{"id":9879,"date":"2022-10-27T12:10:41","date_gmt":"2022-10-27T10:10:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.paxchristi.at\/?p=9879"},"modified":"2022-10-27T12:12:07","modified_gmt":"2022-10-27T10:12:07","slug":"pax-christi-deutschland-wer-frieden-will-muss-frieden-vorbereiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.paxchristi.at\/?p=9879","title":{"rendered":"Pax Christi Deutschland:  Wer Frieden will, muss Frieden vorbereiten"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.paxchristi.at\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Pax-D.png\" style=float:right;margin-left=4px;><em>Erkl\u00e4rung der Delegiertenversammlung 2022 (21. -23.10. in Fulda)<\/em><\/p>\n<p>Im achten Monat des v\u00f6lkerrechtswidrigen Angriffskrieges Russlands auf die Ukraine erkl\u00e4rt die pax christi-Delegiertenversammlung:<\/p>\n<p>Die deutsche Sektion der internationalen katholischen Friedensbewegung pax christi ist der biblischen Friedensbotschaft verpflichtet. Die pax christi-Bewegung nimmt die Botschaft Jesu Christi ernst und lehnt daher grunds\u00e4tzlich den Einsatz von Gewalt ab. Auf der ernsthaften Suche nach Vers\u00f6hnung und Frieden und nach Wegen der aktiven Gewaltfreiheit als christlichem Lebensstil (Papst Franziskus) streben wir einen respektvollen Umgang miteinander an, auch mit denen, innerhalb und au\u00dferhalb von pax christi, die nicht ausschlie\u00dfen wollen, dass es gewaltvolle, kriegerische Entwicklungen gibt, die zum Schutz von Menschenleben und zur Verteidigung eines Landes des bewaffneten Widerstands bed\u00fcrfen.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nAktive Gewaltfreiheit ist und bleibt unser Leitimpuls zur L\u00f6sung von Konflikten. Deshalb setzen wir uns mit der Kampagne \u201eGewaltfrei wirkt\u201c daf\u00fcr ein, Menschen in unserem Umfeld, in Kirchengemeinden und Schulen, in Verb\u00e4nden und Gemeinschaften, aber auch in internationalen Beziehungen Wege des gewaltfreien Handelns aufzuzeigen und zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine stellt einen eklatanten Bruch des V\u00f6lkerrechts dar, der Deutschland, Europa und letztlich die ganze Welt herausfordert. Er fordert in der Ukraine jeden Tag Todesopfer und zerst\u00f6rt Lebensgrundlagen, unz\u00e4hlige Menschen werden zur Flucht gezwungen.<\/p>\n<p>Wir sind in Gedanken und Gebeten bei den vom Krieg betroffenen Menschen, die furchtbare Monate des Krieges und des Leidens durchleben. Wir appellieren an die russische Regierung, die Waffen schweigen zu lassen, den diplomatischen Weg einzuschlagen und sich aus der Ukraine zur\u00fcckzuziehen. Wir appellieren an die ukrainische Regierung, sich f\u00fcr diplomatische Verhandlungen zu \u00f6ffnen.<\/p>\n<p>Wir sehen, dass auch dieser Krieg Vorgeschichten hat: Teil der Vorgeschichte ist die Entwicklung der Ukraine nach der Unabh\u00e4ngigkeit 1991 und die Auseinandersetzung mit panrussischen Bestrebungen russischer Politik gegen\u00fcber der Ukraine. Ebenso Teil der Vorgeschichte dieses Konflikts sind die Erweiterung der NATO bis an die russische Grenze und Milit\u00e4rman\u00f6ver auf beiden Seiten. Ohne den Blick auf die komplexe Vergangenheit und den Verlust an Vertrauen ist eine Bewertung des Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine nicht m\u00f6glich, was die Gestaltung einer friedlichen Zukunft behindert.<\/p>\n<p>Dieser Krieg muss beendet werden, denn er schw\u00e4cht die ganze Welt. Er verursacht Hungerkrisen in von Lebensmittelversorgung abh\u00e4ngigen L\u00e4ndern und Teuerungen, die zu sozialen Spannungen f\u00fchren. Er f\u00f6rdert Flucht und Migration mit all den traumatischen Auswirkungen auf die Betroffenen. Er f\u00fchrt zu Energieknappheit und so zu einer R\u00fcckkehr zu fossilen Brennstoffen und Atomenergie mit fatalen Folgen f\u00fcr Umwelt und Sicherheit. Er bef\u00f6rdert einen weltweiten Militarisierungsschub und beschleunigt die globale Klimakatastrophe.<\/p>\n<p>Friedensethisches Dilemma<br \/>\nFriedensethisch konfrontiert dieser Krieg uns mit den Dilemmata des Einsatzes von Gewalt. Auch in der pax christi-Bewegung gibt es dazu unterschiedliche Analysen und Meinungen. Selbstverteidigungsrecht der Ukraine einerseits und das grunds\u00e4tzliche Nein zum Einsatz von milit\u00e4rischer Gewalt bei gleichzeitiger Unterst\u00fctzung mit zivilen Mitteln andererseits. In pax christi wird dieses Dilemma aktuell im Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine aus guten Gr\u00fcnden plural hin auf das konkrete politische Handeln interpretiert: Viele in pax christi halten mit Blick auf die langfristigen Folgen und grundlegenden theologisch-spirituellen \u00dcberlegungen an der Option f\u00fcr Gewaltfreiheit fest; in pax christi gibt es auch die Option, auf Solidarit\u00e4tsanforderungen aus der Ukraine neben zivilen Hilfen auch mit Waffenlieferungen zur Verteidigung zu reagieren.