{"id":5841,"date":"2014-02-22T18:17:22","date_gmt":"2014-02-22T17:17:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.paxchristi.at\/?p=5841"},"modified":"2014-02-22T18:17:22","modified_gmt":"2014-02-22T17:17:22","slug":"drei-jahre-haft-fuer-84-jaehrige-nonne-wegen-eindringens-in-atomanlage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.paxchristi.at\/?p=5841","title":{"rendered":"Drei Jahre Haft f\u00fcr 84-j\u00e4hrige Nonne wegen Eindringens in Atomanlage"},"content":{"rendered":"<p>Weil sie in einem pazifistischen Protest auf das Gel\u00e4nde einer schwer bewachten Atomanlage eingedrungen war, ist eine 84-j\u00e4hrige Nonne in den USA zu fast drei Jahren Gef\u00e4ngnis verurteilt worden. Im Prozess bat die Friedensaktivistin Schwester Megan Rice den Richter, die H\u00f6chststrafe gegen sie zu verh\u00e4ngen, wie die Zeitung The Tennessean berichtete: Es w\u00e4re eine Ehre f\u00fcr sie, wenn sie den Rest ihres Lebens im Gef\u00e4ngnis verbringen w\u00fcrde, sagte Rice.<\/p>\n<p>Rice und ihre zwei Mitangeklagten sitzen bereits seit Mai vergangenen Jahres in einem Bezirksgef\u00e4ngnis in Georgia, nachdem sie f\u00fcr schuldig befunden worden waren. Das ihnen vorgeworfene Vergehen lautet: &#8222;versuchte Verletzung der nationalen Verteidigung&#8220;. Ihr Eindringen auf das Gel\u00e4nde der Atomanlage war eine gro\u00dfe Blamage f\u00fcr die US-Regierung, schlie\u00dflich zeugt es nicht gerade von hohen Sicherheitsstandards, wenn eine betagte Frau mit zwei Komplizen scheinbar m\u00fchelos in eine Atomanlage hineinspazieren kann.<\/p>\n<p>Genau dies war Rice und den beiden Mitangeklagten Michael Walli, 64, und Greg Boertje-Obed, 58, am 28. Juli 2012 gelungen. Schauplatz war das Gel\u00e4nde der US-Atomanlage Y-12 National Security Complex in Oak Ridge im US-Bundesstaat Tennessee. Die Anlage gilt als &#8222;Fort Knox&#8220; unter den Atomlagern, als Amerikas Top-Lagerst\u00e4tte f\u00fcr waffenf\u00e4higes, hochangereichertes Uran. Laut Anklage schnitten sich die drei Friedensaktivisten den Weg durch drei Z\u00e4une, vorbei an Sicherheitskameras, Bewegungsmeldern und bewaffneten Sicherheitskr\u00e4ften. Ihre einzigen Werkzeuge sollen Taschenlampen und ein Bolzenschneider gewesen sein.<\/p>\n<p>Babyflaschen mit Menschenblut<\/p>\n<p>Im Inneren der Anlage schleuderten sie mit Menschenblut gef\u00fcllte Babyflaschen gegen die Au\u00dfenmauern des Lagerhauses und bespr\u00fchten sie mit biblischen Friedensbotschaften wie &#8222;Schwerter zu Pflugscharen&#8220; oder &#8222;Spie\u00dfe zu Sicheln&#8220; &#8211; zum Andenken an die Opfer von Kriegen. Au\u00dferdem sollen sie mit H\u00e4mmern ein paar Steine aus der Mauer geschlagen haben. Anschlie\u00dfend lie\u00dfen sie sich widerstandslos festnehmen.<\/p>\n<p>Vor Gericht gaben sie ihre Taten ohne Umschweife zu. Mit der Aktion h\u00e4tten sie auf das amerikanische Atomwaffenarsenal aufmerksam machen wollen, das unmoralisch und illegal sei, sagten sie. Au\u00dferdem sei es ihnen darauf angekommen, zu zeigen, wie lasch die Sicherheitsvorkehrungen in der Anlage seien.