{"id":5781,"date":"2013-12-21T11:10:17","date_gmt":"2013-12-21T10:10:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.paxchristi.at\/?p=5781"},"modified":"2013-12-21T11:10:17","modified_gmt":"2013-12-21T10:10:17","slug":"evangelii-gaudium-eine-kommentierte-kurzfassung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.paxchristi.at\/?p=5781","title":{"rendered":"Evangelii Gaudium (eine kommentierte Kurzfassung)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">\n\t<span style=\"font-family: verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size: 14px;\">Papst Franziskus gebraucht keinen pluralis maiestaticus. In einem freundlichen Ton, ohne dogmatischen Unterton, mit einfachen Worten und&nbsp; Bildern l&auml;dt Franziskus ein, das Angebot eines befreienden Gottes anzunehmen, die Freude des Evangeliums zu erfahren. Das Schreiben ist in Demut verfasst. Es ist auch nicht Absicht des Papstes eine vollst&auml;ndige Analyse zu bewerkstelligen. (108), das Schreiben ist kein Dokument der Soziallehre, es g&auml;be allerdings f&uuml;r die Soziallehre der Kirche bereits ein ganzes Kompendium (184). Die Kirche hat zudem kein Monopol der Interpretation (184)<\/span><\/span>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n\t<span style=\"font-family: verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size: 14px;\">Die Priester bittet er in Freude verk&uuml;nden &ldquo;&#8230;wage ich zu bitten.&ldquo; (32) Freude, Gaudium: &bdquo;Folglich d&uuml;rfte ein Verk&uuml;nder des Evangeliums nicht st&auml;ndig ein Gesicht wie bei einer Beerdigung haben..&ldquo;(10) Er bedauert &bdquo;eine Grabespsychologie, die die Christen allm&auml;hlich in Mumien f&uuml;r das Museums verwandelt.&ldquo;(83)<\/span><\/span>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n\t<span style=\"font-family: verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size: 14px;\">Die Kirche soll eine aufmerksame Mutter sein (46), auf welche das Kind vertraut, weil es sich geliebt wei&szlig; (139). Es gef&auml;llt, wenn man in der Muttersprache mit uns spricht, im Dialekt. Franziskus erinnert an die Fu&szlig;waschung, an den Dienst der Kirche und an die N&auml;he der Christen, die den Geruch der Schafe kennen. Das Schreiben ist auch in dieser Tonart geschrieben:einfach, verst&auml;ndlich, klar und eindeutig.<\/span><\/span>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n\t<strong><span style=\"font-family: verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size: 14px;\">Wir d&uuml;rfen uns nicht wie Kontrolleure einer Zollstation verhalten (47), er w&uuml;nscht sich eine Kirche, die offene T&uuml;ren hat.<\/span><\/span><\/strong>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n\t<span style=\"font-family: verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size: 14px;\">Die Option f&uuml;r die Armen &ndash; eine Kirche in denen die Armen Priorit&auml;t haben, das zieht sich durch das Schreiben.<\/span><\/span>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n\t<u><span style=\"font-family: verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size: 14px;\">Ein vierfaches Nein:<\/span><\/span><\/u>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n\t<span style=\"font-family: verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size: 14px;\"><span style=\"color: rgb(0, 128, 0);\"><strong>Nein <\/strong>zu einer Gesellschaft , in der es Ausgeschlossene gibt (excluidos).<\/span>Im Originalton: &bdquo;Wie das Gebot, &#39;du sollst nicht t&ouml;ten&#39;, eine deutliche Grenze setzt, um den Wert des menschlichen Lebens zu sichern, m&uuml;ssen wir heute ein Nein zu einer Wirtschaft der Ausschlie&szlig;ung und der ungleichen Einkommensverteilung sagen. Diese Wirtschaft t&ouml;tet. Es ist unglaublich, dass es kein Aufsehen erregt, wenn ein alter Mann, der gezwungen ist, auf der Stra&szlig;e zu leben, erfriert, w&auml;hrend es Schlagzeilen macht, wenn die Kurse an der B&ouml;rse um 2 Punkte fallen. Der Mensch an sich wird als Konsumgut gehandelt, das man gebrauchen und dann wegwerfen kann. Es geht nicht mehr einfach um Ausbeutung, sondern um etwas Neues. Die Ausgeschlossenen sind nicht &bdquo;Ausgebeutete, sondern M&uuml;ll, Abfall&ldquo; (53) Radikale Systemkritik und radikale Kritik am neoliberalen Kapitalismus.<\/span><\/span>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n\t<span style=\"color: rgb(0, 128, 0);\"><span style=\"font-family: verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size: 14px;\">Das zweite <strong>Nein<\/strong> trifft, die Verg&ouml;tterung des Geldes, das goldene Kalb und die absolute Autonomie der M&auml;rkte.<\/span><\/span><\/span>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n\t<span style=\"font-family: verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size: 14px;\"><span style=\"color: rgb(0, 128, 0);\">Ein weiteres <strong>Nein <\/strong>zu einer Gesellschaft , in der das Geld regiert.