=\"Default\"><span lang=\"DE\">Von Klaus Heidegger, Kommission Pazifismus\/Antimilitarismus in Pax Christi &Ouml;sterreich <\/span><span lang=\"DE\">(18.1.2013)<\/span><\/p>\n<p class=\"Default\"><span lang=\"DE\">Mitte J&auml;nner begann Frankreich, seine Streitmacht gegen die Islamisten und salafistischen Milizen im Norden von Mali einzusetzen. Der grausam-milit&auml;rischen Gewalt der Islamisten in Mali mit Gewalt begegnen? Gibt es keine anderen oder bessere M&ouml;glichkeiten, als mit Kampfhubschraubern und Kampfflugzeugen den regul&auml;ren Streitkr&auml;ften von Mali zu Hilfe zu kommen, um weitere Menschenrechtsverletzungen im umk&auml;mpften Gebiet zu vermeiden? Ist es in der Terminologie der katholischen Soziallehre gar ein unausweichlicher &bdquo;gerechter Krieg&ldquo;, mit denen den &bdquo;Gotteskriegern&ldquo; begegnet wird? Die entsprechenden klassischen Kriterien der Lehre vom &bdquo;Gerechten Krieg&ldquo; k&ouml;nnen eine Hilfe sein, um das franz&ouml;sische Vorgehen zu beurteilen. <!--more--><\/span><\/p>\n<p class=\"Default\"><span lang=\"DE\">1) <b>Milit&auml;rische Kampfma&szlig;nahmen m&uuml;ssen ultima ratio (letztes Mittel) sein. <\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"Default\"><span lang=\"DE\">Was h&auml;tte alles getan werden k&ouml;nnen, um diese Blutb&auml;der zu verhindern? Die Liste vergangener Unterlassungen ist lang. Sie beginnt in der Kolonialgeschichte Nordafrikas und geht &uuml;ber die Jahrhunderte, in der afrikanische L&auml;nder &ouml;konomisch ausgebeutet und milit&auml;risch aufger&uuml;stet wurden. W&uuml;rde nur ein Bruchteil des Geldes, das nun f&uuml;r milit&auml;rische Ma&szlig;nahmen verwendet wird, in eine ganzheitlich-nachhaltige Entwicklung Malis &ndash; in Bildung und eigenst&auml;ndige &Ouml;konomie &ndash; gesteckt, so w&uuml;rde der Terrorismus den R&uuml;ckhalt in der Bev&ouml;lkerung verlieren. Mali ist eines der &auml;rmsten L&auml;nder der Erde. <\/span><\/p>\n<p class=\"Default\"><span lang=\"DE\">Die Europ&auml;ische Union h&auml;tte so viele &ouml;konomische und politische Mittel, um Frieden und Sicherheit in den Konfliktregionen dieser Welt zu schaffen. Dazu br&auml;uchte es eine nicht-milit&auml;risch orientierte Gemeinsame Au&szlig;enpolitik. In der EU g&auml;be es gen&uuml;gend Experten, die als Berater und Vermittler in den Konfliktregionen auftreten k&ouml;nnten. Je mehr gebombt wird, desto weniger sind aber Worte des Dialogs m&ouml;glich. Sind die islamistischen Gruppierungen im Norden von Mali wirklich menschenfressende Ungeheuer, die nur die Sprache von Sprengstoff verstehen oder g&auml;be es nicht M&ouml;glichkeiten, selbst mit dem &auml;rgsten Feind in Dialog zu treten? Wer den Feind reizt, muss sich nicht wundern, wenn seine Aggression noch gr&ouml;&szlig;er wird. Wer einen Schritt auf den Feind zugeht, setzt einen Schritt der Entfeindung. <\/span><\/p>\n<p class=\"Default\"><span lang=\"DE\">2) <b>Der Einsatz milit&auml;rischer Mittel muss Aussicht auf Erfolg haben. <\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"Default\"><span lang=\"DE\">Die Geschichte der j&uuml;ngsten Interventionen zeigt, wie erfolglos die gigantischen