<\/p>\n<p>Das ist ihnen in der Tat gelungen, doch Dankbarkeit von Seiten der Beh\u00f6rden d\u00fcrfen sie nicht erwarten &#8211; im Gegenteil. So lehnte der zust\u00e4ndige Richter Amul Thapar es ab, die drei Angeklagten nach dem Schuldspruch bis zur Festsetzung des Strafma\u00dfes auf freiem Fu\u00df zu lassen. Tausende Menschen aus aller Welt hatten in Briefen an den Richter um Milde gebeten.<\/p>\n<p>&#8222;Die Angeklagten sind ernster Vergehen f\u00fcr schuldig befunden worden&#8220;, zitiert die Zeitung Knoxville News Sentinel aus einem Antrag von Bundesanwalt Jeff Theodore. Der Bundesanwalt verweist darauf, dass die Aktion von langer Hand vorbereitet gewesen sei und die Angeklagten keinerlei Reue gezeigt h\u00e4tten. &#8222;Sie haben in ihren Straftaten geschwelgt und diese dazu benutzt, Publicity f\u00fcr ihr Anliegen zu erzeugen&#8220;, so Theodore. Bereits Ende Januar wurden Rice und die beiden anderen Aktivisten zu einer Zahlung von 53.000 Dollar (39.000 Euro) Schadenersatz verurteilt.<\/p>\n<p>Rice sitzt nicht zum ersten Mal in Haft<\/p>\n<p>Ihre Angst vor einer Gef\u00e4ngnisstrafe muss sich in Grenzen gehalten haben, immerhin wusste die 84-j\u00e4hrigen Nonne, worauf sie sich einlie\u00df. Im Laufe ihres Lebens hat die Atomkraftgegnerin an zahlreichen Protestaktionen gegen die amerikanische Armee und Nuklearanlagen teilgenommen und wurde schon unz\u00e4hlige Male wegen &#8222;zivilen Ungehorsams&#8220; festgenommen. Sie sa\u00df zwischen 1997 und 1999 zweimal f\u00fcr sechs Monate in Haft, weil sie bei mehreren Protesten gegen die Milit\u00e4rakademie School of the Americas in Georgia Hausfriedensbruch begangen hatte. Ihre Zeit im Gef\u00e4ngnis beurteilt die Nonne nicht nur negativ, immerhin habe sie durch diese Erfahrung gelernt, wie wenig sie eigentlich brauche. &#8222;Das hat mir die Augen ge\u00f6ffnet&#8220;, sagte Rice der New York Times.<\/p>\n<p>In den achtziger Jahren hatte sie sich der Anti-Atomkraft-Bewegung angeschlossen. Sie habe sich dazu verpflichtet gef\u00fchlt, sagte sie der New York Times, schlie\u00dflich habe sie als Nonne den notwendigen Freiraum f\u00fcr die Protestaktionen: &#8222;Wir sind frei wie die Lerchen. Wir haben keine Verantwortung &#8211; keine Kinder, keine Enkelkinder, keine Jobs.&#8220; Deswegen sei es ihre Aufgabe, gegen die Atomkraft zu k\u00e4mpfen.<br \/>\nAls reuige S\u00fcnderin scheint sich die Nonne nicht zu f\u00fchlen. &#8222;Ich bedauere, dass ich es nicht schon vor 70 Jahren getan habe&#8220;, sagte sie w\u00e4hrend des Prozesses zu ihrem Vorgehen. Die wahren Verbrechen w\u00fcrden in der Atomanlage begangen, zitierte die Zeitung Knoxville News Sentinel aus den Aussagen der Angeklagten.<\/p>\n<p>Autor: S\u00fcddeutsche Zeitung<br \/>\n(http:\/\/www.sueddeutsche.de\/panorama\/anti-atom-protest-drei-jahre-haft-fuer-jaehrige-nonne-wegen-eindringens-in-atomanlage-1.1891884)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weil sie in einem pazifistischen Protest auf das Gel\u00e4nde einer schwer bewachten Atomanlage eingedrungen war, ist eine 84-j\u00e4hrige Nonne in den USA zu fast drei Jahren Gef\u00e4ngnis verurteilt worden. 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