{"id":7718,"date":"2016-12-14T11:49:10","date_gmt":"2016-12-14T10:49:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.paxchristi.at\/?p=7718"},"modified":"2016-12-14T11:50:57","modified_gmt":"2016-12-14T10:50:57","slug":"weltfriedenstag-am-1-jaenner-2017-gewaltfreiheit-stil-einer-politik-fuer-den-frieden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.paxchristi.at\/?p=7718","title":{"rendered":"Weltfriedenstag am 1. J\u00e4nner 2017:\u00a0  Gewaltfreiheit: Stil einer Politik f\u00fcr den Frieden"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">\n\t<span style=\"font-family:verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size:14px;\">Am 1. J&auml;nner begeht die katholische Kirche zum 50. Mal den Weltfriedenstag. Aus diesem Anlass ver&ouml;ffentlicht der Vatikan eine Papstbotschaft mit dem Titel &quot;Gewaltfreiheit: Stil einer Politik f&uuml;r den Frieden&quot;. Pax Christi &Ouml;sterreich l&auml;dt dazu ein, an diesem Tag &#8211; oder in der 1. Woche des Jahres &#8211; in Gottesdiensten oder Gebetskreisen diese Botschaft zu Wort kommen zu lassen.<\/span><\/span>\n<\/p>\n<p>\n\t<!--more-->\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n\t<span style=\"font-family:verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size:14px;\">Radio Vatikan hat die Papstbotschaft zum 50. Weltfriedenstag am 1. Januar 2017 im vollen Wortlaut dokumentiert.<\/span><\/span>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n\t<span style=\"font-family:verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size:14px;\"><strong>Gewaltfreiheit: Stil einer Politik f&uuml;r den Frieden<\/strong><\/span><\/span>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n\t<span style=\"font-family:verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size:14px;\">1.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Am Anfang dieses neuen Jahres &uuml;bermittle ich allen V&ouml;lkern und Nationen der Welt, den Staats- und Regierungschefs sowie den Verantwortungstr&auml;gern der Religionsgemeinschaften und der verschiedenen Gruppierungen der Zivilgesellschaft meine tief empfundenen Gl&uuml;ckw&uuml;nsche f&uuml;r den Frieden. Jedem Mann, jeder Frau und jedem Kind w&uuml;nsche ich Frieden und bete, dass das Abbild und die &Auml;hnlichkeit Gottes in jedem Menschen uns gestatten, einander als heilige Gaben zu erkennen, die mit einer unermesslichen W&uuml;rde ausgestattet sind. Respektieren wir vor allem in Konfliktsituationen&nbsp; diese &raquo; tiefgr&uuml;ndigste W&uuml;rde &laquo;&nbsp; und machen wir die aktive Gewaltfreiheit zu unserem Lebensstil.<\/span><\/span>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n\t<span style=\"font-family:verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size:14px;\">Dies ist die Botschaft zum f&uuml;nfzigsten Weltfriedenstag. In der ersten dieser Botschaften wendete sich der selige Papst Paul VI. an alle V&ouml;lker &ndash; nicht nur an die Katholiken &ndash; mit unmissverst&auml;ndlichen Worten: &raquo; Es hat sich endlich ganz klar herausgestellt, dass der Friede der einzig wahre Weg menschlichen Fortschritts ist (nicht die Spannungen ehrgeiziger Nationalismen, nicht die gewaltsamen Eroberungen, nicht die Unterdr&uuml;ckungen, die eine falsche zivile Ordnung herbeif&uuml;hren) &laquo;. Er warnte vor der &raquo; Gefahr zu glauben, dass die internationalen Streitigkeiten nicht auf dem Weg der Vernunft, d.h. der auf Recht,&nbsp; Gerechtigkeit und Gleichheit gegr&uuml;ndeten Verhandlungen zu l&ouml;sen seien, sondern nur auf dem der Abschreckung und der t&ouml;dlichen Gewalt &laquo;. Mit einem Zitat aus der Enzyklika Pacem in terris seines Vorg&auml;ngers Johannes XXIII. pries er dagegen &raquo; den Sinn und die Begeisterung f&uuml;r den auf Wahrheit, Gerechtigkeit, Freiheit und Liebe gegr&uuml;ndeten Frieden &laquo;.