{"id":8490,"date":"2019-03-18T16:42:35","date_gmt":"2019-03-18T15:42:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.paxchristi.at\/?p=8490"},"modified":"2019-03-18T16:42:35","modified_gmt":"2019-03-18T15:42:35","slug":"das-gewaltverbrechen-an-muslimen-in-neuseeland-erfordert-ein-buendnis-der-religionen-und-saekularen-humanisten-gegen-nationalistischen-rassismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.paxchristi.at\/?p=8490","title":{"rendered":"Das Gewaltverbrechen an Muslimen in Neuseeland erfordert ein B\u00fcndnis der Religionen und s\u00e4kularen Humanisten gegen nationalistischen Rassismus"},"content":{"rendered":"<p>Der islamfeindliche Terrorismus fordert auch Christen heraus<\/p>\n<p>Bei dschihadistischen Terroranschl\u00e4gen erwartet die \u00d6ffentlichkeit, dass sich Muslime sofort f\u00fcr die m\u00f6rderische Gewalt entschuldigen und sich von den T\u00e4tern distanzieren. M\u00fcssen sich diesmal Christen f\u00fcr den Terroranschlag des australischen Suprematisten Brenton Tarrant entschuldigen, der in Christchurch neunundvierzig Muslime get\u00f6tet hat? <!--more--><\/p>\n<p>Auf den ersten Blick hat dieser Attent\u00e4ter nichts mit dem Christentum zu tun. Er beruft sich auf islamfeindliche, rassistische und nationalistische Motive. Au\u00dferdem schreibt er in seinem Manifest \u201eThe Great Replacement\u201c, es sei kompliziert, die Frage, ob er ein Christ sei, zu beantworten.<br \/>\nEin genauerer Blick erkl\u00e4rt sein Z\u00f6gern. Weil sein Hauptziel der Kampf gegen die islamische Eroberung Europas ist, sind Multikulturalisten seine erkl\u00e4rten Feinde. Mit Christen, die sich in den letzten Jahren der Mobilisierung gegen Muslime entschieden entgegengestellt haben, hat er deshalb nichts gemeinsam. Ausdr\u00fccklich warnt er vor \u201ereligi\u00f6sen F\u00fchrern\u201c, die den Kampf gegen die \u00dcberfremdung schw\u00e4chen. Das hei\u00dft aber nicht, dass er sich nicht f\u00fcr ein entschieden islamfeindliches Christentum engagieren m\u00f6chte. Sein Manifest endet mit \u201eGott segne euch alle und ich sehe euch wieder in Walhalla\u201c. Mit Walhalla ist in der nordischen Mythologie der Ruheort der gefallenen tapferen Krieger gemeint. Von einem Christentum, wie das heute die meisten Kirchen vertreten, sind solch Gedanken weit entfernt. Dennoch gibt es christliche Str\u00f6mungen, die die Weltsicht Tarrants st\u00fctzen. Man braucht nur an das nationalistische Heidenchristentum Carl Schmitts denken, das heute weltweit vermehrt Verehrer findet. Schmitt sympathisierte mit einem Christentum, das trotz Feindesliebe nie auf die Idee gekommen w\u00e4re, Europa aus \u201eLiebe zu den Sarazenen oder den T\u00fcrken\u201c dem \u201eIslam\u201c auszuliefern. Tarrant nennt zwei Vorbilder, die ein nationalistisches und islamfeindliches Christentum verk\u00f6rpern. Einmal lobt er den amerikanischen Pr\u00e4sident Donald Trump, weil dieser ein Symbol f\u00fcr \u201ewei\u00dfe Identit\u00e4t\u201c sei. Trump, der von 81% der Evangelikalen und 52% der Katholiken gew\u00e4hlt wurde, steht f\u00fcr ein Christentum, mit dem Tarrant sich anfreunden k\u00f6nnte.