milit&auml;rischen Interventionen gewesen sind. Afghanistan ist ein Lehrbeispiel der Geschichte, dass die m&auml;chtigsten milit&auml;rischen M&auml;chte mit den gr&ouml;&szlig;ten Milit&auml;rapparaten und einem horrenden Mitteleinsatz in einem jahrzehntelangen Krieg keinen Frieden schaffen k&ouml;nnen. Wird Mali das afrikanische Afghanistan? <\/span><\/p>\n<p class=\"Default\"><span lang=\"DE\">Die islamistischen Kr&auml;fte werden sich mit den gr&ouml;&szlig;ten Milit&auml;rapparaten nicht zerschlagen lassen. Einerseits werden sie nur aus dem umk&auml;mpften Gebiet zur&uuml;ckweichen, um dann irgendwo anders, nun sich selbstlegitimierend aus Rache und Vergeltung neu loszuschlagen. Dies zeigt auch die steigende Terrorgefahr in Frankreich oder die Bluttaten der Islamisten im benachbarten Algerien. Sollte es gelingen, durch eine Ausweitung des Krieges die Islamisten und salafistischen Milizen ganz aus den St&auml;dten und D&ouml;rfern Nordmalis zu vertreiben, so m&uuml;sste dieses riesige Gebiet doch weiterhin von einer nicht unbetr&auml;chtlichen Pr&auml;senz der franz&ouml;sischen Streitmacht &uuml;ber viele Monate, vielleicht sogar Jahre gesichert werden. <\/span><\/p>\n<p class=\"Default\"><span lang=\"DE\">3) <b>Die Mittel m&uuml;ssen angemessen und verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig sein. <\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"Default\"><span lang=\"DE\">Milit&auml;rische Ma&szlig;nahmen haben schon im letzten Jahrzehnt in diesen Konfliktregionen keinen Erfolg gezeigt. Der milit&auml;rische Mitteleinsatz steht in keinem Verh&auml;ltnis zu den Aufwendungen f&uuml;r Entwicklungshilfe. Je besser die Bildung, desto weniger Bereitschaft, der Al-Kaida und ihren Gefolgsleuten auf den Leim zu gehen. Je weniger Armut, desto kleiner die Versuchung, mit den Mitteln der Gewalt einen Ausweg aus der erb&auml;rmlichen Situation zu erreichen.<\/span><\/p>\n<p class=\"Default\"><span lang=\"DE\">4) <b>Der Krieg muss von einer legitimen Autorit&auml;t ausgehen<\/b>. <\/span><\/p>\n<p class=\"Default\"><span lang=\"DE\">Wenn Frankreich au&szlig;erhalb seines Staatsgebietes und nicht aus Gr&uuml;nden der Selbstverteidigung agiert, so braucht es laut internationalem V&ouml;lkerrecht die Legitimation des UN-Sicherheitsrates, beispielsweise f&uuml;r eine so genannte Responsibility-to-Protect-Intervention (R2P). Seit Sommer 2012 arbeitete Frankreich auf eine milit&auml;rische Intervention hin. Die UN-Sicherheitsratsresolution 2056 (2012) sah noch keine R2P-Ma&szlig;nahme vor. Ein Ausweg einer politischen L&ouml;sung w&auml;re gewesen, die Teilautonomie im Norden des Landes anzuerkennen, bei der die territoriale Integrit&auml;t des Landes erhalten bliebe. <\/span><\/p>\n<p class=\"Default\"><span lang=\"DE\">Frankreich st&uuml;tzt sich auf die Resolution 2085 und nachtr&auml;glich hat der UN-Sicherheitsrat das franz&ouml;sische Vorpreschen abgesegnet. In diesem Sinne k&ouml;nnte das Kriterium der Legitimierung positiv abgehakt sein. Zugleich wirft diese milit&auml;rische Orientierung des UN-Sicherheitsrates wieder einmal &ndash; wie im Falle von Libyen &ndash; die Frage auf, ob nicht die