{"id":9709,"date":"2022-03-02T12:37:02","date_gmt":"2022-03-02T11:37:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.paxchristi.at\/?p=9709"},"modified":"2022-03-02T12:40:04","modified_gmt":"2022-03-02T11:40:04","slug":"pax-christi-zu-ukraine-prophetische-gewaltfreiheit-ist-gefragt_auch-westen-am-krieg-nicht-unschuldigkathpress-meldung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.paxchristi.at\/?p=9709","title":{"rendered":"Pax Christi zu Ukraine: Prophetische Gewaltfreiheit ist gefragt_&#8220;Auch Westen am Krieg nicht unschuldig&#8220; (Kathpress-Meldung)"},"content":{"rendered":"<p>01.03.2022 14:32 <\/p>\n<p>Innsbruck, 01.03.2022 (KAP) Am Ukraine-Krieg ist &#8222;auch der Westen nicht unschuldig&#8220;. Diese Einsch\u00e4tzung begr\u00fcndete der Pr\u00e4sident von Pax Christi \u00d6sterreich und Innsbrucker Sozialethiker, Wolfgang Palaver, mit dem Hinweis darauf: &#8222;Wo immer in den letzten Jahren der Westen zum Mittel des Kriegs griff, lieferte er Gr\u00fcnde, die heute auch der russischen F\u00fchrung zur Rechtfertigung dienen.&#8220;<!--more--><br \/>\nAnstelle von Krieg m\u00fcsse heute &#8222;prophetische Gewaltfreiheit&#8220; treten, erinnerte Palaver an eine Aussage von Papst Franziskus vor wenigen Tagen. Es sei gut, dass der Westen in der Ukraine jetzt nicht selbst eingreift und so die &#8222;Eskalation zu einem Weltkrieg&#8220; verhindere. Sanktionen, auch wenn sie &#8222;von uns Opfer verlangen&#8220;, m\u00fcssten aber durchgesetzt werden, um deutlich zu machen, dass Krieg kein Mittel der Politik sein darf.<\/p>\n<p>Wie der Theologe an der Spitze der \u00d6sterreich-Sektion der katholischen Friedensbewegung in einem Beitrag f\u00fcr die Kirchenzeitung &#8222;Tiroler Sonntag&#8220; (3. M\u00e4rz) festhielt, verbiete die Charta der Vereinten Nationen jeden Angriffskrieg. Die Verteidigung der Ukraine z\u00e4hle hingegen auch f\u00fcr die UNO zu jenen F\u00e4llen, in denen milit\u00e4rischer Widerstand erlaubt ist. Freilich: &#8222;Jeder Krieg hinterl\u00e4sst die Welt schlechter, als er sie vorgefunden hat&#8220;, zitierte Palaver den Papst. Und: &#8222;Krieg ist ein Versagen der Politik und der Menschheit.&#8220; <\/p>\n<p>Den Weltreligionen attestierte der Professor f\u00fcr christliche Gesellschaftslehre an der Uni Innsbruck, die Bedeutung der Gewaltfreiheit in den letzten Jahren verst\u00e4rkt betont und zur universalen Geschwisterlichkeit aufgerufen zu haben. Die Franziskus-Enzyklika &#8222;Fratelli tutti&#8220;, angesto\u00dfen durch das gemeinsam mit dem muslimischen Gro\u00dfimam Ahmad Al-Tayyeb formulierten &#8222;Dokument \u00fcber die Br\u00fcderlichkeit aller Menschen f\u00fcr ein friedliches Zusammenleben in der Welt&#8220;, sei daf\u00fcr ein gutes Beispiel. Der Papst selbst distanziere sich in &#8222;Fratelli tutti&#8220; von der klassisch-katholischen Lehre vom gerechten Krieg, weil damit viel zu oft &#8222;kriegerische Handlungen unzul\u00e4ssigerweise&#8220; gerechtfertigt worden seien. Wenn Russland als Grund f\u00fcr die Invasion der Ukraine seine Verteidigung nennt, ist das laut Palaver &#8222;nur ein Beispiel f\u00fcr einen solchen Missbrauch&#8220;. <\/p>\n<p>Die &#8222;religi\u00f6se Abkehr vom Krieg&#8220; habe