&nbsp; Die Aktualit&auml;t dieser Worte, die heute nicht weniger wichtig und dringlich sind als vor f&uuml;nfzig Jahren, ist beeindruckend.<\/span><\/span>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n\t<span style=\"font-family:verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size:14px;\">Aus diesem Anlass m&ouml;chte ich n&auml;her auf die Gewaltfreiheit als Stil einer Politik f&uuml;r den Frieden eingehen und bitte Gott, uns allen zu helfen, auf die Gewaltfreiheit in der Tiefe unserer Gef&uuml;hle und pers&ouml;nlichen Werte zur&uuml;ckzugreifen. M&ouml;gen unsere Art, in zwischenmenschlichen, gesellschaftlichen und internationalen Beziehungen miteinander umzugehen, von Liebe und Gewaltfreiheit geleitet sein. Wenn die Opfer von Gewalt der Versuchung der Rache zu widerstehen wissen, k&ouml;nnen sie die glaubhaftesten Leitfiguren in gewaltfreien Aufbauprozessen des Friedens sein. M&ouml;ge die Gewaltfreiheit von der Ebene des lokalen Alltags bis zur Ebene der Weltordnung der kennzeichnende Stil unserer Entscheidungen, unserer Beziehungen, unseres Handelns und der Politik in allen ihren Formen sein.<\/span><\/span>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n\t<span style=\"font-family:verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size:14px;\">Eine zerbr&ouml;ckelte Welt<\/span><\/span>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n\t<span style=\"font-family:verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size:14px;\">2.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Das vergangene Jahrhundert ist von zwei m&ouml;rderischen Weltkriegen verw&uuml;stet worden und hat die Bedrohung eines Atomkriegs sowie eine gro&szlig;e Anzahl weiterer Konflikte erlebt, w&auml;hrend wir heute leider mit einem schrecklichen &bdquo;st&uuml;ckweisen&ldquo; Weltkrieg zu tun haben. Es ist nicht leicht zu erkennen, ob die Welt heute mehr oder weniger gewaltsam ist als gestern und ob die modernen Kommunikationsmittel und die unsere Zeit kennzeichnende Mobilit&auml;t uns die Gewalt bewusster machen oder ob sie uns mehr an sie gew&ouml;hnen.<\/span><\/span>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n\t<span style=\"font-family:verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size:14px;\">In jedem Fall verursacht diese Gewalt, die &bdquo;st&uuml;ckweise&ldquo; auf unterschiedliche Arten und verschiedenen Ebenen ausge&uuml;bt wird, unermessliche Leiden, um die wir sehr wohl wissen: Kriege in verschiedenen L&auml;ndern und Kontinenten; Terrorismus, Kriminalit&auml;t und unvorhersehbare bewaffnete &Uuml;bergriffe; Formen von Missbrauch, denen die Migranten und die Opfer des Menschenhandels ausgesetzt sind; Zerst&ouml;rung der Umwelt. Und wozu das alles? Erlaubt die Gewalt, Ziele von dauerhaftem Wert zu erreichen? L&ouml;st nicht alles, was sie erlangt, letztlich nur Vergeltungsma&szlig;nahmen und Spiralen t&ouml;dlicher Konflikte aus, die allein f&uuml;r einige wenige &bdquo;Herren des Krieges&ldquo; von Vorteil sind?<\/span><\/span>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n\t<span style=\"font-family:verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size:14px;\">Die Gewalt ist nicht die heilende Behandlung f&uuml;r unsere zerbr&ouml;ckelte Welt. Auf Gewalt mit Gewalt zu reagieren f&uuml;hrt bestenfalls zu Zwangsmigrationen und ungeheuren Leiden, denn gro&szlig;e Mengen an Ressourcen werden f&uuml;r milit&auml;rische Zwecke bestimmt und den t&auml;glichen Bed&uuml;rfnissen der Jugendlichen, der Familien in Not, der alten Menschen, der Kranken, der gro&szlig;en Mehrheit der Erdenbewohner entzogen. Schlimmstenfalls kann sie zum physischen und psychischen Tod vieler, wenn nicht sogar aller f&uuml;hren.<\/span><\/span>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n\t<span style=\"font-family:verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size:14px;\">Die Frohe Botschaft<\/span><\/span>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n\t<span style=\"font-family:verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size:14px;\">3.