{"id":4651,"date":"2013-05-27T09:07:30","date_gmt":"2013-05-27T09:07:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.paxchristi.at\/?p=4651"},"modified":"2013-08-28T08:00:20","modified_gmt":"2013-08-28T08:00:20","slug":"die-stimme-erheben-gegen-das-unrecht-das-taglich-millionen-menschen-angetan-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.paxchristi.at\/?p=4651","title":{"rendered":"Die Stimme erheben gegen das Unrecht, das t\u00e4glich Millionen Menschen angetan wird!"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center\">\n\t<span style=\"font-size: 14px\"><span style=\"font-family: verdana,geneva,sans-serif\">Kaplan Franz Sieder<\/span><\/span>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\n\t<span style=\"font-size: 14px\"><span style=\"font-family: verdana,geneva,sans-serif\"><strong>Die Stimme erheben gegen das Unrecht,<br \/>\n\tdas t&auml;glich Millionen Menschen angetan wird!<\/strong><\/span><\/span>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\n\t<span style=\"font-size: 14px\"><span style=\"font-family: verdana,geneva,sans-serif\">Predigt beim Friedensgottesdienst von Pax Christi Wien sowie Christinnen und Christen f&uuml;r die Friedensbewegung am 26. Mai 2013 im Wiener Stephansdom<\/span><\/span>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n\t<span style=\"font-size: 14px\"><span style=\"font-family: verdana,geneva,sans-serif\">Am Fest der Heiligsten Dreifaltigkeit w&auml;re es angebracht &uuml;ber das Geheimnis der Dreifaltigkeit zu predigen. Da wir aber dieses Geheimnis der immer g&ouml;ttlichen Einheit von Vater, Sohn und Heiliger Geist in seiner Tiefe nicht wirklich begreifen k&ouml;nnen, ist es sicher sinnvoller dar&uuml;ber nachzudenken, was der dreifaltige Gott von uns will &ndash; wozu er uns aufruft. Im heutigen Evangelium sagt uns Jesus: &bdquo;Der Geist wird euch in die ganze Wahrheit einf&uuml;hren.&ldquo; Es stellt sich da f&uuml;r uns die Pilatus-Frage &bdquo;Was ist Wahrheit?&ldquo; Was ist die zentrale Botschaft von Gott an uns Menschen? <\/span><\/span>\n<\/p>\n<p>\n\t<!--more-->\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n\t<span style=\"font-size: 14px\"><span style=\"font-family: verdana,geneva,sans-serif\">Niemand auf der Welt hat die Wahrheit f&uuml;r sich gepachtet &ndash; auch kein Papst und kein Bischof. Wir sind auf der Suche nach der Wahrheit und der Heilige Geist wird uns helfen, dass wir der Wahrheit n&auml;herkommen. Wenn Jesus einmal gesagt hat: &bdquo;Ich bin die Wahrheit&ldquo; &ndash; dann werden wir in die Wahrheit tiefer eindringen, wenn wir uns die Frage stellen: Was ist die Intention von Jesus? Um was ist es ihm wirklich gegangen und um was geht es ihm heute? Wir beten ja immer auch im &bdquo;Vater unser&ldquo;: &bdquo;Dein Wille geschehe&ldquo;<\/span><\/span>\n<\/p>\n<p>\n\tDer Theologe und Kurienkardinal Walter Kaspar schreibt in einem Buch folgendes: &bdquo;Wenn ein Mensch, der die Evangelien &uuml;berhaupt nicht kennt &ndash; wenn er sich daranmacht aus den Evangelien herauszusuchen und herauszufiltern, um was es diesen Jesus von Nazareth wirklich gegangen ist, dann ist es &uuml;ber alle Zweifel erhaben, dass es Jesus um das Werden des Reiches Gottes in unserer Welt gegangen ist. Dieses anbrechende Reich Gottes ist die Sache Jesu schlechthin &ndash; es ist der rote Faden, der sich durch die Evangelien hindurch zieht. Kaspar sagt dann auch gleich, was Jesus unter Reich Gottes verstanden hat. Er sagt: Im Verst&auml;ndnis von Jesus muss das Reich Gottes immer gesehen werden auf dem Hintergrund der gro&szlig;en Menschheitsfragen nach Gerechtigkeit, nach Frieden, nach Freiheit, nach einem sinnvollen und menschenw&uuml;rdigen Leben f&uuml;r alle Menschen unserer Erde.