{"id":8360,"date":"2018-11-27T14:36:22","date_gmt":"2018-11-27T13:36:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.paxchristi.at\/?p=8360"},"modified":"2018-11-27T14:36:22","modified_gmt":"2018-11-27T13:36:22","slug":"israelkritik-ist-notwendig-und-legitim","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.paxchristi.at\/?p=8360","title":{"rendered":"Israelkritik ist notwendig und legitim!"},"content":{"rendered":"<p>\n\tAnl&auml;&szlig;lich der von der &ouml;sterreichischen Regierung veranstalteten Konferenz &uuml;ber Antisemitismus und &sbquo;Antizionismus&lsquo; meldeten sich 35 israelische Intellektuelle zu Wort. Im Folgenden der offene Brief dieser Gelehrten (zitiert nach Die Presse, v. 19.11.2018)\n<\/p>\n<p>\n\tZu Europa sagen wir: Vermischt Kritik an Israel nicht mit Antisemitismus<br \/>\n\tIm Kontext ihres EU-Ratsvorsitzes wird die &ouml;sterreichische Regierung am 21. November eine hochrangig besetzte Konferenz unter dem Titel &bdquo;Europa jenseits von Antisemitismus und Antizionismus &ndash; Sicherung j&uuml;dischen Lebens in Europa&ldquo; abhalten.<br \/>\n\tWir unterst&uuml;tzen voll und ganz den kompromisslosen Kampf der EU gegen Antisemitismus. Das Erstarken des Antisemitismus erf&uuml;llt uns mit Sorge. Aus der Geschichte wissen wir, dass dies oft Vorbote von Katastrophen f&uuml;r die gesamte Menschheit war. Das Erstarken des Antisemitismus ist eine reelle Gefahr und sollte der gegenw&auml;rtigen europ&auml;ischen Politik ernsthaft zu denken geben.\n<\/p>\n<p>\n\t<!--more-->\n<\/p>\n<p>\n\tDie EU steht aber auch f&uuml;r Menschenrechte ein und muss diese genauso energisch sch&uuml;tzen wie sie den Antisemitismus bek&auml;mpft. Die Bek&auml;mpfung des Antisemitismus sollte nicht daf&uuml;r instrumentalisiert werden, legitime Kritik an der israelischen Besatzung und an schweren Verletzungen pal&auml;stinensischer Menschenrechte zu unterdr&uuml;cken.<br \/>\n\tDer israelische Premierminister Benjamin Netanjahu h&auml;tte auf der Konferenz in &Ouml;sterreich sprechen sollen, bis er seine Reise absagte, um seine Regierung zu stabilisieren. Er hat hart daran gearbeitet, Kritik am israelischen Staat mit Antisemitismus zu vermischen.<br \/>\n\tZu unserer tiefen Besorgnis sehen wir diese Vermischung auch in der offiziellen Ank&uuml;ndigung der Konferenz durch die &ouml;sterreichische Regierung. Dort hei&szlig;t es: &bdquo;Antisemitismus findet seinen Ausdruck sehr oft in &uuml;bertriebener und unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;iger Kritik am Staat Israel.&ldquo;<br \/>\n\tDiese Worte geben die Antisemitismusdefinition der Internationalen Allianz f&uuml;r Holocaust-Gedenken (IHRA) wieder. Mehrere Beispiele f&uuml;r zeitgen&ouml;ssischen Antisemitismus, die sich der Definition anschlie&szlig;en, beziehen sich auf harsche Kritik an Israel. Im Ergebnis kann die Definition gef&auml;hrlich instrumentalisiert werden, um Israel Immunit&auml;t gegen Kritik an schwerwiegenden und verbreiteten Menschen- und V&ouml;lkerrechtsverletzungen zu verschaffen &ndash; Kritik, die f&uuml;r legitim erachtet wird, wenn sie sich gegen andere L&auml;nder richtet. Das schreckt jedwede Kritik an Israel ab.<br \/>\n\tDie Ank&uuml;ndigung setzt au&szlig;erdem Antizionismus mit Antisemitismus gleich. Wie allen modernen j&uuml;dischen Bewegungen des 20. Jahrhunderts widersetzten sich jedoch auch dem Zionismus viele J&uuml;dinnen und Juden heftig, ebenso wie Nichtjuden, die nicht antisemitisch waren. Zahlreiche Opfer des Holocaust waren gegen den Zionismus. Es ist unsinnig und unangemessen, Antizionismus automatisch mit Antisemitismus gleichzusetzen.<br \/>\n\tWir d&uuml;rfen auch nicht vergessen, dass der Staat Israel seit &uuml;ber 50 Jahren eine Besatzungsmacht ist. Millionen von Pal&auml;stinenserinnen und Pal&auml;stinensern unter Besatzung entbehren ihrer Grundrechte, Freiheit und W&uuml;rde. Gerade in Zeiten, in denen die israelische Besatzung sich in Annexion verwandelt, ist es notwendiger denn je, dass Europa alle Versuche entschieden ablehnt, die freie Meinungs&auml;u&szlig;erung anzugreifen oder Kritik an Israel durch die falsche Gleichsetzung mit Antisemitismus zum Schweigen zu bringen.<br \/>\n\tEuropa muss dies auch f&uuml;r die eigene Glaubw&uuml;rdigkeit und die Wirksamkeit seiner Bek&auml;mpfung des Antisemitismus tun. Die Ausweitung dieses Kampfes zum Schutz des israelischen Staates vor Kritik tr&auml;gt zu der Fehlwahrnehmung bei, dass J&uuml;dinnen und Juden mit Israel gleichzusetzen seien und deshalb verantwortlich f&uuml;r die Handlungen dieses Staates w&auml;ren.<br \/>\n\tAls israelische Gelehrte, deren Mehrheit j&uuml;dische Geschichte erforscht und lehrt, sagen wir zu Europa: Bek&auml;mpft den Antisemitismus unnachgiebig, um j&uuml;disches Leben in Europa zu sch&uuml;tzen, und erm&ouml;glicht, dass es zur Bl&uuml;te gelangt. Erhaltet dabei die klare Unterscheidung zwischen Kritik am Staat Israel, so harsch sie auch sein m&ouml;ge, und Antisemitismus aufrecht. Vermischt nicht Antizionismus mit Antisemitismus. Und sch&uuml;tzt die Rede- und Meinungsfreiheit derjenigen, die die israelische Besatzung ablehnen und darauf bestehen, dass sie endet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anl&auml;&szlig;lich der von der &ouml;sterreichischen Regierung veranstalteten Konferenz &uuml;ber Antisemitismus und &sbquo;Antizionismus&lsquo; meldeten sich 35 israelische Intellektuelle zu Wort. Im Folgenden der offene Brief dieser Gelehrten (zitiert nach Die Presse, v. 19.11.2018) Zu Europa sagen wir: Vermischt Kritik an Israel nicht mit Antisemitismus Im Kontext ihres EU-Ratsvorsitzes wird die &ouml;sterreichische Regierung am 21. 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