{"id":7756,"date":"2017-03-08T16:02:52","date_gmt":"2017-03-08T15:02:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.paxchristi.at\/?p=7756"},"modified":"2017-04-11T18:39:08","modified_gmt":"2017-04-11T16:39:08","slug":"frieden-in-gerechtigkeit-das-oekumenische-friedensengagement-der-kirchen-und-christinnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.paxchristi.at\/?p=7756","title":{"rendered":"\u201eFrieden in Gerechtigkeit. Das \u00f6kumenische Friedensengagement der Kirchen und ChristInnen\u201c"},"content":{"rendered":"<p>\n\t<span style=\"display: none;\">&nbsp;<\/span> &bdquo;Frieden in Gerechtigkeit. Das &ouml;kumenische Friedensengagement der Kirchen und ChristInnen&ldquo; &ndash; lautete das Thema des diesj&auml;hrigen Studientags von Pax Christi &Ouml;sterreich, zu dem Bischof Dr. Michael B&uuml;nker, evangelische Kirche A.B., am 3. M&auml;rz 2017 in Linz referierte.<br \/>\n\tDas Jubil&auml;um &bdquo;500 Jahre Reformation&ldquo; wird erstmals &ouml;kumenisch unter Einbeziehung der r&ouml;&shy;misch-katholischen Kirche begangen. Als Beitrag zum Reformationsjahr 2017 widmete Pax Christi &Ouml;sterreich den Studientag seiner Generalversammlung im Linzer Studierendenheim &bdquo;Franz J&auml;gerst&auml;tter&ldquo; den Themen Frieden und Gerechtig&shy;keit sowie dem &ouml;kumenischen Friedens&shy;engage&shy;ment der Kirchen und ChristInnen.\n<\/p>\n<p>\n\t<!--more-->\n<\/p>\n<p>\n\tHon.-Prof. Dr. Michael B&uuml;nker, Bischof der Evangelischen Kirche A. B. in &Ouml;sterreich und Gene&shy;ral&shy;&shy;sekret&auml;r der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa, ging in seinem Referat auf die vergangenen 500 Jahre ein und zog dabei mit Blick auf die in der Veranstaltung thematisierten Frie&shy;dens- und Gerechtigkeitsanliegen eine ern&uuml;chternde Bilanz: Die letzten Jahrhunderte seien von zahlreichen Kriegen und von milit&auml;rischerer Gewalt gepr&auml;gt gewesen. Die religi&ouml;sen Kon&shy;flik&shy;te im Zuge der Reformation und Gegenreformation, die mit neuen Grenzziehungen und territo&shy;ria&shy;len Herrschaftsanspr&uuml;chen einhergingen, f&uuml;hrten zu massenhaften Deportationen und viele Men&shy;schen mussten auch Jahre sp&auml;ter ihr Land wegen ihrer Religion verlassen. Es gab zwar manche &bdquo;Oasen der Toleranz&ldquo;, in denen religi&ouml;se Vielfalt von Menschen christlichen, j&uuml;dischen und islamischen Glaubens gelebt werden konnte (z. B. Polen, Litauen, die &bdquo;Siebenb&uuml;rgische To&shy;le&shy;ranz&ldquo;), doch insgesamt zogen die Reformationskriege die gr&ouml;&szlig;te V&ouml;lkerwanderung Europas nach sich, die nur von der Migrationsbewegung am Ende des R&ouml;mischen Reiches und von den beiden Weltkriegen im 20 Jahrhundert mit 80 Millionen Fl&uuml;chtlingen &uuml;berboten wurde. Zudem tru&shy;gen diese Kriege auch dazu bei, dass sich die Regierungssysteme der meisten europ&auml;ischen L&auml;n&shy;dern wandelten und (wenn auch unbeabsichtigt) die Zentralisierung staatlicher Macht be&shy;f&ouml;r&shy;derten.