{"id":8475,"date":"2019-03-10T11:55:56","date_gmt":"2019-03-10T10:55:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.paxchristi.at\/?p=8475"},"modified":"2019-03-10T12:12:48","modified_gmt":"2019-03-10T11:12:48","slug":"israel-und-palaestina-johannes-zang-berichtete-im-stift-melk-und-im-dominikanerhaus-in-steyr-von-reisen-ins-heilige-land","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.paxchristi.at\/?p=8475","title":{"rendered":"Israel und Pal\u00e4stina &#8211;  Johannes Zang berichtete im Stift Melk und im Dominikanerhaus in Steyr von Reisen ins &#8218;Heilige Land&#8216;"},"content":{"rendered":"<p>Begegnung mit Christen im Hl. Land<br \/>\n<img src=http:\/\/www.paxchristi.at\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/190301_johannes_zang_dominikanerhaus_steyr_003-1_web.jpg style=float:right;><br \/>\nBericht eines erfahrenen Reiseleiters<br \/>\nJohannes Zang hatte im November 2018 sein 55. Gruppe durch das Hl. Land gef\u00fchrt. An die zehn Jahre hat er im Ganzen in Israel und Pal\u00e4stina gelebt und ist dort vielen Menschen begegnet. Dieses Wissen flo\u00df ein in sein neuestes Buch das im Echter Verlag erschienen ist.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nEin spezieller Reisef\u00fchrer in dem er Geschichten aus dem Leben und Alltag der Menschen erz\u00e4hlt.<br \/>\nDiese vielfach erschreckenden Fakten konnten die Zuh\u00f6rer Anfang M\u00e4rz 2019 sowohl im Stift Melk als auch im Dominikanerhaus Steyr erfahren.<br \/>\nEine Wurzel f\u00fcr den schon viel zu lange dauernden Konflikt kann man in der massiven j\u00fcdischen Einwanderungswelle Ende 19. Jhdt. sehen. Zu \u00fcber 450.000 Arabern kamen alleine 1882 15.000 j\u00fcdische Einwanderer hinzu. Der pal\u00e4stinensische Landbesitz war 1945 noch bei weit \u00fcber 75% des Landes.So wurde der UNO Teilungsplan von 1947, der den Juden unproportional viel Land zugesprochen hat als ungerecht abgelehnt. Der auf die israelische Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung folgende Krieg f\u00fchrte zu einer Entv\u00f6lkerung hunderter arabischer D\u00f6rfer im Staat Israel.<br \/>\nNach f\u00fcnf Kriegen und weiteren Milit\u00e4roperationen gibt es heute in Israel ca. 2% Christen und in Pal\u00e4stina ca. 1% . In Jerusalem gerade mal 3.000 zuz\u00fcglich ca. 8.000 \u201eBerufschristen\u201c. Wenn es in Israel zwar noch mehrheitlich Pal\u00e4stinenser so sind es z.B. in Tel Aviv haupts\u00e4chlich Gastarbeiter und Migranten. Dem gegen\u00fcber ist die Zahl der Christen in Jordanien mit 5% fast schon hoch.<br \/>\nDie Christen verteilen sich auf \u00fcber 50 unterschiedlicher Konfessionen mit verschiedenen Schriften und Kulturen  und sogar unterschiedlichen Festkalendern. Alle leben sie eine reichhaltige Kultur und Tradition und die man besonders an den hohen Festtagen erleben kann.<br \/>\nDas Alltagsleben wird durch die israelische Besatzung sehr erschwert. Ein Beispiel sind die unz\u00e4hligen Stra\u00dfenblockaden, die manchmal nur ein Erdhaufen sein k\u00f6nnen und dennoch den Reiseweg an Zeit und Kilometern vervielfachen.<br \/>\nEine geplante Stadtentwicklung ist f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser in den besetzten Gebieten unm\u00f6glich. Seit 1967 wurden fast 50.000 H\u00e4user aus verschiedensten Gr\u00fcnden zerst\u00f6rt. Bei alleine seit 2004 809 zerst\u00f6rten H\u00e4usern haben 2.828 Personen ihren Wohnraum verloren.<br \/>\nJeder Tote ist einer zuviel! Seit der ersten Intifada 1987 waren es in Israel 1.676 und in Pal\u00e4stina 11.052 was einem Verh\u00e4ltnis von 1:7 entspricht!<br \/>\nHinter dem was so offensichtlich ist findet man noch viele \u201eunsichtbare\u201c Probleme die durch die Besatzung bewirkt werden.<br \/>\nSeit 1967 wurden 14.360 Personen das Aufenthaltsrecht aberkannt.<br \/>\nDie Bewegungsfreiheit selbst innerhalb der besetzen Gebiete und erst recht nach Israel ist sehr eingeschr\u00e4nkt und nur mittels Passierscheinen m\u00f6glich. Diese werden oft sehr sp\u00e4t und nur f\u00fcr einen sehr knappen Zeitraum ausgestellt. Das behindert unter anderem Wege zu Arbeit, Krankenhaus und Bildung.