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Auch Jesus lebte in Zeiten der Gewalt. Er lehrte, dass das eigentliche Schlachtfeld, auf dem Gewalt und Frieden einander begegnen, das menschliche Herz ist: &raquo; Von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die b&ouml;sen Gedanken &laquo; (Mk 7,21). Doch die Botschaft Christi bietet angesichts dieser Realit&auml;t die von Grund auf positive Antwort: Er verk&uuml;ndete unerm&uuml;dlich die bedingungslose Liebe Gottes, der aufnimmt und verzeiht, und lehrte seine J&uuml;nger, die Feinde zu lieben (vgl. Mt 5,44) und &bdquo;die andere Wange&ldquo; hinzuhalten (vgl. Mt 5,39). Als er die Ankl&auml;ger der Ehebrecherin daran hinderte, sie zu steinigen (vgl. Joh 8,1-11), und als er in der Nacht vor seinem Tod Petrus gebot, sein Schwert wieder in die Scheide zu stecken (vgl. Mt 26,52), zeichnete Jesus den Weg der Gewaltfreiheit vor, den er bis zum Schluss gegangen ist &ndash; bis zum Kreuz, durch das er den Frieden verwirklicht und die Feindschaft get&ouml;tet hat (vgl. Eph 2,14-16). Wer die Frohe Botschaft Jesu annimmt, wei&szlig; daher die Gewalt, die er in sich tr&auml;gt, zu erkennen und l&auml;sst sich von der Barmherzigkeit Gottes heilen. So wird er selbst ein Werkzeug der Vers&ouml;hnung, entsprechend dem Aufruf des heiligen Franz von Assisi: &raquo; Wenn ihr mit dem Mund den Frieden verk&uuml;ndet, so versichert euch, ob ihr ihn auch, ja noch mehr, in eurem Herzen habt! &laquo;.<\/span><\/span>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n\t<span style=\"font-family:verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size:14px;\">Wahre J&uuml;nger Jesu zu sein, bedeutet heute, auch seinem Vorschlag der Gewaltfreiheit nachzukommen. Er ist, wie mein Vorg&auml;nger Benedikt XVI. sagte, &raquo; realistisch, denn er tr&auml;gt der Tatsache Rechnung, dass es in der Welt zu viel Gewalt, zu viel Ungerechtigkeit gibt; eine solche Situation kann man nur dann &uuml;berwinden, wenn ihr ein Mehr an Liebe, ein Mehr an G&uuml;te entgegengesetzt wird. Dieses &bdquo;Mehr&ldquo; kommt von Gott &laquo;.&nbsp; Und mit gro&szlig;em Nachdruck f&uuml;gte er hinzu, dass &raquo;&nbsp; Gewaltlosigkeit f&uuml;r die Christen nicht ein rein taktisches Verhalten darstellt, sondern eine Wesensart der Person und die Haltung dessen, der so sehr von der Liebe Gottes und deren Macht &uuml;berzeugt ist, dass er keine Angst davor hat, dem B&ouml;sen nur mit den Waffen der Liebe und der Wahrheit entgegenzutreten. Die Feindesliebe bildet den Kern der &bdquo;christlichen Revolution&ldquo;. &laquo;&nbsp; Zu Recht wird das Evangelium von der Feindesliebe (vgl. Lk 6,27) &raquo; als die Magna Charta der christlichen Gewaltlosigkeit betrachtet; sie besteht nicht darin, sich dem B&ouml;sen zu ergeben [&hellip;] sondern darin, auf das B&ouml;se mit dem Guten zu antworten (vgl. R&ouml;m 12,17-21), um so die Kette der Ungerechtigkeit zu sprengen. &laquo;<\/span><\/span>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n\t<span style=\"font-family:verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size:14px;\">M&auml;chtiger als die Gewalt<\/span><\/span>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n\t<span style=\"font-family:verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size:14px;\">4.