\n<\/p>\n<p>\n\tAuch heute &ndash; so hielt Bischof B&uuml;nker fest &ndash; stehen wir vor zahlreichen kriegerischen Konflikten, die zudem von einem neuen Wettr&uuml;sten besonders im atomaren Bereich begleitet werden. Die Ab&shy;r&uuml;stungsabkommen der 1980er werden nach und nach durchbrochen, die USA und Russland haben die Erweiterung und Modernisierung ihrer Atomwaffenprogramme angek&uuml;ndigt und auch euro&shy;p&auml;ische L&auml;nder bef&uuml;rworten den Ausbau einer europ&auml;ischen Atommacht. Beispielhaft f&uuml;hrte B&uuml;nker die steigenden Ausgaben f&uuml;r Aufr&uuml;stung an, die im Fall der NATO-Staaten 900 Milliar&shy;den Euro, f&uuml;r Russland &bdquo;nur&ldquo; 66 Mrd. betragen. Die Erh&ouml;hung der R&uuml;stungsbudgets der NATO-Staaten auf 2 % des BIP deutet darauf hin, dass die L&auml;nder verst&auml;rkt auf milit&auml;rische Sicherheit setzen; auch das &ouml;sterreichische Bundesheer darf sich &uuml;ber eine deutliche Steigerung der Budgets &bdquo;freuen&ldquo;, meinte B&uuml;nker. Neben der forcierten Aufr&uuml;stung bedroht die Entwicklung v&ouml;llig neuer (chemischer) Waffen und T&ouml;tungssysteme wie Drohnen den Frieden. Sie bedeuten zu&shy;gleich eine Deregulierung des Krieges, indem rechtsstaatliches Normenverst&auml;ndnis untergraben wird und kriegerische Gewalt im rechtsfreien Raum und ohne Kontrolle stattfindet.\n<\/p>\n<p>\n\tIn diesem Kontext erf&auml;hrt die Lehre vom gerechten Krieg, in dem ethische Kriterien sogenannte hu&shy;manit&auml;re Interventionen legitimieren sollen, eine Renaissance. Dies trifft vor allem auf die west&shy;lichen Interventionskriege zu (z. B. Irak, Kosovo, Afghanistan). Das Konzept der Schutz&shy;ver&shy;ant&shy;wortung (&bdquo;responsibilty to protect&ldquo;) der Vereinten Nationen ist letztlich eine Neuauflage der Lehre vom gerechten Krieg, wenn auch unter anderem Namen.\n<\/p>\n<p>\n\tWenn heute die Kirchen in &ouml;kumenischer Absicht den Weg des gerechten Friedens gehen, so unter&shy;scheidet sich dieser Weg grundlegend vom alten Konzept des gerechten Kriegs. Gerechter Friede bedeutet allerdings mehr als den Schutz der Menschen vor ungerechtem Einsatz von Waffen und Gewalt. &bdquo;Es ist notwendig, dass die Waffen schweigen, aber das gen&uuml;gt nicht, son&shy;dern der Frieden schlie&szlig;t soziale Gerechtigkeit ein, die Achtung der Menschenrechte und Si&shy;cher&shy;&shy;heit f&uuml;r alle. Gerechter Frieden hat eine &ouml;kologische und soziale, eine politische und &ouml;ko&shy;no&shy;mische Dimension. Lediglich den Krieg zu verurteilen gen&uuml;gt nicht&ldquo; so Bischof Michael B&uuml;nker. Die Lehre vom gerechten Krieg habe bisher weder ungerechte Kriege verhindert noch Kriegs&shy;gewalt verringert. Zudem wird sie politischen, gesellschaftlichen sowie milit&auml;rischen Entwick&shy;lun&shy;gen &ndash; etwa der M&ouml;glichkeit von Massenvernichtungswaffen &ndash; nicht gerecht. Im Gegenteil f&ouml;rdert sie Kriege mit der Illusion einer moralisch zul&auml;ssigen Kriegsf&uuml;hrung.