<br \/>\nDeutlicher ist Tarrants Berufung auf den norwegischen Attent\u00e4ter und \u201eKreuzritter\u201c Anders Breivik. Mit Breivik sieht er die christlichen Kreuzz\u00fcge als Modell f\u00fcr den Kampf Europas gegen die Islamisierung. Im Manifest zitiert er ausf\u00fchrlich den Kreuzzugsaufruf von Papst Urban II von 1095. Christen sollten unter Einsatz ihres Lebens den \u201eheiligen Krieg\u201c gegen die Feinde der Christen k\u00e4mpfen. Das ungenaue Zitat \u00fcbernimmt er von der Internetseite einer traditionalistischen Gruppe \u201eTradition in Action\u201c, die sich der Verteidigung des Katholizismus und der Wiederherstellung der christlichen Zivilisation verschrieben hat.<br \/>\nF\u00fcr den deutschen Historiker Gerd Althoff wurzeln die Kreuzz\u00fcge in einer \u201eTheologie der Gewalt\u201c, die \u2013 wie er nach den Anschl\u00e4gen von Breivik im Jahre 2011 bemerkte \u2013 noch nicht gen\u00fcgend kritisch aufgearbeitet wurde. Nur ein Christentum, dass sich klar von jeder Theologie der Gewalt distanziert, kann zu einer Kultur des Friedens beitragen. B\u00fcndnisse mit Islamfeinden, Nationalisten und Rassisten sind klar abzulehnen.<br \/>\nAngesichts gegenseitig sich hochschaukelnder Extremisten braucht es ein B\u00fcndnis von Religionsvertretern und s\u00e4kularen Humanisten. Nur die Absage an alle pauschalen Verurteilungen ganzer Menschengruppen kann dem Terrorismus das Wasser abgraben. Papst Franziskus hat in Abu Dhabi gemeinsam mit Ahmad Al-Tayyeb, dem Gro\u00dfimam von Al-Azhar, ein \u201eDokument \u00fcber die Br\u00fcderlichkeit aller Menschen f\u00fcr ein friedliches Zusammenleben in der Welt\u201c unterzeichnet. Darin bitten sie, f\u00fcr \u201eMord, Exil, Terrorismus und Unterdr\u00fcckung\u201c den \u201eNamen Gottes\u201c nicht zu benutzen. Und gegen die Aufspaltungen der Menschen betonen sie die gottgewollte Vielfalt: \u201eDer Pluralismus und die Verschiedenheit in Bezug auf Religion, Hautfarbe, Geschlecht, Ethnie und Sprache entsprechen einem weisen g\u00f6ttlichen Willen, mit dem Gott die Menschen erschaffen hat.\u201c Nur das B\u00fcndnis aller Menschen, die Gewalt ablehnen, kann dem Terror Einhalt gebieten.<\/p>\n<p>Wolfgang Palaver<br \/>\nProfessor f\u00fcr christliche Gesellschaftslehre an der Universit\u00e4t Innsbruck und im Herbst 2018 Mitglied des research workshop on religion &#038; violence am Center of Theological Inquiry in Princeton<br \/>\nhttp:\/\/www.uibk.ac.at\/systheol\/palaver<br \/>\nhttps:\/\/www.facebook.com\/wolfgang.palaver<br \/>\n<a class=\"twitter-timeline\" data-width=\"525\" data-height=\"788\" data-dnt=\"true\" href=\"https:\/\/twitter.com\/WolfgangPalaver?ref_src=twsrc%5Etfw\">Tweets by WolfgangPalaver<\/a><script async src=\"https:\/\/platform.twitter.com\/widgets.js\" charset=\"utf-8\"><\/script><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der islamfeindliche Terrorismus fordert auch Christen heraus Bei dschihadistischen Terroranschl\u00e4gen erwartet die \u00d6ffentlichkeit, dass sich Muslime sofort f\u00fcr die m\u00f6rderische Gewalt entschuldigen und sich von den T\u00e4tern distanzieren. 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