\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n\t<span style=\"font-size: 14px\"><span style=\"font-family: verdana,geneva,sans-serif\"><a href=\"http:\/\/www.paxchristi.at\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/May26-2013-1251.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" alt=\"\" class=\"alignleft size-medium wp-image-4653\" height=\"224\" src=\"http:\/\/www.paxchristi.at\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/May26-2013-1251-300x224.jpg\" title=\"May26 2013 125\" width=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.paxchristi.at\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/May26-2013-1251-300x224.jpg 300w, https:\/\/www.paxchristi.at\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/May26-2013-1251.jpg 448w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.paxchristi.at\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/May26-2013-1451.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" alt=\"\" class=\"alignleft size-medium wp-image-4654\" height=\"265\" src=\"http:\/\/www.paxchristi.at\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/May26-2013-1451-300x265.jpg\" title=\"May26 2013 145\" width=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.paxchristi.at\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/May26-2013-1451-300x265.jpg 300w, https:\/\/www.paxchristi.at\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/May26-2013-1451.jpg 380w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/span><\/span>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n\t&nbsp;\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n\t<br \/>\n\t<span style=\"font-size: 14px\"><span style=\"font-family: verdana,geneva,sans-serif\">&nbsp;<\/span><\/span>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n\tDas, was f&uuml;r Jesus das wichtigste ist, das muss auch f&uuml;r die Christinnen und Christen sowie f&uuml;r die Pastoral seiner Kirche das wichtigste sein &ndash; n&auml;mlich der Einsatz f&uuml;r Friede und Gerechtigkeit. Die Kirche war zweifellos immer sehr stark in der Caritas, im Helfen von notleidenden Menschen, aber sie war eher schwach in der Gerechtigkeit. Bei der Gerechtigkeit geht es darum, Strukturen zu schaffen, wo Menschen nicht mehr unterdr&uuml;ckt und ausgebeutet werden, wo die Schere zwischen Arm und Reich nicht mehr auseinander geht &ndash; Strukturen, die es erm&ouml;glichen, dass alle Menschen auf unserer Erde menschenw&uuml;rdig leben k&ouml;nnen. Das Wort &bdquo;Friede&ldquo; bekommt auch sehr oft in der Liturgie des Gottesdienstes vor und wir geben uns sogar gegenseitig den Friedensgru&szlig;. Friede im Verst&auml;ndnis von Jesus ist aber mehr als der Friede im eigenen Herzen und oder Friede in der Familie. Friede ist auch mehr als Nicht-Krieg. Wahrer Friede h&auml;ngt auch sehr stark mit der Gerechtigkeit zusammen. In einem Psalm hei&szlig;t es sogar: &bdquo;Gerechtigkeit und Friede k&uuml;ssen sich.&ldquo; Im Verst&auml;ndnis der internationalen katholischen Friedensbewegung Pax Christi k&ouml;nnte Friede folgenderma&szlig;en definiert werden: &bdquo;Friede ist die fortschreitende Realisierung der demokratischen und sozialen Grundrechte aller Menschen.&ldquo;\n<\/p>\n<p>\n\tIch freue mich, dass der neue Papst Franziskus I. in der Ausrichtung der Kirche auf diese Linie einschwenkt: Der Einsatz f&uuml;r die Gerechtigkeit und der Kampf gegen die Armut. Wenn wir n&uuml;chtern die Wirklichkeit unserer Welt sehn, dann sind wir aber von einem wirklichen Frieden und von wahrer Gerechtigkeit noch weit entfernt.\n<\/p>\n<p>\n\tWenn wir vom Einsatz f&uuml;r den Frieden sprechen, dann denken wir vorrangig an jene L&auml;nder, wo Krieg herrscht und wo t&auml;glich Menschen get&ouml;tet werden &ndash; ans Syrien, an den Israel-Pal&auml;stina-Konflikt, an den Irak oder an die Stammeskriege in Afrika. Das alles kann und darf uns nicht gleichg&uuml;ltig sein.