\n<\/p>\n<p>\n\tDer im Jahr 1948 in Amsterdam gegr&uuml;ndete &Ouml;kumenische Rat der Kirchen (&Ouml;RK) entzieht der bis dahin unangefochten geltenden Lehre vom gerechten Krieg theologisch wie kirchlich den Boden unter den F&uuml;&szlig;en, denn &ndash; so wurde betont &ndash; &bdquo;Krieg soll um Gottes Willen nicht sein&ldquo;. Dem&shy;entsprechend hat sich in der &Ouml;kumene die &Uuml;berzeugung durchgesetzt, dass nicht erst der Einsatz von atomaren Waffen ein Verbrechen gegen die Menschheit darstellt, sondern bereits deren Herstellung, Erprobung oder ihre Androhung aus Gr&uuml;nden der Abschreckung (Welt&shy;kon&shy;fe&shy;renz des &Ouml;RK in Vancouver 1983). Atomare Abschreckung ist moralisch unvertretbar, weil ihre Glaubw&uuml;rdigkeit darauf beruht, dass der Einsatz von Atomwaffen tats&auml;chlich beabsichtigt ist; diese M&ouml;glichkeit steht im Widerspruch zum Glauben an Jesus Christus.\n<\/p>\n<p>\n\tWenn Kirchen den Einsatz von Waffengewalt in Extremsituationen als letzten Ausweg und zum Schutz gef&auml;hrdeter Bev&ouml;lkerungsgruppen als notwendig sehen, so wird der &bdquo;Einsatz von Waffen&shy;gewalt in Konfliktsituationen sowohl als Zeichen schwerwiegenden Versagens wie auch als zus&auml;tzliches Hindernis auf dem Weg zu einem gerechten Frieden an[gesehen]&ldquo; (&Ouml;RK 2011). Die Kirchen betonen damit, dass auch Eins&auml;tze humanit&auml;rer Intervention ein Ausdruck des Schul&shy;dig-seins sind und nie mit gutem Gewissen erfolgen k&ouml;nnen. Deshalb kommt der Kirche pri&shy;m&auml;r die Aufgabe zu, sich f&uuml;r die St&auml;rkung politischer Vernunft einzusetzen, die eine gewalt&shy;freie L&ouml;sung von Konflikten und eine Zukunft in Gerechtigkeit und Frieden anstrebt.\n<\/p>\n<p>\n\tDieses Ziel bekr&auml;ftigten auch Papst Franziskus und der Pr&auml;sident des Lutherischen Weltbundes, Bischof Munib A. Younan, in ihrer gemeinsamen Erkl&auml;rung beim katholisch-lutherischen Refor&shy;ma&shy;tions&shy;gedenken am 31. Oktober 2016 in der Kathedrale von Lund: &bdquo;Wir bitten Gott um Ein&shy;ge&shy;bung, Ermutigung und Kraft, damit wir zusammenstehen k&ouml;nnen im Dienst und so f&uuml;r die W&uuml;rde und die Rechte des Menschen, besonders der Armen, eintreten, f&uuml;r die Gerechtigkeit arbeiten und alle Formen von Gewalt zur&uuml;ckweisen. Gott fordert uns auf, all denen nahe zu sein, die sich nach W&uuml;rde, Gerechtigkeit, Frieden und Vers&ouml;hnung sehnen. In besonderer Weise erheben wir heute unsere Stimme f&uuml;r ein Ende der Gewalt und des Extremismus, die so viele L&auml;nder und Gemeinschaften sowie unz&auml;hlige Schwestern und Br&uuml;der in Christus betreffen. Wir fordern zur Zusammenarbeit auf, um den Fremden aufzunehmen, denen zu Hilfe zu kommen, die wegen Krieg und Verfolgung zur Flucht gezwungen zu Hilfe zu kommen, und die Rechte der Fl&uuml;chtlinge und der Asylsuchenden zu verteidigen.&ldquo;\n<\/p>\n<p>\n\tDamit seien zentralen Punkte benannt, in denen sich Katholiken und Evangelische heute einig sind, so Bischof Michael B&uuml;nker.\n<\/p>\n<p>\n\t&nbsp;\n<\/p>\n<p>\n\t<span style=\"display: none;\">&nbsp;<\/span><span style=\"display: none;\">&nbsp;<\/span><span style=\"display: none;\">&nbsp;<\/span>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &bdquo;Frieden in Gerechtigkeit. 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