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Die Gewaltfreiheit wird manchmal im Sinn von Kapitulation, Disengagement und Passivit&auml;t verstanden, aber in Wirklichkeit ist es nicht so. Als Mutter Teresa 1979 den Friedensnobelpreis empfing, erkl&auml;rte sie ihre Botschaft einer aktiven Gewaltfreiheit ganz deutlich: &raquo; In unserer Familie haben wir keine Bomben und Waffen n&ouml;tig und brauchen nicht zu zerst&ouml;ren, um Frieden zu bringen, sondern wir m&uuml;ssen nur zusammen sein und einander lieben [&hellip;] Und so werden wir alles B&ouml;se, das es in der Welt gibt, &uuml;berwinden k&ouml;nnen. &laquo;&nbsp; Denn die Macht der Waffen ist tr&uuml;gerisch. &raquo; W&auml;hrend die Waffenh&auml;ndler ihre Arbeit tun, gibt es die armen Friedenstifter, die ihr Leben hingeben, nur um einem Menschen und noch einem, noch einem, noch einem zu helfen. &laquo; F&uuml;r diese Friedenstifter ist Mutter Teresa &raquo; ein Symbol, ein Bild aus unserer Zeit &laquo;.&nbsp; Im vergangenen September hatte ich die gro&szlig;e Freude, sie heiligzusprechen. Ich habe ihre Verf&uuml;gbarkeit gelobt, denn &raquo; durch die Aufnahme und den Schutz des menschlichen Lebens &ndash; des ungeborenen wie des verlassenen und ausgesonderten &ndash; &laquo; war sie f&uuml;r alle da. &raquo; Sie beugte sich &uuml;ber die Ersch&ouml;pften, die man am Stra&szlig;enrand sterben lie&szlig;, weil sie die W&uuml;rde erkannte, die Gott ihnen verliehen hatte. Sie erhob ihre Stimme vor den M&auml;chtigen der Welt, damit sie angesichts der Verbrechen &ndash; angesichts der Verbrechen! &ndash; der Armut, die sie selbst geschaffen hatten, ihre Schuld erkennen sollten. &laquo;&nbsp; Ihre Reaktion &ndash; und damit steht sie f&uuml;r Tausende, ja Millionen von Menschen &ndash; war der Einsatz gewesen, gro&szlig;herzig und hingebungsvoll auf die Opfer zuzugehen, jeden verletzten Leib zu ber&uuml;hren und zu verbinden und jedes zerbrochene Leben zu heilen.<\/span><\/span>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n\t<span style=\"font-family:verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size:14px;\">Die entschieden und konsequent praktizierte Gewaltfreiheit hat eindrucksvolle Ergebnisse hervorgebracht. Unvergesslich bleiben die von Mahatma Gandhi und Khan Abdul Ghaffar Khan erreichten Erfolge bei der Befreiung Indiens sowie die Erfolge Martin Luther Kings jr. gegen die Rassendiskriminierung. Besonders die Frauen sind oft Vorreiterinnen der Gewaltfreiheit, wie zum Beispiel Leymah Gbowee und Tausende liberianische Frauen, die Gebetstreffen und gewaltlosen Protest (pray-ins)&nbsp; organisiert und so Verhandlungen auf hoher Ebene erreicht haben im Hinblick auf die Beendigung des zweiten B&uuml;rgerkriegs in Liberia.<\/span><\/span>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n\t<span style=\"font-family:verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size:14px;\">Wir d&uuml;rfen auch das epochale Jahrzehnt nicht vergessen, das mit dem Sturz der kommunistischen Regime in Europa endete. Die christlichen Gemeinschaften leisteten dazu ihren Beitrag durch inst&auml;ndiges Beten und mutiges Handeln. Einen speziellen Einfluss &uuml;bten der Dienst und das Lehramt des heiligen Johannes Paul II. aus. In seinen Gedanken &uuml;ber die Ereignisse von 1989 in der Enzyklika Centesimus annus (1991) hat mein Vorg&auml;nger hervorgehoben, dass ein epochaler Umbruch im Leben der V&ouml;lker, der Nationen und der Staaten &raquo; durch einen gewaltlosen Kampf erreicht wurde, der nur von den Waffen der Wahrheit und der Gerechtigkeit Gebrauch machte &laquo;.&nbsp; Dieser Weg eines politischen &Uuml;bergangs zum Frieden wurde auch erm&ouml;glicht dank &raquo; dem gewaltlosen Engagement von Menschen [&hellip;], die sich stets geweigert hatten, der Macht der Gewalt zu weichen, und Schritt f&uuml;r Schritt wirksame Mittel zu finden wussten, um von der Wahrheit Zeugnis abzulegen &laquo;. Und so kommt Johannes Paul II. zu dem Schluss: &raquo; M&ouml;gen die Menschen lernen, gewaltlos f&uuml;r die Gerechtigkeit zu k&auml;mpfen, in den internen Auseinandersetzungen auf den Klassenkampf zu verzichten und in internationalen Konflikten auf den Krieg. &laquo;<\/span><\/span>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n\t<span style=\"font-family:verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size:14px;\">Die Kirche hat sich f&uuml;r die Verwirklichung gewaltfreier Strategien zur F&ouml;rderung des Friedens in vielen L&auml;ndern eingesetzt und sogar die gewaltsamsten Akteure zu Anstrengungen f&uuml;r den Aufbau eines gerechten und dauerhaften Friedens gedr&auml;ngt.