{"id":9482,"date":"2021-08-05T11:30:11","date_gmt":"2021-08-05T09:30:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.paxchristi.at\/?p=9482"},"modified":"2021-08-05T11:30:11","modified_gmt":"2021-08-05T09:30:11","slug":"mit-mahatma-gandhi-fuer-die-vollkommene-abschaffung-von-atomwaffen-eintreten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.paxchristi.at\/?p=9482","title":{"rendered":"Mit Mahatma Gandhi f\u00fcr die vollkommene Abschaffung von Atomwaffen eintreten"},"content":{"rendered":"<p>Am 6. August j\u00e4hrt sich der erste Abwurf einer Atombombe. Aus diesem Anlass ver\u00f6ffentlichen wir einen Beitrag von Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Palaver, Pr\u00e4sident von Pax Christi \u00d6sterreich<\/p>\n<p>Die erste H\u00e4lfte dieses Jahres durfte ich am Stellenbosch Institute for Advanced Study in S\u00fcdafrika zu Gandhis Gewaltfreiheit forschen und m\u00f6chte dessen Auseinandersetzung mit der Atombombe f\u00fcr den heurigen Hiroshimatag am 6. August in den Mittelpunkt stellen. Gandhis erste \u00fcberraschende Reaktion auf den Abwurf der Bombe war ein weltweit wahrgenommenes Schweigen. Die R\u00fccksichtnahme auf die USA, die den indischen Freiheitskampf unterst\u00fctzte und sich pl\u00f6tzlich aber als m\u00f6gliche Gefahr zeigte, war ein politischer Grund f\u00fcr dieses Schweigen.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nZurecht bemerkte Gandhi einige Monate sp\u00e4ter, dass \u201eNationen, die die Atombombe haben, selbst von ihren Freunden gef\u00fcrchtet werden\u201c. Es gibt auch einen religi\u00f6sen Grund, denn mit dem Atombombenabwurf best\u00e4tigte sich f\u00fcr ihn seine letztlich von Gott bestimmte Mission f\u00fcr die Gewaltfreiheit. Mit dieser Waffe sah er eine apokalyptische Gefahr die Welt betreten: \u201eAtombomben bedeuten \u00e4u\u00dferste Zerst\u00f6rung [\u2026], als ob die Prophezeiung der Bibel wahr w\u00fcrde und es eine alles vernichtende Sintflut g\u00e4be.\u201c In der Atombombe kulminierte die zur Selbstzerst\u00f6rung der Menschheit eskalierende Dynamik der Gewalt. \u201eJetzt kennen wir die nackte Wahrheit. Der Krieg kennt nur ein Recht, das Recht des St\u00e4rkeren.\u201c Das traditionelle Kriegsrecht mit seinem Versuch, Gewalt einzud\u00e4mmen, hat angesichts dieser Waffe f\u00fcr Gandhi ausgedient. Auch amerikanische Hoffnungen teilte er nicht, dass mit der nuklearen Abschreckung der Weltfrieden einkehren w\u00fcrde: \u201eAmerikanische Freunde meinten, die Atombombe werde wie nichts anderes Ahimsa m\u00f6glich machen. Das stimmt, wenn damit gemeint ist, dass ihre Zerst\u00f6rungskraft die Welt so anwidert, dass sie sich einstweilen von der Gewalt abwendet. Aber so wie ein Mensch, der sich mit Leckereien vollgestopft hat bis zur \u00dcbelkeit, sich von ihnen abwendet, nur um sich, sobald die \u00dcbelkeit gewichen ist, mit doppelter Gier wieder darauf zu st\u00fcrzen, so wird die Welt sich mit neuem Eifer in die Gewalt st\u00fcrzen, wenn der Ekel nachgelassen hat.\u201c Moralisch verurteilte Gandhi den Nuklearkrieg scharf: \u201eIch betrachte die Anwendung der Atombombe zur vollkommenen Vernichtung von M\u00e4nnern, Frauen und Kindern als die diabolischste Form der Nutzung der Wissenschaft.\u201c Mit Hiroshima und Nagasaki war f\u00fcr Gandhi das Eintreten f\u00fcr die Gewaltfreiheit unabdingbar geworden: \u201eDie Lehre, die [\u2026] aus der furchtbaren Trag\u00f6die der Bombe gezogen werden kann, lautet: Bomben k\u00f6nnen niemals durch gegnerische Bomben unsch\u00e4dlich gemacht werden, so wenig wie Gewalt durch Gegengewalt. Die Menschheit muss sich ausschlie\u00dflich durch Gewaltfreiheit von der Gewalt befreien.\u201c<br \/>\nIm Unterschied zu Gandhi dauerte es in der katholischen Kirche deutlich l\u00e4nger, sich von jenen ethischen Konzepten zu verabschieden, die zumindest den Besitz von Atomwaffen erlaubten. Seit der Enzyklika Pacem in terris von Papst Johannes XXIII., die dieser angesichts der an den Abgrund eines nuklearen Infernos f\u00fchrenden Kubakrise verfasste, und dem Zweiten Vatikanischen Konzil haben sich die P\u00e4pste aber zunehmend der Position Gandhis angen\u00e4hert und eine immer kritischere Haltung zur atomaren Abschreckung eingenommen. Fratelli tutti, die j\u00fcngste Sozialenzyklika von Papst Franziskus schlie\u00dft diese Entwicklung mit der Erkl\u00e4rung ab, dass heute die \u201evollkommene Abschaffung von Atomwaffen\u201c zu einer \u201emoralischen und humanit\u00e4ren Pflicht\u201c geworden ist (Fratelli tutti Nr. 262).<br \/>\nDiese gro\u00dfe Herausforderung f\u00fcr die Menschheit wird aber nur gelingen, wenn die Gewaltfreiheit immer st\u00e4rker einge\u00fcbt und sowohl auf pers\u00f6nlicher als auch auf politischer Ebene verwirklicht wird. Pax Christi International f\u00f6rdert mit seiner \u201eCatholic Nonviolence Initiative\u201c die St\u00e4rkung der Gewaltfreiheit innerhalb der katholischen Kirche. Es ist gut, dass \u00d6sterreich ein atomwaffenfreies Land ist. Zur globalen Abschaffung der Atomwaffen braucht es aber auch eine St\u00e4rkung der Gewaltfreiheit in unserem Land. Pax Christi \u00d6sterreich wird sich in den n\u00e4chsten Jahren verst\u00e4rkt daf\u00fcr einsetzen.<\/p>\n<p>Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Palaver<br \/>\nPr\u00e4sident von Pax Christi \u00d6sterreich<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 6. August j\u00e4hrt sich der erste Abwurf einer Atombombe. Aus diesem Anlass ver\u00f6ffentlichen wir einen Beitrag von Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Palaver, Pr\u00e4sident von Pax Christi \u00d6sterreich Die erste H\u00e4lfte dieses Jahres durfte ich am Stellenbosch Institute for Advanced Study in S\u00fcdafrika zu Gandhis Gewaltfreiheit forschen und m\u00f6chte dessen Auseinandersetzung mit der Atombombe f\u00fcr den &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/www.paxchristi.at\/?p=9482\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eMit Mahatma Gandhi f\u00fcr die vollkommene Abschaffung von Atomwaffen eintreten\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":true,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.paxchristi.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9482"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.paxchristi.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.paxchristi.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.paxchristi.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.paxchristi.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9482"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.paxchristi.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9482\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9483,"href":"https:\/\/www.paxchristi.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9482\/revisions\/9483"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.paxchristi.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9482"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.paxchristi.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9482"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.paxchristi.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9482"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}