<\/span> Er erinnert an Johannes Chryostomus: &bdquo;Die eigenen G&uuml;ter nicht mit den Armen zu teilen bedeutet diese zu bestehlen und ihnen das Leben zu entziehen. Die G&uuml;ter, die wir besitzen geh&ouml;ren nicht uns, sondern ihnen.&ldquo; (57)<\/span><\/span>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n\t<span style=\"color: rgb(0, 128, 0);\"><span style=\"font-family: verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size: 14px;\">Das vierte&nbsp;<strong>Nein<\/strong> betrifft die soziale Ungleichheit, die zur Gewalt f&uuml;hrt, welche wiederum den R&uuml;stungswettlauf bedingt.<\/span><\/span><\/span>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n\t&nbsp;\n<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n\t<span style=\"font-family: verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size: 14px;\">Interessant, wenn der Papst Bezug nimmt auf Ph&auml;nomene und Anregungen aus verschiedensten Kulturkreisen, namentlich auf Lateinamerika, Afrika, Asien, Indien, Philippinen, USA u.a.m. Internationale Anregungen werden im Schreiben aufgenommen.<\/span><\/span>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n\t<span style=\"font-family: verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size: 14px;\">Scharfe Kritik erntet der relativistische Subjektivismus(70), der Gnostizismus, der im Subjektivismus eingeschlossene Glaube, ein anthropozentrische Immanentismus (90). Kritik gilt der egozentrischen Selbstgef&auml;lligkeit(95), eine Spiritualit&auml;t des Wohlbefindens(90), eine Theologie des Wohlstandes &ndash; harsche Selbstkritik.<\/span><\/span>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n\t<span style=\"font-family: verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size: 14px;\">Auf&nbsp; Kulturen m&ouml;chte er und die Kirche R&uuml;cksicht nehmen. Die eigene Kultur darf nie sakralisiert werden, Kulturen verdienen Respekt und Bewunderung, so wie eine Braut, die ihr Geschmeide angelegt hat (Jes 61,10). Die Kultur ist das Geschmeide (116)<\/span><\/span>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n\t<span style=\"font-family: verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size: 14px;\">Ausf&uuml;hrlich geht EG auf die gesellschaftliche Eingliederung der Armen ein. Es geht um die Option f&uuml;r die Armen, um die Befreiung (187) und um die Solidarit&auml;t. Es braucht eine radikale Solidarit&auml;t, welche eine neue Mentalit&auml;t in der Einstellung zum Eigentum beinhaltet, die strukturelle &Auml;nderungen einfordert. Dazu braucht es auch neue Einsichten.<\/span><\/span>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n\t<span style=\"font-family: verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size: 14px;\">Die Option f&uuml;r die Armen wird theologische begr&uuml;ndet, die Option f&uuml;r die Letzten, f&uuml;r die, welche die Gesellschaft aussondert und wegwirft. Es geht der Kirche um eine au&szlig;erordentliche und vorrangige Zuwendung (197).<\/span><\/span>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n\t<span style=\"font-family: verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size: 14px;\">Es braucht eine diesbez&uuml;gliche Politik, als Form der Liebe, es braucht dazu eine &Ouml;konomie, die ordnet und gut ist. Und nochmals: die Kirche muss sich der Schwachen annehmen: der Obdachlosen, der Drogenabh&auml;ngigen, der Fl&uuml;chtlinge, der Migranten, der Frauen, die unterdr&uuml;ckt werden.<\/span><\/span>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n\t<span style=\"font-family: verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size: 14px;\">Der Bogen der Option&nbsp; und Solidarit&auml;t spannt sich weiter: der Papst denkt auch an Tiere und Natur.<\/span><\/span>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n\t<span style=\"font-family: verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size: 14px;\">Den Konflikten soll und muss man sich stellen, wobei der Friedensstiftung Vorrang einger&auml;umt wird. <em>&bdquo;Selig die, die Frieden stiften (Mt.5,9; EG 231). <\/em>F&uuml;r den Dialog gilt das &bdquo;Evangelium vom Frieden&ldquo; (Eph. 6, 15)<\/span><\/span>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n\t<span style=\"font-family: verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size: 14px;\">Das Dokument&nbsp; kann und wird Pax Christi einen aufmunternden R&uuml;ckenwind geben &ndash; ein begeistertes Schreiben.<\/span><\/span>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n\t<span style=\"font-family: verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size: 14px;\">Innsbruck, am 1.12.2013<\/span><\/span><br \/>\n\t<span style=\"font-family: verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size: 14px;\">Jussuf Windischer<\/span><\/span><br \/>\n\t<span style=\"font-family: verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size: 14px;\">Generalsekret&auml;r PC&Ouml;<\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Papst Franziskus gebraucht keinen pluralis maiestaticus. 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