<br \/>\nIm Februar 2019 gab es \u00fcber 5.000 Personen die ohne Gerichtsverfahren in israelischen Gef\u00e4ngnissen eingesperrt waren. Sicherheitsverwahrung und Administrativhaft sind g\u00e4ngige Begr\u00fcndungen.<br \/>\nDie christliche Menschenrechtsorganisationen St. Ives unterst\u00fctzt in verschiedenen rechtlichen Angelegenheiten. Zwei wichtige Probleme die f\u00fcr \u201enormale\u201c Touristen nie sichtbar werden sind Familienzusammenf\u00fchrungen und die Registrierung von Kindern. Seit der Annexion von Ost-Jerusalem 1967 erschwert die israelische Administration die f\u00fcr das Aufenthaltsrecht dringend n\u00f6tige Registrierung von Kindern. W\u00e4hrend Juden aus aller Welt aktiv unterst\u00fctzt werden nach Israel einzuwandern bzw. ihre Kinder oder andere Familienmitglieder nachzuholen, gibt es in Jersualem alleine 10.000 nicht registrierte pal\u00e4stinensische Kinder und wurden 1\/3 der Antr\u00e4ge auf Familienzusammenf\u00fchrung zwischen 2000 und 2013 abgelehnt. Es dauerte mehrere Jahrzehnte um alleine sechs Kinder zu registrieren. Weiters stellt die Administration der Stadt Jerusalem nur 10% des Budget f\u00fcr die Ost-Jerusalem zur Verf\u00fcgung obwohl deren Bewohner 37% der Bev\u00f6lkerung ausmachen.<br \/>\nLeider nimmt auch die Zahl der gewaltsamen \u00dcbergriffe extremistischer, meist religi\u00f6ser j\u00fcdischer Gruppen zu. So fiel 2015 die Vorhalle der Brotvermehrungskirche in Tabgha einem Brandanschlag zum Opfer.<br \/>\nZusammenfassend k\u00f6nnen acht \u201eWunden\u201c der pal\u00e4stinensischen Christen benannt werden. F\u00fcnf seien hier aufgez\u00e4hlt:<br \/>\nDie mit \u201eNakba\u201c (=Katastrophe) bezeichnete Vertreibung im Krieg 1948\/49<br \/>\ndie israelische Besatzung<br \/>\n\u00dcbergriffe von Muslimen oder Drusen<br \/>\nSpannungen mit der eigenen Kirchenleitung<br \/>\nSehr hohe Qualifikation durch gute Schulbildung, Fremdsprachenkenntnisse und zahlreiche Kontakte ins Ausland (die Zahl der im Ausland lebenden Pal\u00e4stinenser ist h\u00f6her als der im Land lebenden) f\u00fchren zu einer extremen Zunahme der Auswanderung.<br \/>\nEs gibt wichtige christliche Stimmen die auf diese Situation aufmerksam machen. So meinte der Patriarch em. Michel Sabbah einmal: \u201eSicherheit f\u00fcr die Israelis wird es erst geben, wenn die Pal\u00e4stinenser frei und unabh\u00e4ngig sind.\u201c<br \/>\nIn einem offenen Brief an Pr\u00e4sident Trump von dreizehn Kirchen dr\u00fcckten deren Leitungen ihre gro\u00dfe Sorge bez\u00fcglich einer Verlegung der US Botschaft nach Jerusalem aus: \u201eUnser Rat und Bitte an die Vereinigten Staaten ist, weiterhin den derzeitigen internationalen Status von Jerusalem anzuerkennen. Jede pl\u00f6tzliche Ver\u00e4nderung w\u00fcrde irreparablen Schaden verursachen.\u201c<br \/>\nDie nationale Koalition christlicher Organisationen schreibt im Juni 2017 in einem offenen Brief:<br \/>\n\u201eW\u00e4hrend wir uns diesen Monat in Bethlehem im besetzten Pal\u00e4stina treffen, leiden wir immer noch unter 100 Jahren Ungerechtigkeit und Unterdr\u00fcckung, die dem pal\u00e4stinensischen Volk zugef\u00fcgt wurden, beginnend mit der ungerechten und ungesetzlichen Balfour-Erkl\u00e4rung, die durch die Nakba und den Fl\u00fcchtlingsstrom verst\u00e4rkt wurde, die israelische Besetzung der Westbank, einschlie\u00dflich Ost-Jerusalems und Gazas, und die Zersplitterung unseres Volkes und unseres Landes durch Isolations- und Beschlagnahmepolitik sowie den Bau von j\u00fcdischen Siedlungen und der Apartheidmauer&#8230;.<br \/>\nDie Dinge sind mehr als dringend. Wir stehen kurz vor einem katastrophalen Zusammenbruch. Der derzeitige Status quo ist nicht haltbar. Dies k\u00f6nnte unsere letzte Chance sein, einen gerechten Frieden zu erreichen. Als pal\u00e4stinensische, christliche Gemeinschaft k\u00f6nnte dies unsere letzte Gelegenheit sein, um die christliche Pr\u00e4senz in diesem Land zu retten. Unsere einzige Hoffnung als Christen kommt von der Tatsache, dass es in Jerusalem, der Stadt Gottes, und in unserer Stadt ein leeres Grab gibt, und Jesus Christus, der \u00fcber Tod und S\u00fcnde siegte, und uns und der gesamten Menschheit neues Leben gebracht hat.