{"id":7890,"date":"2017-07-20T18:07:40","date_gmt":"2017-07-20T16:07:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.paxchristi.at\/?p=7890"},"modified":"2017-07-20T18:23:51","modified_gmt":"2017-07-20T16:23:51","slug":"europa-braucht-eine-seele","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.paxchristi.at\/?p=7890","title":{"rendered":"Europa braucht eine Seele"},"content":{"rendered":"<p>\n\tFriedensgebet mit Kaplan Franz Sieder am 13.7.2017 bei der Sommerakademie &bdquo;Welt im Umbruch &ndash; Perspektiven f&uuml;r eine europ&auml;ische Friedenspolitik&ldquo; auf der Friedensburg Schlaining.\n<\/p>\n<p>\n\t<!--more-->\n<\/p>\n<p>\n\t&bdquo;Europa hat momentan keine Seele, vielleicht ist darin auch die Krise in Europa begr&uuml;ndet. Ich hoffe, dass wir sagen k&ouml;nnen, dass Europa wenigstens eine Seele sucht&ldquo;, sagte Kaplan Franz Sieder.\n<\/p>\n<p>\n\tBezugnehmend auf das Hohe Lied der Liebe im ersten Korinther-Brief bei Paulus betonte Kaplan Sieder: &bdquo;Das ,H&auml;ttest du aber die Liebe nicht&lsquo; hei&szlig;t &uuml;bersetzt: Geht es dir in deiner innersten Absicht, in deiner Intention nicht wirklich um den Menschen, dann hat das mit Liebe nichts zu tun.&ldquo; F&uuml;r die Europ&auml;ische Union stelle sich daher nach Kaplan Franz Sieder die Frage, ob es darum gehe &bdquo;Europa noch potenter zu machen&ldquo; oder ob Wirtschaftsstrukturen geschaffen werden, &bdquo;wo die Kluft zwischen Arm und Reich nicht mehr auseinandergeht, wo so umverteilt wird, dass alle Menschen auf unserer Erde gut und menschenw&uuml;rdig leben k&ouml;nnen.&ldquo;\n<\/p>\n<p>\n\t&bdquo;Die Seele Europas ist die Intention der Liebe, in der Europa denkt und handelt. Wenn die Intention des europ&auml;ischen Projekts nicht der Mensch ist und zwar alle Menschen unserer Erde, dann hat Europa noch keine Seele&ldquo;, stellte Kaplan Franz Sieder fest und zitierte Papst Franziskus aus seiner Rede im Europaparlament: &bdquo;Die W&uuml;rde des Menschen zu f&ouml;rdern, bedeutet anzuerkennen, dass der Mensch unver&auml;u&szlig;erliche Rechte hat, deren er nicht nach Belieben und schon gar nicht zugunsten wirtschaftlicher Interessen beraubt werden darf.&ldquo;\n<\/p>\n<p>\n\tDie Predigt im Wortlaut:\n<\/p>\n<p>\n\tDas Zitat, dass Europa dringend eine Seele braucht, stammt von Jacques Delors. Ich m&ouml;chte auf dem Hintergrund des Evangeliums sagen, was diese Seele ist. Die Seele wird immer auch in Verbindung mit dem K&ouml;rper gesehen. Sie steuert in einem gewissen Sinn unseren K&ouml;rper. Kurt Tucholsky hat &uuml;ber unsere Zeit einmal gesagt: &bdquo;Das ist eine seelenlose Zeit, aber es ist wahrscheinlich doch eine Zeit, die eine Seele sucht.&ldquo;<br \/>\n\tEuropa hat momentan keine Seele, vielleicht ist darin auch die Krise in Europa begr&uuml;ndet. Ich hoffe, dass wir sagen k&ouml;nnen, dass Europa wenigstens eine Seele sucht.<br \/>\n\tIch m&ouml;chte auch sagen, was ich unter Seele Europas verstehe. Im sogenannten Hohelied der Liebe gibt es einen Satz, den ich als Schl&uuml;sselsatz f&uuml;r das ganze Evangelium verstehen m&ouml;chte. Es ist der Satz: &bdquo;Wenn du alles, was du besitzt, den Armen austeilen w&uuml;rdest, h&auml;ttest aber die Liebe nicht, dann w&auml;re alles umsonst.&ldquo; Es ist ein eigenartiger Satz, den die meisten denken: Wenn ich f&uuml;r die Armen etwas hergebe, dann ist es doch die Liebe. Paulus sagt:Nein, das stimmt nicht. Wenn ich eine soziale Tat setze und etwas f&uuml;r die Armen tue, das muss nicht die Liebe sein. Das &bdquo;H&auml;ttest du aber die Liebe nicht&ldquo; hei&szlig;t &uuml;bersetzt: Geht es dir in deiner innersten Absicht, in deiner Intention nicht wirklich um den Menschen, dann hat das mit Liebe nichts zu tun. Ein Unternehmer \/ eine Unternehmerin kann hunderten Menschen Arbeit geben und er hat dadurch das Gef&uuml;hl, dass er damit in einer Zeit, wo es sehr viele Arbeitslose gibt, eine gro&szlig;e sozial Tat setzt. Paulus w&uuml;rde dem Unternehmer \/ der Unternehmerin sagen: Wenn es dir in deiner Intention, in deiner innersten Absicht nicht vorrangig um den Arbeiter \/ die Arbeiterin geht, sondern nur um den Profit, dann hat das mit Liebe nichts zu tun, dann ist alles umsonst.