<\/span><\/span>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n\t<span style=\"font-family:verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size:14px;\">Dieses Engagement f&uuml;r die Opfer von Ungerechtigkeit und Gewalt ist nicht etwa ein ausschlie&szlig;liches Gut der katholischen Kirche, sondern es geh&ouml;rt zu vielen religi&ouml;sen Traditionen, f&uuml;r die &raquo; Mitleid und Gewaltlosigkeit wesentlich sind und den Weg des Lebens weisen &laquo;.&nbsp; Das betone ich mit Nachdruck: &raquo; Keine Religion ist terroristisch. &laquo;&nbsp; Die Gewalt ist eine Sch&auml;ndung des Namens Gottes.&nbsp; Werden wir nie m&uuml;de zu wiederholen, &raquo; dass der Name Gottes die Gewalt nie rechtfertigen kann. Allein der Friede ist heilig. Nur der Friede ist heilig, nicht der Krieg! &laquo;<\/span><\/span>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n\t<span style=\"font-family:verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size:14px;\">Die h&auml;usliche Atmosph&auml;re als Wurzel f&uuml;r eine gewaltfreie Politik<\/span><\/span>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n\t<span style=\"font-family:verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size:14px;\">5.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Wenn die Wurzel, aus der die Gewalt entspringt, das Herz der Menschen ist, dann ist es ganz wesentlich, den Weg der Gewaltfreiheit an erster Stelle innerhalb der Familie zu gehen. Es ist eine Komponente jener Freude der Liebe, die ich im vergangenen M&auml;rz zum Abschluss einer zweij&auml;hrigen Reflexion der Kirche &uuml;ber Ehe und Familie in dem Apostolischen Schreiben Amoris laetitia dargelegt habe. Die Familie ist der unerl&auml;ssliche Schmelztiegel, durch den Eheleute, Eltern und Kinder, Br&uuml;der und Schwestern lernen, sich zu verst&auml;ndigen und uneigenn&uuml;tzig f&uuml;reinander zu sorgen; hier m&uuml;ssen Spannungen oder sogar Konflikte kraftvoll, aber durch Dialog, Achtung, Suche nach dem Wohl des anderen, Barmherzigkeit und Vergebung &uuml;berwunden werden.&nbsp; Aus dem Innern der Familie springt die Freude der Liebe auf die Welt &uuml;ber und strahlt in die ganze Gesellschaft aus.&nbsp; Im &Uuml;brigen kann sich eine Ethik der Br&uuml;derlichkeit und der friedlichen Koexistenz zwischen Menschen und V&ouml;lkern nicht auf die Logik der Angst, der Gewalt und der Verschlossenheit gr&uuml;nden, sondern muss auf Verantwortung, Achtung und aufrichtigem Dialog beruhen. In diesem Sinn appelliere ich f&uuml;r die Abr&uuml;stung sowie f&uuml;r das Verbot und die Abschaffung der Atomwaffen: Die atomare Abschreckung und die Drohung der gesicherten gegenseitigen Zerst&ouml;rung k&ouml;nnen kein Fundament f&uuml;r diese Art der Ethik sein.&nbsp; Mit gleicher Dringlichkeit bitte ich, dass die h&auml;usliche Gewalt und der Missbrauch von Frauen und Kindern aufh&ouml;ren.<\/span><\/span>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n\t<span style=\"font-family:verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size:14px;\">Das Jubil&auml;um der Barmherzigkeit, das im vergangenen November abgeschlossen wurde, war eine Einladung, in die Tiefen unseres Herzens zu schauen und dort das Erbarmen Gottes eindringen zu lassen. Das Jubil&auml;umsjahr hat uns zu Bewusstsein gef&uuml;hrt, wie zahlreich und verschieden die Menschen und die gesellschaftlichen Gruppen sind, die mit Gleichg&uuml;ltigkeit behandelt werden, Opfer von Ungerechtigkeit sind und Gewalt erleiden. Sie geh&ouml;ren zu unserer &bdquo;Familie&ldquo;, sind