<\/p>\n<p>pax christi ist sich jedoch einig darin, im Glauben an die Friedensbotschaft Jesu Christi an der Seite derer zu stehen, die in einen Krieg verwickelt worden sind und sucht nach Wegen, Frieden und Vers\u00f6hnung zu finden. Deswegen verdient jeder Mensch Schutz vor milit\u00e4rischer Gewalt.<\/p>\n<p>Einig ist sich pax christi auch, dass ein sofortiger Waffenstillstand gefordert ist, um diplomatische und zivile Kl\u00e4rungsprozesse beginnen zu k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>pax christi setzt sich daf\u00fcr ein, jetzt den Frieden im Krieg vorzubereiten. <\/p>\n<p>Dazu geh\u00f6rt f\u00fcr die pax christi-Delegiertenversammlung:<\/p>\n<p>\u00a0\u00a0\u00a0 Sich nicht an Kriege und Gewalt zu gew\u00f6hnen, weder in der Ukraine noch an die vielen anderen Kriege weltweit.<br \/>\n\u00a0\u00a0\u00a0 Kontakte zu zivilen Organisationen auf beiden Seiten aufrechtzuerhalten, zu pflegen oder zu initiieren; ebenso Kontakte auf pers\u00f6nlicher Ebene nicht abrei\u00dfen zu lassen.<br \/>\n\u00a0\u00a0\u00a0 Wir sehen es als Aufgabe von Politiker:innen, Kirchenvertreter:innen oder anderen Personen des \u00f6ffentlichen Lebens an, den Dialog mit allen denkbaren Partner:innen mit Hartn\u00e4ckigkeit und Geduld zu suchen und zu f\u00fchren und Gespr\u00e4chskan\u00e4le auf allen Ebenen offen zu halten oder zu \u00f6ffnen.<br \/>\n\u00a0\u00a0\u00a0 In Diplomatie und Verhandlungen die Sichtweisen aller Konfliktparteien wahrzunehmen, kritisch zu hinterfragen und keine Feindbilder aufzubauen oder zu verst\u00e4rken.<br \/>\n\u00a0\u00a0\u00a0 Plattformen f\u00fcr Verhandlungen sind vorrangig die Vereinten Nationen und die Organisation f\u00fcr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE).<br \/>\n\u00a0\u00a0\u00a0 Die \u00f6ffentliche Debatte aus der milit\u00e4rischen Engf\u00fchrung herauszuholen und die vielfachen M\u00f6glichkeiten gewaltfreien und deeskalierenden Handelns bekannt zu machen. Es ist die Verantwortung der Medien, solchen Themen und der Forderung nach Einstellung der Waffenlieferungen Raum zu geben.<br \/>\n\u00a0\u00a0\u00a0 Ressourcen f\u00fcr zivile Konfliktbearbeitung und f\u00fcr Ausbildung in gewaltfreiem Widerstand und sozialer Verteidigung sollten in viel gr\u00f6\u00dferem Umfang bereitgestellt werden.<br \/>\n\u00a0\u00a0\u00a0 Menschenrechte und das V\u00f6lkerrecht m\u00fcssen von allen politischen und wirtschaftlichen Akteuren geachtet werden.<br \/>\n\u00a0\u00a0\u00a0 Alle Menschen beider Seiten, die sich dem Krieg entziehen m\u00f6chten, den Kriegsdienst oder den Kriegseinwirkungen, sollen f\u00fcr die Dauer ihrer Gef\u00e4hrdung in Deutschland Aufnahme finden.<br \/>\n\u00a0\u00a0\u00a0 Mit Blick auf das wachsende atomare Kriegsrisiko sollte die NATO ihre atomare Erstschlagoption aussetzen, um den russischen Sicherheitsbed\u00fcrfnissen entgegen zu kommen.<br \/>\n\u00a0\u00a0\u00a0 Die Umsetzung des Atomwaffenverbotsvertrages weiter mit Nachdruck zu bef\u00f6rdern.<br \/>\n\u00a0\u00a0\u00a0 Die Einrichtung entmilitarisierter Zonen zu bef\u00f6rdern.<br \/>\n\u00a0\u00a0\u00a0 Exit-Strategien f\u00fcr die Wirtschaftssanktionen zu entwickeln, z.B. im Falle eines Waffenstillstands.<\/p>\n<p>Es ist notwendig, dass nicht in milit\u00e4rischen Kategorien, in Kategorien von Sieger und Verlierer, gedacht wird. Erforderlich ist eine kluge, alle Ebenen und Kan\u00e4le einbeziehende Krisendiplomatie, die den beteiligten Parteien einen gesichtswahrenden Ausstieg aus den Kriegshandlungen erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>Wer Frieden will, muss diesen vorbereiten und Grundlagen daf\u00fcr schaffen, dass Frieden entstehen und wachsen kann.<\/p>\n<p>Die pax christi-Bewegung sieht dies als Aufgabe und Herausforderung f\u00fcr alle Christ:innen und Menschen guten Willens an.<\/p>\n<p>Beschluss der pax christi-Delegiertenversammlung am 23.10.2022 in Fulda<\/p>\n<p>https:\/\/www.paxchristi.de\/meldungen\/view\/5298600552693760\/Wer%20Frieden%20will,%20muss%20Frieden%20vorbereiten<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erkl\u00e4rung der Delegiertenversammlung 2022 (21. -23.10. in Fulda) Im achten Monat des v\u00f6lkerrechtswidrigen Angriffskrieges Russlands auf die Ukraine erkl\u00e4rt die pax christi-Delegiertenversammlung: Die deutsche Sektion der internationalen katholischen Friedensbewegung pax christi ist der biblischen Friedensbotschaft verpflichtet. 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