\n<\/p>\n<p>\n\tAuf Europa bezogen m&ouml;chte ich folgendes sagen: Europa tut viel f&uuml;r die armen L&auml;nder Europas, die sozial schwachen Regionen bekommen Geld &ndash; die Bauern und B&auml;uerinnen werden in ihrer Landwirtschaft durch europ&auml;ische Subventionen unterst&uuml;tzt, die Studentinnen und Studenten werden durch das Erasmus-Programm unterst&uuml;tzt. Paulus w&uuml;rde den Verantwortlichen der EU sagen:Wenn aber die Grundintention der europ&auml;ischen Wirtschaft letztlich das Profitstreben ist und wenn es dem ganzen Wirtschaftsk&ouml;rper der EU vorrangig darum geht, Europa wirtschaftlich noch potenter zu machen, um konkurrieren zu k&ouml;nnen mit den USA, mit China und Japan, dann hat jegliches soziale Tun der EU nichts mit Liebe zu tun, dann ist alles umsonst.\n<\/p>\n<p>\n\tAuch wenn die Verantwortung f&uuml;r die L&auml;nder der Dritten Welt und die Verantwortung f&uuml;r ein gutes Leben der kommenden Generationen in der Intention der europ&auml;ischen Wirtschaft und Politik v&ouml;llig ausgeklammert wird, dann ist auch keine wirkliche Liebe vorhanden. Nicht nur Europa, sondern auch die Wirtschaft der Nationalstaaten muss demaskiert werden, ob es in der Grundintention um den Menschen geht oder um die Profitmaximierung. Es ist zu wenig, nur den Armen Almosen zu geben, und sie sozial zu unterst&uuml;tzen. Das w&auml;re nur Barmherzigkeit. Liebe im Sinne von Jesus verlangt Gerechtigkeit. Gerechtigkeit h&auml;ngt aber fast immer mit Strukturen zusammen. Es m&uuml;ssen Wirtschaftsstrukturen geschaffen werden, wo die Kluft zwischen Arm und Reich nicht mehr auseinandergeht &ndash; wo die Reichen nicht mehr so reich sein k&ouml;nnen &ndash; wo so umverteilt wird, dass alle Menschen auf unserer Erde gut und menschenw&uuml;rdig leben k&ouml;nnen. Die Seele Europas ist die Intention der Liebe, in der Europa denkt und handelt. Wenn die Intention des europ&auml;ischen Projekts nicht der Mensch ist und zwar alle Menschen unserer Erde, dann hat Europa noch keine Seele.\n<\/p>\n<p>\n\tIch m&ouml;chte schlie&szlig;en mit einigen S&auml;tzen, die Papst Franziskus in seiner Rede vor dem Europaparlament in Stra&szlig;burg gesagt hat:<br \/>\n\tDie W&uuml;rde des Menschen zu f&ouml;rdern, bedeutet anzuerkennen, dass der Mensch unver&auml;u&szlig;erliche Rechte hat, deren er nicht nach Belieben und schon gar nicht zugunsten wirtschaftlicher Interessen beraubt werden darf. Wenn das Leben nicht mehr zweckdienlich ist, wenn die Leistung nachl&auml;sst, dann werden Menschen ohne Bedenken ausgesondert. Es sind dies Kranke, Alte, Behinderte. Vielfach wird das Leben mit Behinderung schon vor der Geburt abgetrieben. Die Wegwerfkultur hat auch die Menschen in Europa erfasst. Menschen werden wie M&uuml;ll entsorgt.\n<\/p>\n<p>\n\tAuch die Demokratie in Europa ist in Gefahr. Vereinheitlichte Finanzsysteme, die so viele L&auml;nder in die Knie zwingen, sind demokratiezerst&ouml;rend.\n<\/p>\n<p>\n\tWir k&ouml;nnen auch nicht hinnehmen, dass das Mittelmeer zu einem gro&szlig;en Friedhof wird. Es ist wichtig, auf die Ursachen der Flucht hinzuwirken und nicht nur die Folgen der Flucht zu bek&auml;mpfen.\n<\/p>\n<p>\n\tInfo: Kaplan Franz Sieder war Betriebsseelsorger in Amstetten. Er war lange Zeitu. a. Geistlicher Assistent von Pax Christi &Ouml;sterreich, Vorsitzender der &ouml;kumenischen Aktionsgemeinschaft Christinnen und Christen f&uuml;r die Friedensbewegung und Geistlicher Assistent der Katholischen ArbeitnehmerInnenbewegung (KAB) der Di&ouml;zese St. P&ouml;lten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Friedensgebet mit Kaplan Franz Sieder am 13.7.2017 bei der Sommerakademie &bdquo;Welt im Umbruch &ndash; Perspektiven f&uuml;r eine europ&auml;ische Friedenspolitik&ldquo; auf der Friedensburg Schlaining.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":true,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.paxchristi.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7890"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.paxchristi.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.paxchristi.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.paxchristi.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.paxchristi.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7890"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.paxchristi.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7890\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7896,"href":"https:\/\/www.paxchristi.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7890\/revisions\/7896"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.paxchristi.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7890"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.paxchristi.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7890"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.paxchristi.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7890"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}