unsere Br&uuml;der und Schwestern. Darum m&uuml;ssen die Formen einer Politik der Gewaltfreiheit innerhalb der h&auml;uslichen W&auml;nde ihren Anfang nehmen, um sich dann auf die ganze Menschheitsfamilie auszubreiten. &raquo; Das Beispiel der heiligen Therese von Lisieux l&auml;dt uns ein, den &bdquo;kleinen Weg&ldquo; der Liebe zu beschreiten, keine Gelegenheit f&uuml;r ein freundliches Wort, f&uuml;r ein L&auml;cheln, f&uuml;r irgendeine kleine Geste zu verpassen, die Frieden und Freundschaft verbreitet. Eine ganzheitliche &Ouml;kologie ist auch aus einfachen allt&auml;glichen Gesten gemacht, die die Logik der Gewalt, der Ausnutzung, des Egoismus durchbrechen. &laquo;&nbsp;&nbsp;<\/span><\/span>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n\t<span style=\"font-family:verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size:14px;\">Meine Einladung<\/span><\/span>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n\t<span style=\"font-family:verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size:14px;\">6.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Der Aufbau des Friedens durch die aktive Gewaltfreiheit ist ein notwendiges Element und entspricht den st&auml;ndigen Bem&uuml;hungen der Kirche, die Anwendung von Gewalt zu begrenzen durch moralische Normen, durch ihre Teilnahme an den Arbeiten der internationalen Einrichtungen und durch den kompetenten Beitrag vieler Christen zur Ausarbeitung der Gesetzgebung auf allen Ebenen. Jesus selbst bietet uns ein &bdquo;Handbuch&ldquo; dieser Strategie zum Aufbau des Friedens in der sogenannten Bergpredigt an. Die acht Seligpreisungen (vgl. Mt 5,3-10) skizzieren das Profil des Menschen, den wir als gl&uuml;cklich, gut und authentisch bezeichnen k&ouml;nnen. Selig, die keine Gewalt anwenden &ndash; sagt Jesus &ndash;, selig die Barmherzigen, die Friedenstifter, selig, die ein reines Herz haben, die hungern und d&uuml;rsten nach der Gerechtigkeit.<\/span><\/span>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n\t<span style=\"font-family:verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size:14px;\">Das ist auch ein Programm und eine Herausforderung f&uuml;r die politischen und religi&ouml;sen Leader, f&uuml;r die Verantwortungstr&auml;ger der internationalen Einrichtungen und f&uuml;r die Leiter der Unternehmen und der Medien der ganzen Welt: die Seligpreisungen in der Art der Aus&uuml;bung ihrer Verantwortung anzuwenden. Eine Herausforderung, die Gesellschaft, die Gemeinschaft oder das<\/span><\/span>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n\t<span style=\"font-family:verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size:14px;\">Unternehmen, f&uuml;r das sie verantwortlich sind, im Stil der Friedenstifter aufzubauen; Barmherzigkeit zu beweisen, indem sie es ablehnen, Menschen auszusondern, die Umwelt zu sch&auml;digen oder um jeden Preis gewinnen zu wollen. Das erfordert die Bereitschaft, &raquo; den Konflikt zu ertragen, ihn zu l&ouml;sen und ihn zum Ausgangspunkt f&uuml;r einen neuen Prozess zu machen &laquo;.&nbsp; In dieser Weise zu wirken, bedeutet, die Solidarit&auml;t als den Stil zu w&auml;hlen, Geschichte zu machen und soziale Freundschaft aufzubauen. Die aktive Gewaltfreiheit ist ein Weg, um zu zeigen, dass wirklich die Einheit m&auml;chtiger und fruchtbarer ist als der Konflikt. Alles in der Welt ist eng miteinander verbunden.&nbsp; Gewiss, es kann geschehen, dass die Verschiedenheiten Reibereien erzeugen: Gehen wir sie konstruktiv und gewaltlos an, so dass &raquo; die Spannungen und die Gegens&auml;tze zu einer vielgestaltigen Einheit f&uuml;hren k&ouml;nnen, die neues Leben hervorbringt &laquo; und &raquo; die wertvollen M&ouml;glichkeiten der kollidierenden gegens&auml;tzlichen Standpunkte beibeh&auml;lt &laquo;.