\n<\/p>\n<p>\n\tIch m&ouml;chte aber sagen, dass wir uns momentan in einem Kriegszustand befinden. Der Schweizer Sozialwissenschaftler Jean Ziegler sagt, dass alle f&uuml;nf Sekunden auf unserer Welt ein Kind an Hunger stirbt. Ziegler sagt: &bdquo;Diese Kinder sind nicht verhungert, sondern sie sind ermordet worden.&ldquo; Wenn diese Kinder ermordet werden, dann ist das Krieg &ndash; dann d&uuml;rfen wir als Christinnen und Christen auch nicht Zuschauerinnen und Zuschauer spielen, sondern m&uuml;ssen diesem m&ouml;rderischen Trieben ein Ende Setzen. Als der Fernsehreporter Jean Ziegler fragte, wer der M&ouml;rder dieser Kinder ist, da hat er keinen Namen genannt. Er sagte: &bdquo;Das System ist der M&ouml;rder.&ldquo; Unser neoliberales Wirtschaftssystem ist der M&ouml;rder. Der Marktmechanismus in diesem System reagiert nicht nur auf Geld &ndash; er entscheidet auch &uuml;ber Leben und Tod von Menschen. Wer in diesem Markt nichts einzubringen hat, der \/ die ist uninteressant, der \/ die bleibt drau&szlig;en und der \/ die kann verrecken. Millionen von Menschen in der Dritten Welt sterben auf den Schlachtfeldern des Kapitalismus. Er ist ein System, wo es um den Profit geht und nicht um den Menschen. Weltweit spielen wir auf einem schiefen Fu&szlig;ballfeld. Die Menschen in der s&uuml;dlichen Hemisph&auml;re m&uuml;ssen bergauf spielen &ndash; die reichen L&auml;nder spielen bergab. Wir in &Ouml;sterreich geh&ouml;ren zweifellos zu jenen, die bergab spielen.\n<\/p>\n<p>\n\tEs ist die Aufgabe der Kirche den Kapitalismus zu demaskieren und sein d&auml;monisches und menschenverachtendes Treiben aufzuzeigen. Manche von Ihnen denken jetzt vielleicht: Wenn er den Kapitalismus so sehr ablehnt, dann pl&auml;diert er f&uuml;r den Kommunismus. Nein, ich bin nicht f&uuml;r den Kommunismus. Der Kommunismus, wie ihn die Oststaaten erlebt haben, ist schon deshalb hundertprozentig abzulehnen, weil er ein diktatorisches System ist. Jede Diktatur ist unchristlich und dem Geist Christi entgegenstehend. Eine Diktatur kann auch ohne Folterungen und ohne Hinrichtungen &uuml;berhaupt nicht existieren. Wenn Diktaturen zusammenbrechen, dann ist das immer ein Wachstumsschub des Reiches Gottes in unserer Welt. Als Alternative zum Kapitalismus brauchen wir eine Wirtschaft, die den Menschen zum Ziel hat und nicht die Profitmaximierung. Wir brauchen eine Politik, die &uuml;ber die Wirtschaft dominiert und nicht umgekehrt und als Christinnen und Christen m&uuml;ssen wir eine Politik fordern, die nicht eine Politik f&uuml;r die Reichen ist, sondern &#8211; so wie es der Papst fordert &ndash; immer eine klare Option f&uuml;r die Armen und die Schwachen der Gesellschaft hat. Es gibt keinen Frieden ohne Gerechtigkeit und es gibt keine Gerechtigkeit ohne Grundsatz der Gleichheit aller Menschen unserer Erde.\n<\/p>\n<p>\n\tDietrich Bonhoeffer, der im KZ ermordet wurde, sagte damals: &bdquo;Ihr habt erst dann das Recht, in den Kl&ouml;stern und Domen Chor&auml;le zu singen, wenn wir auch laut schreit gegen das Unrecht, dass den Juden angetan wird.&ldquo;\n<\/p>\n<p>\n\tAnalog zu dieser Aussage m&ouml;chte ich heute sagen: Ihr habt erst dann das Recht sch&ouml;ne und feierliche Liturgien im Dom zu feiern, wenn Ihr zugleich eure Stimme erhebt gegen das Unrecht, das t&auml;glich Millionen von Menschen auf unserer Welt angetan wird.<br \/>\n\t&nbsp;\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n\t(Kaplan Franz Sieder)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kaplan Franz Sieder Die Stimme erheben gegen das Unrecht, das t&auml;glich Millionen Menschen angetan wird! 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