{"id":5507,"date":"2013-10-21T16:38:37","date_gmt":"2013-10-21T14:38:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.paxchristi.at\/?p=5507"},"modified":"2013-10-21T16:38:37","modified_gmt":"2013-10-21T14:38:37","slug":"vertreibung-von-beduinen-aus-der-wueste-in-israel-verhindern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.paxchristi.at\/?p=5507","title":{"rendered":"Vertreibung von Beduinen aus der W\u00fcste in Israel verhindern"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">\n\t<span style=\"font-size: 14px\">Pax Christi Deutschnland und Rabbiner f&uuml;r Menschenrechte bitten Bundesregierung und Parteien um Unterst&uuml;tzung.&nbsp; Die Pax Christi Deutschland-Nahost-Kommission hat sich gemeinsam mit den Rabbinern f&uuml;r Menschenrechte mit der Bitte an Bundesregierung und Fraktionsvorsitzende im Deutschen Bundestag gewandt, m&ouml;glichst umgehend mit den in Israel f&uuml;r den &bdquo;Prawer-Begin-Plan&ldquo; Verantwortlichen Kontakt aufzunehmen. Es geht darum, die Sorgen und Bedenken der internationalen Gemeinschaft darzulegen, falls dieser Plan im israelischen Parlament verabschiedet und umgesetzt w&uuml;rde. Dr. Manfred Budzinski, der Sprecher der Nahost-Kommission, betont: &bdquo;Gegenw&auml;rtig sind etwa 40.000 Beduinen in Gefahr, infolge dieses Planes ihre H&auml;user und ihre Grundst&uuml;cke zu verlieren.&quot;&nbsp; Dieses Gesetzgebungsverfahren hat in den letzten Wochen zu zahlreichen Protesten in Israel, Pal&auml;stina und der ganzen Welt gef&uuml;hrt. Schon in den vergangenen Jahren hat die internationale Gemeinschaft wiederholt ihre Kritik gegen den Plan zum Ausdruck gebracht. Im M&auml;rz 2012 hat der UN-Ausschuss f&uuml;r die Beseitigung f&uuml;r Rassendiskriminierung Israel aufgefordert, die vorgeschlagene Umsetzung der Rechtsvorschriften des Prawer-Begin-Plans wegen erkennbarer Diskriminierung zur&uuml;ckzuziehen. &bdquo;Bereits im Juli 2012&ldquo;, so Manfred Budzinski, &bdquo;verabschiedete das Europ&auml;ische Parlament eine Resolution, in der Israel aufgefordert wurde, diesen Plan und seine Politik der Verdr&auml;ngung, Vertreibung und Enteignung zu stoppen.&ldquo; Am 24. Juni 2013 hat das israelische Parlament, die Knesset, in erster Lesung das &bdquo;Gesetz zur Regelung der Beduinen in der Negev-Settlement&ldquo;, auch &bdquo;Prawer-Begin-Plan&ldquo; genannt, mit 43 zu 40 Stimmen verabschiedet. Der Gesetzentwurf wird nun von dem Ausschuss f&uuml;r Inneres und Umwelt f&uuml;r die zweite und dritte Lesung in K&uuml;rze vorbereitet. Dieser Plan sieht vor, 40 Prozent der Beduinen, die heute in sogenannten &bdquo;nicht anerkannten D&ouml;rfern&ldquo; leben, in vom Staat daf&uuml;r vorgesehene Areale umzusiedeln. Der Plan legt au&szlig;erdem fest, dass die Beduinen nur zu 50 Prozent f&uuml;r den Verlust des Landes entsch&auml;digt werden. Die nationalreligi&ouml;se Partei &bdquo;J&uuml;disches Heim&rdquo; (Vorsitzender ist Naftali Bennett) hat in letzter Minute den folgenden Zusatz durchgebracht: Den Beduinen soll nur eine begrenzte Zeit&nbsp; f&uuml;r die Akzeptanz dieser Kompensation zugestanden werden (die dann zugleich deren Zustimmung zur Konfiszierung des Landes bedeutet).&nbsp; Falls sie aber in diesem Zeitraum die Kompensation nicht unmittelbar annehmen sollten, verlieren sie ihr Recht auf Kompensation. Nach der Umsetzung des &quot;Prawer-Begin-Plans&quot; soll das Land f&uuml;r j&uuml;dische Staatsangeh&ouml;rige zur Verf&uuml;gung gestellt werden.<br \/>\n\t***&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/span>\n<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>\n\t&nbsp;\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n\t<span style=\"font-size: 14px\">&nbsp;<br \/>\n\tHintergrundinformationen: Der s&uuml;dliche Teil Israels, Naqab bzw. Negev auf Hebr&auml;isch, umfasst ungef&auml;hr 60 % des israelischen Territoriums innerhalb seiner international anerkannten Grenzen von vor 1967. Dieses wasserarme Gebiet war die Heimstatt f&uuml;r pal&auml;stinensische und beduinische B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger schon lange, bevor der Staat Israel gegr&uuml;ndet wurde.