kriegsentscheidende Instanz der Vereinten Nationen zu sehr bestimmt wird von den polit-&ouml;konomischen Interessen der f&uuml;nf permanenten Sicherheitsratsmitglieder, die zugleich die gr&ouml;&szlig;ten Waffenexporteure sind. <\/span><\/p>\n<p class=\"Default\"><span lang=\"DE\">5) <b>Es muss einen schwerwiegenden Grund geben. <\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"Default\"><span lang=\"DE\">Der &bdquo;milit&auml;rische Feuerwehreinsatz&ldquo; (&copy; Hollande) in Mali scheint tats&auml;chlich legitimiert durch die schweren Verbrechen der islamistischen K&auml;mpfer: Djihadisten, Tuareg-Rebellen, Menschen- und Rauschgifth&auml;ndler haben im Norden Malis ein Terrorregime errichtet, das versucht wurde, auf den S&uuml;den auszuweiten. Fundamentalistische und gewaltt&auml;tige Islamisten haben weite Gebiete im Norden von Mali unter ihre Kontrolle gebracht. Zehntausende mussten fliehen, uralte Kulturg&uuml;ter, die unter dem Schutz der UNESCO stehen, wurden zerst&ouml;rt. Berichtet wurde von Gr&auml;ueltaten, von Steinigungen von Ehebrechern, dem Abhacken von H&auml;nden von Dieben &ndash; kurzum all dem, was als Gr&auml;ueltaten von &bdquo;Steinzeitislamisten&ldquo; bezeichnet wird. Wer nicht gehorcht, wird massakriert. Die Situation erinnert an Afghanistan oder Somalia. Die Regierung von Mali scheint ohnm&auml;chtig zu sein. Der in den USA milit&auml;risch ausgebildete Staatschef von Mali kam erst vor ein paar Monaten durch einen Milit&auml;rputsch an die Macht. <\/span><\/p>\n<p class=\"Default\"><span lang=\"DE\">6)<b> Milit&auml;rische Ma&szlig;nahmen m&uuml;ssen in rechter Absicht erfolgen. <\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"Default\"><span lang=\"DE\">Angefragt muss werden, ob die franz&ouml;sische Regierung tats&auml;chlich prim&auml;r aus eigenn&uuml;tzigen Interessen ihre Truppen in die Schlacht schicken. Die strategisch-&ouml;konomischen Interessen sind jedenfalls offensichtlich. Rund um Mali sind seit langer Zeit franz&ouml;sische Einheiten stationiert. Warum? Mali liegt mitten im &bdquo;Goldg&uuml;rtel&ldquo;, der sich von Senegal &uuml;ber Guinea, Ghana, Mali, Burkina Faso, Niger, Nigeria und Kamerun durch ganz Westafrika zieht. Daneben gibt es Erd&ouml;l, Erdgas, Phosphat, Kupfer, Bauxit, Diamanten und andere Edelsteine. Kurzum: Wirtschaftliche Interessen sind evident. Im Westen des Landes wurde Uran gefunden. Dies n&auml;hrte das Ger&uuml;cht, Frankreich habe in den Konflikt eingegriffen, um seine Atomkraftwerke mit billigem Uran zu versorgen. Von Mali gehen vor allem aber geopolitische Risiken aus. &Uuml;berall im S&uuml;den der Sahara sind islamistische Fanatiker und Terrorgruppen aktiv. Ihr Aktionsgebiet zieht sich von Somalia &uuml;ber Sudan, Niger, Tschad und Mali bis in den Norden Nigerias. Damit wiederum sind zentrale Interessen der L&auml;nder der Europ&auml;ischen Union tangiert. <\/span><\/p>\n<p class=\"Default\"><b><span lang=\"DE\">Conclusio <\/span><\/b><\/p>\n<p class=\"Default\"><span lang=\"DE\">Laut kirchlicher Lehre kann ein Krieg nur dann gerechtfertigt sein, wenn alle diese Kriterien erf&uuml;llt werden. Zumindest ein paar zeigen, dass es kein gerechtfertigter