{"id":8680,"date":"2019-08-21T12:20:18","date_gmt":"2019-08-21T10:20:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.paxchristi.at\/?p=8680"},"modified":"2019-08-22T14:17:15","modified_gmt":"2019-08-22T12:17:15","slug":"jaegerstaetter-gedenken-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.paxchristi.at\/?p=8680","title":{"rendered":"J\u00e4gerst\u00e4tter Gedenken 2019"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.paxchristi.at\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Jaegerstaetter-Gedenken-2019.jpg\" \/><br \/>\n<a href=\"https:\/\/photos.app.goo.gl\/DEnqP2NdeGFak8rU8\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Weitere Fotos vom J\u00e4gerst\u00e4tter Gedenken 2019<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/youtu.be\/gtX8v7umIHE\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Video vom J\u00e4gerst\u00e4tter Gedenken 2019<\/a><\/p>\n<p><!--more--><strong>Fokus des Franz J\u00e4gerst\u00e4tter-Gedenkens heuer auf Sr. Restituta Kafka <\/strong><\/p>\n<p>(Kathpress-Meldung vom 13.8.2019: <a href=\"http:\/\/www.kathpress.at\/goto\/meldung\/1792115\/jaegerstaetter-gedenken-lenkt-blick-auf-selige-restituta-kafka\">www.kathpress.at\/goto\/meldung\/1792115\/jaegerstaetter-gedenken-lenkt-blick-auf-selige-restituta-kafka<\/a> Linz, 13.08.2019 (KAP))<\/p>\n<p>Als &#8222;Provokateurin des Glaubens, des Widerstands und der Vers\u00f6hnung, die den Kreislauf der Liebe wieder in Gang brachte&#8220; hat Sr. Judith Beinhauer die Selige Sr. Restituta Kafka (1894-1943) bezeichnet. Die 1943 von den Nazis ermordete Ordensfrau stand heuer im Mittelpunkt des traditionellen J\u00e4gerst\u00e4tter-Gedenkens in St. Radegund. Beinhauer ist wie auch Sr. Restituta Franziskanerin von der christlichen Liebe (&#8222;Hartmannschwester&#8220;) und Vizepostulatorin des Selig- und Heiligsprechungsverfahrens f\u00fcr die Ordensfrau. Beim J\u00e4gerst\u00e4tter-Gedenken (8.\/9. August) in Tarsdorf und St. Radegund hielt sie den Hauptvortrag.<br \/>\nBeinhauer unterstrich einige Gemeinsamkeiten, die Franz J\u00e4gerst\u00e4tter und Sr. Restituta Kafka verbinden: So seien beide aus einfachen Verh\u00e4ltnissen gekommen und h\u00e4tten bewiesen, dass ein klarer Verstand und eine nat\u00fcrliche Religiosit\u00e4t ausreichten, um die verbrecherischen und antichristlichen Absichten des Nationalsozialismus zu durchschauen. F\u00fcr beide sei der aktive Widerstand gegen den Nationalsozialismus kein Opfer, sondern eine fraglose und unumkehrbare Selbstverst\u00e4ndlichkeit gewesen, von der sie weder Freund noch Feind abbringen konnte und die den Tod nicht f\u00fcrchtete. Beide h\u00e4tten Zeichen gegen den Krieg und den Fahneneid auf den Verbrecher Hitler gesetzt.<br \/>\nBeide seien anfangs auch in ihrer eigenen Kirche verkannt und kritisiert worden, &#8222;weil sie ihre religi\u00f6se \u00dcberzeugung nicht auf apolitische verborgene Gebete beschr\u00e4nkten, sondern ebenso durch politisch wirksame Taten des Widerstands zum Ausdruck brachten, und weil sie &#8211; anders als viele allzu diplomatische Kirchenvertreter &#8211; zum schreienden Unrecht nicht schweigen konnten&#8220;, wie Beinhauer ausf\u00fchrte.<br \/>\nDen Glauben f\u00f6rdern, sch\u00fctzen und verteidigen stelle in einem glaubensfeindlichen, indifferenten oder fanatisierten Umfeld immer ein prophetisches Zeichen des Widerspruchs und Widerstands dar, wie Sr. Restitutas Leben und Sterben bezeuge. Das Todesurteil gegen Sr. Restituta sei ein unverbl\u00fcmtes Signal der Einsch\u00fcchterung an die Adresse der katholischen Kirche gewesen.