<br \/>\n\tVor 1948 siedelten 65.000 bis 90.000 Beduinen in der Negev-W&uuml;ste. Fast 90 Prozent dieser Halbnomaden lebten traditionell vom Ackerbau, die restlichen 10 Prozent von der Viehzucht. W&auml;hrend des Krieges von 1948\/49 wurden etwa 85 Prozent der Beduinen der Negev von ihrem Land vertrieben und fl&uuml;chteten ins Westjordanland, nach Gaza, Jordanien oder &Auml;gypten. Anfang der 1950er Jahre waren von den urspr&uuml;nglich 95 Beduinenst&auml;mmen in der Negev nur noch 19 &uuml;brig.<br \/>\n\tNachdem &uuml;ber die pal&auml;stinensische Bev&ouml;lkerung auf der israelischen Seite der Gr&uuml;nen Linie das Kriegsrecht verh&auml;ngt worden war, durften die Beduinen nicht mehr mit ihren Herden umherziehen und auch ihr Land nicht mehr bestellen. Zw&ouml;lf der verbliebenen 19 St&auml;mme wurden gewaltsam von ihrem Land vertrieben und durften sich nur noch in einem eingegrenzten Gebiet in der nord&ouml;stlichen Negev aufhalten, das sie nur mit einer Sondererlaubnis verlassen konnten. Dieses Siyag (deutsch: Zaun) genannte Gebiet umfasst etwa 10 Prozent des Landes, &uuml;ber das die Beduinen vor 1948 verf&uuml;gten, und ist dar&uuml;ber hinaus f&uuml;r seine Unfruchtbarkeit bekannt.Die Beduinen der Negev, heute handelt es sich um etwa 180.000 bis 190.000 Menschen, sind israelische Staatsb&uuml;rger. Die eine H&auml;lfte der Negev Beduinen lebt in von der Regierung gebauten Siedlungen und St&auml;dten. Die gr&ouml;&szlig;te der sieben &bdquo;anerkannten&ldquo; Beduinenst&auml;dte ist Rahat mit &uuml;ber 50.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Den St&auml;dten und Siedlungen fehlt es allerdings an elementarer Infrastruktur wie Gehwegen, asphaltierten Stra&szlig;en, Banken, Bibliotheken und Arbeitsm&ouml;glichkeiten f&uuml;r die Bewohner. Es handelt sich &uuml;berwiegend um Schlafst&auml;dte, die der Kultur der Beduinen in keiner Weise Rechnung tragen und die unumkehrbare Auswirkungen auf das Familienleben und die Sozialstrukturen haben. In den Planungen wurde zum Beispiel nicht bedacht, dass Gro&szlig;familien beieinander leben wollen. F&uuml;r die n&auml;chsten Generationen ist kein Platz vorgesehen.<br \/>\n\tIn den Beduinenst&auml;dten sind Drogenmissbrauch und Arbeitslosigkeit um ein Vielfaches h&ouml;her als in den umliegenden j&uuml;dischen St&auml;dten. Und das f&uuml;r sie vorgesehene Land reicht gar nicht aus, um das nat&uuml;rliche Wachstum der Ansiedlungen zu absorbieren. Die St&auml;dte stehen wirtschaftlich auf t&ouml;nernen F&uuml;&szlig;en, haben weder eine ausreichende Gesundheitsversorgung noch Ausbildungsm&ouml;glichkeiten und Freizeitangebote f&uuml;r die Jungen. In allen sozio&ouml;konomischen Vergleichsstudien erzielen die Beduinenst&auml;dte Jahr f&uuml;r Jahr die niedrigsten Werte. Die andere H&auml;lfte der Negev-Beduinen lebt in 40 sogenannten &bdquo;nicht anerkannten D&ouml;rfern&ldquo;, deren Einwohnerzahlen von ein paar Hundert bis zu einigen Tausend erreichen. Obwohl viele dieser D&ouml;rfer schon vor der Gr&uuml;ndung des Staates Israel im Jahre 1948 existierten, gelten sie als illegal. Sie sind nicht auf den offiziellen Karten verzeichnet, und es gibt dort weder Strom, noch Wasser, keine Schulen, keine Kanalisation oder andere &ouml;ffentliche Dienstleistungen.<br \/>\n\tDer &bdquo;Prawer-Begin-Plan&ldquo; sieht nun die Umsiedlung dieser 30-40.000 Beduinen in die &bdquo;anerkannten&ldquo; Beduinenst&auml;dte vor, was die Zerst&ouml;rung ihrer gemeindlichen und sozialen Lebensart und ihre Verurteilung zu dauerhafter Armut und Arbeitslosigkeit zur Folge haben w&uuml;rde.<\/span>\n<\/p>\n<p>\n\t&nbsp;\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n\t<span style=\"font-size: 14px\">Sie finden den Text auch auf:<\/span>\n<\/p>\n<p>\n\t&nbsp;\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n\t<span style=\"font-size: 14px\">www.paxchristi.de<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pax Christi Deutschnland und Rabbiner f&uuml;r Menschenrechte bitten Bundesregierung und Parteien um Unterst&uuml;tzung.&nbsp; Die Pax Christi Deutschland-Nahost-Kommission hat sich gemeinsam mit den Rabbinern f&uuml;r Menschenrechte mit der Bitte an Bundesregierung und Fraktionsvorsitzende im Deutschen Bundestag gewandt, m&ouml;glichst umgehend mit den in Israel f&uuml;r den &bdquo;Prawer-Begin-Plan&ldquo; Verantwortlichen Kontakt aufzunehmen. 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