<\/span><\/span>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n\t<span style=\"font-family:verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size:14px;\">Ich versichere, dass die katholische Kirche jeden Versuch, den Frieden auch durch die aktive und kreative Gewaltfreiheit aufzubauen, begleiten wird. Am 1. Januar 2017 tritt das neue &bdquo;Dikasterium f&uuml;r den Dienst zugunsten der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen&ldquo; in Funktion. Es wird der Kirche bei der F&ouml;rderung &raquo; der unermesslichen G&uuml;ter der Gerechtigkeit, des Friedens und der Bewahrung der Sch&ouml;pfung &laquo; immer wirkungsvoller helfen und sie in ihrer F&uuml;rsorge f&uuml;r die Migranten, &raquo; die Bed&uuml;rftigen, die Kranken und die Ausgeschlossenen, die Ausgegrenzten und die Opfer bewaffneter Konflikte und von Naturkatastrophen, die Gefangenen, die Arbeitslosen und die Opfer jeder Form von Sklaverei und Folter &laquo;&nbsp; immer durchgreifender unterst&uuml;tzen. Jede Handlung in dieser Richtung, so bescheiden sie auch sei, tr&auml;gt zum Aufbau einer gewaltfreien Welt bei, und das ist der erste Schritt zur Gerechtigkeit und zum Frieden.<\/span><\/span>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n\t<span style=\"font-family:verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size:14px;\">Zum Schluss<\/span><\/span>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n\t<span style=\"font-family:verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size:14px;\">7.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Wie es der Tradition entspricht, unterzeichne ich diese Botschaft am 8. Dezember, dem Fest der Unbefleckten Empf&auml;ngnis der seligen Jungfrau Maria. Sie ist die K&ouml;nigin des Friedens. Bei der Geburt ihres Sohnes verherrlichten die Engel Gott und w&uuml;nschten den Menschen guten Willens Frieden auf Erden (vgl. Lk 2,14). Bitten wir Maria, uns leitend voranzugehen.<\/span><\/span>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n\t<span style=\"font-family:verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size:14px;\">&raquo; Alle ersehnen wir den Frieden; viele Menschen bauen ihn t&auml;glich mit kleinen Gesten auf; viele leiden und nehmen geduldig die M&uuml;he auf sich, immer wieder zu versuchen, Frieden zu schaffen. &laquo;&nbsp; Bem&uuml;hen wir uns im Jahr 2017 mit Gebet und Tat darum, Menschen zu werden, die aus ihrem Herzen, aus ihren Worten und aus ihren Gesten die Gewalt verbannt haben, und gewaltfreie Gemeinschaften aufzubauen, die sich um das gemeinsame Haus k&uuml;mmern. &raquo; Nichts ist unm&ouml;glich, wenn wir uns im Gebet an Gott wenden. Alle k&ouml;nnen &bdquo;Handwerker&ldquo; des Friedens sein. &laquo;<\/span><\/span>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n\t<span style=\"font-family:verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size:14px;\">Aus dem Vatikan, am 8. Dezember 2015<\/span><\/span>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n\t<span style=\"font-family:verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size:14px;\">Franziskus<\/span><\/span>\n<\/p>\n<p>\n\t<span style=\"font-family:verdana,geneva,sans-serif;\"><span style=\"font-size:14px;\">Quelle: <a href=\"http:\/\/de.radiovaticana.va\/news\/2016\/12\/12\/papst_gewaltfreiheit_-_stil_einer_politik_f\u00fcr_den_frieden\/1278365\">http:\/\/de.radiovaticana.va\/news\/2016\/12\/12\/papst_gewaltfreiheit_-_stil_einer_politik_f&uuml;r_den_frieden\/1278365<\/a> (Zugriff 14.12.2016)<\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 1. J&auml;nner begeht die katholische Kirche zum 50. Mal den Weltfriedenstag. Aus diesem Anlass ver&ouml;ffentlicht der Vatikan eine Papstbotschaft mit dem Titel &quot;Gewaltfreiheit: Stil einer Politik f&uuml;r den Frieden&quot;. Pax Christi &Ouml;sterreich l&auml;dt dazu ein, an diesem Tag &#8211; oder in der 1. 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