\u201c<br \/>\nAuf Grund der Androhung des israelischen Staates, die Steuergesetzgebung massiv zu ver\u00e4ndern, wodurch die christlichen Gemeinschaften ihrer finanziellen Basis beraubt w\u00fcrden, schlossen die verantwortlichen Kirchenleitungen im Februar 2018 die Grabeskirche f\u00fcr mehrere Tage.<br \/>\nErfreulicherweise gibt es j\u00e4hrlich internationale Bischofstreffen als Zeichen der Solidarit\u00e4t mit den Christen im Hl. Land. Sie fordern: \u201e&#8230;das Prinzip der Gleichheit aller B\u00fcrger auf dem Israel gegr\u00fcndet sei, m\u00fcsse dringend zur allgemeinen Lebensrealit\u00e4t werden.\u201c<br \/>\nDerzeit erhalten die 47 christlichen Schulen in Israel nur die H\u00e4lfte der ihnen rechtlich zustehenden Regierungsgelder.<br \/>\nDer koptische Erzbischof von Jerusalem Anba Antonius \u00e4usserte in einem Interview die Meinung: \u201eIch meine, da\u00df Israel in den besetzten Gebieten systematisch den Arabern ihre Rechte auf ihr Land entzieht.\u201c<br \/>\nSo haben wir heute in Israel und Pal\u00e4stina zusammen nur noch 160.000 bis 170.000 Christen. Wer sich fragt woher diese Informationen kommen, der wird zahlreichen j\u00fcdischen und arabischen Menschenrechtsorganisationen in Israel und Pal\u00e4stina f\u00fcndig: B&#8217;tselem, OCHA (UN Organisation), ICAHD, Ma&#8217;an News Agency, HAMOKED, Society of St. Ives, SABEEL, &#8230;<br \/>\nAngesichts dieser klaren Fakten braucht es keine pauschal bewertenden Verurteilungen Israels die niemanden helfen sondern h\u00f6chstens die Emotionen anheizen. Es braucht die Bereitschaft diese Fakten zu benennen, in der \u00d6ffentlichkeit bekannt zu machen und von unseren Regierungen ein Eintreten f\u00fcr eine L\u00f6sung zu fordern, die allen im Land lebenden Menschen gerecht wird und ihre Lebensm\u00f6glichkeiten sch\u00fctzt! Die Sorgen und \u00c4ngste aller Menschen m\u00fcssen geh\u00f6rt und geachtet d\u00fcrfen aber nicht politisch instrumentalisiert \u00fcberh\u00f6ht werden.<br \/>\nBesonders j\u00fcdischen Organisationen brauchen in diesem Ringen um einen gerechten Frieden Geh\u00f6r und Unterst\u00fctzung, da sie zunehmender Anfeindung von j\u00fcdischer Seite sowohl in Israel als auch im Ausland ausgesetzt sind.<br \/>\nDer anerkannte Journalist Andreas Zumach sagt im Zusammenhang mit der heurigen Verleihung des G\u00f6ttinger Friedenspreises an die \u201eJ\u00fcdische Stimme f\u00fcr einen gerechten Frieden\u201c:<br \/>\n\u201ePr\u00e4zise Kritik an der v\u00f6lkerrechts- und menschenrechtswidrigen Besatzungspolitik der israelischen Regierung ist nicht nur erlaubt und legitim, sondern sogar dringend notwendig. Gerade auch wegen unserer besonderen Verantwortung als Deutsche f\u00fcr eine sichere und auf Dauer unbedrohte Existenz des Staates Israel. Denn diese kann und wird es erst geben, wenn auch das v\u00f6lkerrechtlich verbriefte Recht der Pal\u00e4stinenser auf staatliche Selbstbestimmung umgesetzt ist, und wenn auch f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser die universell g\u00fcltigen Menschenrechte Realit\u00e4t werden.\u201c<br \/>\nHilfreich ist auch die Bereitschaft, in solidarischen Pilgergruppen das Land so zu bereisen, da\u00df Begegnungen mit den Menschen in das Programm eingebaut werden.. Daf\u00fcr bietet Johannes Zang reiche M\u00f6glichkeit (www.jerusalam.info).<br \/>\nWir danken ihm f\u00fcr seine klaren Worte mit denen er ohne Emotionen zu sch\u00fcren, unsere Betroffenheit in aktives Engagement f\u00fcr die Menschen \u2013 im besonderen die Christen \u2013 im Hl. Land wandeln m\u00f6chte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Begegnung mit Christen im Hl. Land Bericht eines erfahrenen Reiseleiters Johannes Zang hatte im November 2018 sein 55. Gruppe durch das Hl. Land gef\u00fchrt. 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