<\/p>\n<p><em>Mutmacherin f\u00fcr Mitgefangene<\/em><br \/>\nIn der Zeit ihrer Gefangenschaft sei Sr. Restituta zur Mutmacherin f\u00fcr ihre Mitgefangenen geworden, &#8222;die zun\u00e4chst gar nicht wussten, dass sie Ordensschwester war, weil sie so nat\u00fcrlich und kameradschaftlich ohne fromme All\u00fcren einfach als Mitgefangene unter Mitgefangenen lebte&#8220;, so Beinhauer. So f\u00fctterte Kafka eine kranke Kindesm\u00f6rderin, gab ihre Kartoffeln einer mangelern\u00e4hrten Schwangeren oder sorgte f\u00fcr Milch und Butter auch f\u00fcr J\u00fcdinnen und Ausl\u00e4nderinnen.<br \/>\nDiese unvoreingenommene, st\u00e4rkende Wirkung von Mensch zu Mensch habe Sr. Restituta die Herzen auch und gerade der Kommunisten ge\u00f6ffnet, die von der Amtskirche und von katholischen Institutionen damals meist wie eine ansteckende Krankheit auf Distanz gehalten und als Gespr\u00e4chspartner abgelehnt wurden. Beinhauer: &#8222;So wie Restituta einerseits durch Widerstand und zum Widerstand provozierte, provozierte sie auch durch Vers\u00f6hnung und zur Vers\u00f6hnung. Sie schaute ihre Mitmenschen und kommunistischen Mitgefangenen mit respektvoller Offenheit an.&#8220; Sie habe eine neue Begegnungsbasis auf gleicher Augenh\u00f6he geschaffen und den &#8222;Kreislauf der Liebe&#8220; wieder in Gang gebracht.<\/p>\n<p><em>Mutiges Handeln statt teilnahmsloses Zuschauen <\/em><br \/>\nSr. Restituta Kafka sei, wie auch Franz J\u00e4gerst\u00e4tter und andere, nicht nur Provokateurin des Glaubens, sondern als M\u00e4rtyrerin aus dem Widerstand zugleich auch bleibende Provokateurin der Erinnerung, so Beinhauers weiter. Ihr Appell: &#8222;Geradlinige und risikobereite Selige wie Franz J\u00e4gerst\u00e4tter und Restituta Kafka sollen uns diesen notwendigen Ansto\u00df geben, uns ber\u00fchren, um uns aus unserem teilnahmslosen Zuschauen herauszuholen und immer neu zum Mut zu aktivieren.&#8220;<br \/>\nAbschlie\u00dfend fragte die Ordensfrau: &#8222;Wo muss ich als Christ heute in Gesellschaft, Politik und &#8211; ja, manchmal auch in der Kirche &#8211; dagegen arbeiten, widersprechen und Widerstand leisten, um B\u00f6ses bzw. Nicht-Gutes nicht unwidersprochen geschehen zu lassen? Welche Mittel kann, darf und soll ich dazu n\u00fctzen? Mit anderen Worten: Wo muss ich zum Provokateur bzw. zur Provokateurin des Glaubens werden?&#8220;<\/p>\n<p><em>Internationales Gedenken<\/em><br \/>\nDas J\u00e4gerst\u00e4tter-Gedenken wurde von der christlichen Friedensinitiative Pax Christi und der Pfarre St. Radegund organisiert. Es begann am 8. August mit einem Abendgebet in der Kirche St. Radegund. Zum Gedenken waren Teilnehmer aus \u00d6sterreich, Deutschland, Italien und den USA angereist, darunter u.a. die J\u00e4gerst\u00e4tter-T\u00f6chter Maria Dammer, Aloisia Maier und Rosalia Sigl und die US-Drehbuchautorin Lizzy Bentley.<br \/>\nDas Treffen begann am Donnerstag, 8. August, mit einer Vesper in der Pfarrkirche St. Radegund, wo Franz J\u00e4gerst\u00e4tter (1907-1943) wohnte und als Mesner t\u00e4tig war. Am Freitag, 9. August, dem Todestag J\u00e4gerst\u00e4tters, stand neben dem Vortrag von Sr. Beinhauer auch eine Fu\u00dfwallfahrt von Tarsdorf nach St. Radegund sowie um 16 Uhr eine von Pax Christi \u00d6sterreich und Pax Christi Italien gestaltete Andacht zur Todesstunde in der Kirche von St. Radegund auf dem Programm. Am Abend wurden am J\u00e4gerst\u00e4tter-Platz vor der Pfarrkirche St. Radegund die Namen der von 1934 bis 1945 politisch Verfolgten aus der Stadt Braunau und dem Dekanat Ostermiething verlesen, ehe das Treffen nach einer Eucharistiefeier mit einer Lichterprozession zum Grab von Franz J\u00e4gerst\u00e4tter und seiner Ehefrau Franziska endet.