Krieg ist. Warum wird das franz&ouml;sische Vorgehen aber von fast allen europ&auml;ischen Regierungen begr&uuml;&szlig;t oder stillschweigend zur Kenntnis genommen? Deutschland will zwar keine eigenen Kampftruppen stellen, bietet aber logistische Hilfe und hat bereits Lufttransporter nach Afrika geschickt. Die USA haben angek&uuml;ndigt, Drohnen ins Kriegsgebiet zu bringen &ndash; ihrem Lieblingsobjekt im &bdquo;Modern Warfare&ldquo; &ndash; erprobt von Afghanistan bis Jemen. Gro&szlig;britannien hat ebenfalls angek&uuml;ndigt, zumindest mit Material B&uuml;ndnistreue zu zeigen &ndash; schlie&szlig;lich h&auml;ngt doch die ganze NATO mit drinnen, wenn ihr Partner in den Krieg zieht. <\/span><\/p>\n<p class=\"Default\"><span lang=\"DE\">Als gef&auml;hrlicher und kontraproduktiver Weg erwies es sich wieder einmal, wenn westliche M&auml;chte eine Armee in einem B&uuml;rgerkriegsland aufr&uuml;sten. So d&uuml;rfte die von den USA unterst&uuml;tze Aufr&uuml;stung der regul&auml;ren malischen Armee zun&auml;chst zum Putsch gef&uuml;hrt haben und es muss zu bef&uuml;rchten sein, dass malische Soldaten auch Menschenrechtsverletzungen begehen k&ouml;nnten.<\/span><\/p>\n<p class=\"Default\"><span lang=\"DE\">Friedensbewegte Menschen fordern, dass Milit&auml;rinterventionen stets an letzter Stelle stehen sollten. Die vergangenen Jahrzehnte milit&auml;rischer Interventionen &ndash; Irak, Afghanistan, Somalia, Libyen &ndash; haben gezeigt, dass mit milit&auml;rischer Einmischung von au&szlig;en kein Staat und kein Frieden zu machen sind, dass jedoch damit stets unendlich viel menschliches Leid, Zerst&ouml;rung und Vergeudung von Ressourcen verkn&uuml;pft sind. Frankreich w&auml;re aufgrund seiner kolonialen Vergangenheit und seiner Interessen in der Region zu milit&auml;rischer Zur&uuml;ckhaltung verpflichtet. Die franz&ouml;sisch dominierte Intervention bietet den islamistischen Kr&auml;ften und den Tuareg-Rebellen nur neuen Vorwand f&uuml;r ihre terroristischen Aktivit&auml;ten. Auch Libyen ist kein Beispiel f&uuml;r eine gelungene Intervention von au&szlig;en angesichts von 30.000 Opfer des Kampfes um die Macht in Libyen, einem bis heute tief gespaltenen Land, das stets am Rande eines neuerlichen B&uuml;rgerkriegs steht, und einer immer noch zerst&ouml;rten Infrastruktur. Die Tausenden traumatisierten Tuareg-K&auml;mpfer, die auf Seiten Gaddafis gek&auml;mpft hatten und nach dem Machtwechsel aus Libyen in den Norden Malis geflohen sind, f&uuml;hren nun ihren Krieg in einem anderen Land weiter. Gewalt gebiert neue Gewalt. Aus der Gewalt f&uuml;hrt nur der Weg der Gewaltfreiheit. Es braucht eine Politik, die nicht mehr auf milit&auml;rische Konfliktbew&auml;ltigung setzt. <\/span><\/p>\n<p><!--[if gte mso 9]&gt;--><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kommission Pazifismus\/Anitmilitarismus in Pax Christi &Ouml;sterreich ist &auml;u&szlig;ert besorgt &uuml;ber die franz&ouml;sische Milit&auml;rintervention in Mali und bezweifelt, ob internationale Kampfma&szlig;nahmen gerechtfertigt und geeignet sind f&uuml;r die Beendigung der islamistischen Gewalttaten. 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