{"id":9113,"date":"2020-10-04T18:50:44","date_gmt":"2020-10-04T16:50:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.paxchristi.at\/?p=9113"},"modified":"2020-10-05T11:19:03","modified_gmt":"2020-10-05T09:19:03","slug":"pax-christi-oesterreich-diskutierte-islam-und-gewaltfreiheit-waehrend-der-katholischen-aktionstage-zur-gewaltfreiheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.paxchristi.at\/?p=9113","title":{"rendered":"Pax Christi \u00d6sterreich diskutierte \u201eIslam und Gewaltfreiheit\u201c w\u00e4hrend der Katholischen Aktionstage zur Gewaltfreiheit"},"content":{"rendered":"<p>\u201eIslam und Gewaltfreiheit\u201c war das Thema des Studienteils zum Auftakt des Pr\u00e4sidiumstreffens von Pax Christi \u00d6sterreich im Rahmen der \u201eCatholic Nonviolence days of Action\u201c im Montafon (Vorarlberg)<br \/>\nDer Studienteil wurde gemeinsam mit der christlich-islamischen Dialoggruppe der Fokolar-Bewegung am 25. September abgehalten. Im Mittelpunkt stand der Vortrag von Adnane Mokrani, einem muslimischen Theologen des Pontifical Institute for Arabic and Islamic Studies in Rom zum Thema \u201eIslam und Gewaltfreiheit\u201c.<!--more--><\/p>\n<p>Diese Veranstaltung fand im Rahmen der \u201eCatholic Nonviolence Days of Action\u201c (Weltfriedenstag am 21. September bis zum Internationalen Tag der Gewaltlosigkeit am 2. Oktober) der \u201eCatholic Nonviolence Initiative (CNI)\u201d statt. Wolfgang Palaver, Pr\u00e4sident von Pax Christi \u00d6sterreich, f\u00fchrte in das Referat von Mokrani ein, indem er mittels einer Pr\u00e4sentation von Judy Coode von CNI einen \u00dcberblick \u00fcber die Catholic Nonviolence Days of Action gab.<\/p>\n<p>Zu Beginn seines Vortrags stellte Mokrani mit Blick auf die Entwicklungen im arabischen Fr\u00fchling fest, dass Gewaltfreiheit die beste Form sei, gegen Diktaturen vorzugehen. Gewaltfreier Widerstand gegen ungerechte Regime sei in muslimischen Regionen keine Neuigkeit. Um diese These zu bekr\u00e4ftigen, zeigte er Kurzportraits von muslimischen Menschen, die sich durch ihre Gewaltfreiheit auszeichneten wie die pakistanische Friedensnobelpreistr\u00e4gerin Malala Yousafzai oder Khan Abdul Ghaffar Khan, einem engen Vertrauten Mahatma Gandhis.<\/p>\n<p>Im Koran findet sich keine Grundlage f\u00fcr die Rechtfertigung expansionistischer Kriege. \u00c4hnlich der katholischen Tradition vom gerechten Krieg gestattet auch der Koran nur die Selbstverteidigung. Etliche Verse ermutigen aber sogar zur radikalen Gewaltfreiheit, die eng mit der islamischen Betonung der Barmherzigkeit verbunden ist und so ein Aufbrechen von Kreisl\u00e4ufen der Gewalt erm\u00f6glicht. Der Vortrag endete mit der Bezugnahme auf Papst Franziskus, der in seinem Schreiben \u201eEvangelii Gaudium\u201c betont, dass \u201eder wahre Islam und eine angemessene Interpretation des Korans jeder Gewalt entgegenstehen\u201c. Im Anschluss an den Vortrag folgten eine aufschlussreiche Diskussionsrunde und die gemeinsame Auseinandersetzung mit dem \u201eAufruf an die Katholische Kirche zur Neuverpflichtung auf die zentrale Botschaft des Evangeliums \u00fcber Gewaltfreiheit\u201c der Catholic Nonviolence Initiative (CNI).<\/p>\n<p>Aktualit\u00e4t in \u00d6sterreich:<br \/>\nDie Ausf\u00fchrungen von Adnane Mokrani und der Aufruf von CNI zeigen deutlich, dass das Thema Gewalt und Gewaltfreiheit nicht nur eine Religion betrifft. Extremistische und gewaltverherrlichende Positionen sind nicht das Problem einer einzigen Religion, sondern finden sich in vielen Bereichen unserer Gesellschaft wieder. Die Einrichtung einer \u201eDokumentationsstelle Politischer Islam\u201c durch die \u00f6sterreichische Bundesregierung weist daher in eine v\u00f6llig falsche Richtung. Zum einen wird dadurch impliziert, dass es das Problem des politischen Extremismus nur unter muslimischen B\u00fcrgerInnen g\u00e4be. Tats\u00e4chlich kann aber jede Religion Gefahr laufen, durch eine gewaltt\u00e4tige Ideologisierung zu einem Werkzeug des Extremismus zu werden. Au\u00dferdem wird durch die selektive Ausrichtung auf den Islam, die alle muslimischen Menschen unter Generalverdacht stellt, integrative Zielsetzungen deutlich erschwert.<\/p>\n<p>Als religi\u00f6se Friedensbewegung in \u00d6sterreich, die sich einem universalen und menschenrechtlichen Denken verpflichtet wei\u00df, sehen wir es als unsere Pflicht an, auf diese Gefahr hinzuweisen, die von einer exklusiven Zuordnung gegen\u00fcber einer Glaubensrichtung ausgeht. Wenn wir in Frieden leben wollen, m\u00fcssen wir diesen auch erm\u00f6glichen und f\u00f6rdern: durch Nichtstigmatisierung von Glaubensgruppen und durch gelebte Integrationsbem\u00fchung. Sinnvoll w\u00e4re demnach die Einrichtung einer Dokumentationsstelle gegen jede ideologisch vereinnahmte Religion, also beispielsweise eine \u201eDokumentationsstelle gegen gewaltbereiten Extremismus und Fundamentalismus\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eIslam und Gewaltfreiheit\u201c war das Thema des Studienteils zum Auftakt des Pr\u00e4sidiumstreffens von Pax Christi \u00d6sterreich im Rahmen der \u201eCatholic Nonviolence days of Action\u201c im Montafon (Vorarlberg) Der Studienteil wurde gemeinsam mit der christlich-islamischen Dialoggruppe der Fokolar-Bewegung am 25. September abgehalten. 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