<br \/>\nDer Messe in der Pfarrkirche von St. Radegund stand der Linzer Altbischof Maximilian Aichern vor. Er verwies neben Franz J\u00e4gerst\u00e4tter und Sr. Restituta Kafka auch auf die Heilige Benedicta vom Kreuz, die Karmelitin Edith Stein, deren Gedenktag die Kirche am 9. August feiert und die am 9. August 1942 im KZ Auschwitz-Birkenau ermordet wurde. Aichern betonte, Christen wie Edith Stein, Schwester Restituta Kafka und Franz J\u00e4gerst\u00e4tter seien &#8222;ein St\u00fcck Evangelium, das im Leben verwirklicht ist&#8220;. F\u00fcr sie gelte nicht nur Jesu Seligpreisung in der Bergpredigt, dass das Himmelreich denen geh\u00f6re, die um der Gerechtigkeit und um Jesu willen verfolgt w\u00fcrden. Sie seien auch auch Hungernde und D\u00fcrstende nach der Gerechtigkeit, Barmherzige und Friedensstifter gewesen.<br \/>\n&#8222;Erst heute wird uns richtig bewusst, wie sehr die Standhaftigkeit dieser ChristInnen &#8211; J\u00e4gerst\u00e4tter, Sr. Restituta, Sr. Edith Stein &#8211; ihr Leiden und Sterben, ebenso wie bei den anderen Glaubenszeugen, f\u00fcr uns alle geschehen ist, f\u00fcr uns alle Bedeutung hat&#8220;, so Bischof Aichern. Diese Glaubenszeugen erinnerten auch heute daran, dass, wenn es um politische Verantwortung, um Lebenswerte und Menschenrechte gehe, Christen nicht abseits stehen und sich heraushalten k\u00f6nnten.<\/p>\n<p><em>Einzige hingerichtete Ordensfrau<\/em><br \/>\nSr. Restituta Kafka wurde vor 125 Jahren &#8211; 1894 &#8211; geboren. Sie stammt aus dem m\u00e4hrischen Husovice (Hussowitz) bei Br\u00fcnn und kam im Alter von zwei Jahren mit ihrer Familie nach Wien, wo sie bei den Hartmannschwestern Ordensfrau wurde und den Ordensnamen &#8222;Maria Restituta&#8220; erhielt. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde sie Krankenschwester im Spital M\u00f6dling und brachte es zur leitenden Operationsschwester. Nach dem &#8222;Anschluss&#8220; \u00d6sterreichs an NS-Deutschland 1938 weigerte sie sich, wie verlangt Kruzifixe aus den Spitalszimmern zu nehmen, zudem wurden ihr zwei von ihr verfasste regimekritische Texte zum Verh\u00e4ngnis. Von der Gestapo direkt aus dem OP-Saal verhaftet, wurde sie wegen &#8222;Feindbeg\u00fcnstigung und Vorbereitung zum Hochverrat&#8220; im M\u00e4rz 1943 nach einj\u00e4hriger Haft im Wiener Landesgericht enthauptet, als einzige Ordensfrau im Gro\u00dfdeutschen Reich.<br \/>\nDer Innviertler Landwirt und Familienvater <strong>Franz J\u00e4gerst\u00e4tter<\/strong> (1907-43) hatte sich aus Glaubensgr\u00fcnden geweigert, mit der Waffe f\u00fcr das Nazi-Regime in den Krieg zu ziehen. Daraufhin wurde er vom Reichskriegsgericht in Berlin wegen &#8222;Wehrkraftzersetzung&#8220; zum Tod verurteilt und vor 76 Jahren, am 9. August 1943, in Brandenburg an der Havel durch Enthauptung hingerichtet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weitere Fotos vom J\u00e4gerst\u00e4tter Gedenken 2019 Video vom J\u00e4gerst\u00e4tter Gedenken 2019<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":true,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.paxchristi.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8680"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.paxchristi.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.paxchristi.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.paxchristi.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.paxchristi.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8680"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.paxchristi.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8680\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8689,"href":"https:\/\/www.paxchristi.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8680\/revisions\/8689"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.paxchristi.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8680"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.paxchristi.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8680"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.paxchristi.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8680"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}