sich zuletzt auch in der Ukraine gezeigt, erinnerte der Sozialethiker: Das von Christen, Juden und Muslimen gebildete &#8222;Ukrainische Konzil der Kirchen und Religi\u00f6sen Organisationen&#8220; habe noch am Tag des Einmarschs den russischen Angriff verurteilt und zu Frieden und Loyalit\u00e4t mit der ukrainischen Regierung aufgerufen. &#8222;Das Erstaunliche an diesem gemeinsamen Appell&#8220; sei, dass sich ihm auch alle in der Ukraine existierenden Vertreter der Orthodoxie anschlossen &#8211; auch die dem Moskauer Patriarchen unterstehende Ukrainische Orthodoxe Kirche. Religionen k\u00f6nnten Frieden und Geschwisterlichkeit st\u00e4rken, &#8222;wenn sie sich ganz auf Gott einlassen, der f\u00fcr die Absage an die Gewalt steht&#8220;, folgerte Palaver. <\/p>\n<p>Keine Chance f\u00fcr Gewaltfreiheit?<\/p>\n<p>Das Verstummen der pazifistischen Stimmen in den vergangenen &#8222;schrecklichen Kriegstagen&#8220; bedauerte der ebenfalls in &#8222;Pax Christi&#8220; engagierte langj\u00e4hrige Friedensaktivist und Vorsitzende der Katholischen Aktion der Di\u00f6zese Innsbruck, Klaus Heidegger. Der Co-Autor eines &#8222;Handbuches zur Neutralit\u00e4t und Sicherheitspolitik&#8220; vermisst, wie er in einem Blog schrieb, auch in den Medien Friedensforscher, die f\u00fcr &#8222;die Kraft der Gewaltfreiheit&#8220; votieren. Stattdessen w\u00fcrden Milit\u00e4rexperten in Uniform das Geschehen kommentieren, &#8222;das sie wohl am besten verstehen&#8220;. <\/p>\n<p>F\u00fcr Heidegger sitzt der &#8222;Hauptt\u00e4ter&#8220; im Kreml, Putin entscheide &#8222;selbstherrlich \u00fcber Krieg und Frieden&#8220;. Dennoch stelle sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit eines gewaltsamen Widerstands angesichts der massiven Gewalt der russischen Truppenverb\u00e4nde. Denn es drohe ein entsetzliches Blutbad, &#8222;wo auf beiden Seiten get\u00f6tet und gestorben wird und die zivile Infrastruktur zerbombt wird&#8220;. Heideggers bange Frage: &#8222;Wird es zum H\u00e4userkampf kommen und werden damit jene Bilder auch in europ\u00e4ischen St\u00e4dten zu sehen sein, die wir kennen aus dem syrischen B\u00fcrgerkrieg?&#8220;<\/p>\n<p>Der Religionslehrer und Pazifist erinnerte daran, dass das ukrainische Volk in den Jahren 2004 in der Orangen Revolution erfolgreich zivilen Widerstand leistete: &#8222;Damals wurden lehrbuchm\u00e4\u00dfig die Instrumentarien und Taktiken gelebt, die zum Sturz eines unrechtm\u00e4\u00dfigen Regimes f\u00fchren k\u00f6nnen, ohne dass irgendein Mensch stirbt.&#8220; Heidegger berief sich bei der Option daf\u00fcr auf die christliche Botschaft der Gewaltfreiheit und der Feindesliebe: &#8222;Ist sie nur ein Programm f\u00fcr friedliche Zeiten und gilt nicht in den Stunden des Krieges?&#8220;<\/p>\n<p>Die Antwort der christlichen Kirchen in Europa sei zwar &#8222;tendenziell pazifistisch gepr\u00e4gt&#8220;, eine ausdr\u00fcckliche Ermutigung zu einem Verzicht auf milit\u00e4rischen Widerstand vermisst der Theologe jedoch. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>01.03.2022 14:32 Innsbruck, 01.03.2022 (KAP) Am Ukraine-Krieg ist &#8222;auch der Westen nicht unschuldig&#8220;. 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