{"id":9998,"date":"2023-03-23T14:29:35","date_gmt":"2023-03-23T13:29:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.paxchristi.at\/?p=9998"},"modified":"2023-03-23T14:29:35","modified_gmt":"2023-03-23T13:29:35","slug":"generalversammlung-2023-mit-studientag-von-pax-christi-oesterreich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.paxchristi.at\/?p=9998","title":{"rendered":"Generalversammlung 2023 mit Studientag von Pax Christi \u00d6sterreich"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.paxchristi.at\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/P1950538-scaled.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-10001 alignright\" src=\"https:\/\/www.paxchristi.at\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/P1950538-300x135.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"135\" srcset=\"https:\/\/www.paxchristi.at\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/P1950538-300x135.jpg 300w, https:\/\/www.paxchristi.at\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/P1950538-1024x461.jpg 1024w, https:\/\/www.paxchristi.at\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/P1950538-768x346.jpg 768w, https:\/\/www.paxchristi.at\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/P1950538-1536x691.jpg 1536w, https:\/\/www.paxchristi.at\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/P1950538-2048x922.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Am Freitag, 17. M\u00e4rz und Samstag, 18. M\u00e4rz trafen sich, wie jedes Fr\u00fchjahr, Mitglieder und Interessierte von Pax Christi \u00d6sterreich \u2013 diesmal wieder in Linz. Am Freitag stand die Generalversammlung am Programm, bei der Neuigkeiten und Berichte aus den verschiedenen Gruppen der Bewegung ausgetauscht wurden und \u00fcber aktuelle Herausforderungen gesprochen wurde. <!--more-->Au\u00dferdem stand bei der Tagung im Linzer Priesterseminar die Wahl einiger Funktionen am Programm. Dabei wurde der Innsbrucker Universit\u00e4tsprofessor Wolfgang Palaver f\u00fcr eine weitere Periode von vier Jahren als Pr\u00e4sident wiedergew\u00e4hlt. Zu seinen Stellvertreterinnen wurden Elisabeth Stibernitz von der Landesgruppe Tirol und Petra Lex von der Landesgruppe Steiermark gew\u00e4hlt. Die bisherigen Stellvertreter Adalbert Krims und Meinrad Schneckenleithner hatten nach langj\u00e4hriger T\u00e4tigkeit diese Funktionen zur\u00fcckgelegt. Das alte Statut aus dem Jahr 1994 wurde aktualisiert und wird der \u00f6sterreichischen Bischofskonferenz zur Best\u00e4tigung vorgelegt.<\/p>\n<p>Am Samstag war der Studientag dem Thema \u201eFriedensethik 60 Jahre nach Pacem in terris\u201c gewidmet. F\u00fcnf Referent:innen n\u00e4herten sich dem Thema aus unterschiedlichen Perspektiven an und lieferten mit ihren Inputs Stoff zum Nachdenken und Diskutieren. Wolfgang Palaver, Pr\u00e4sident von Pax Christi \u00d6sterreich und Professor f\u00fcr Christliche Gesellschaftslehre an der Universit\u00e4t Innsbruck, betonte in seinem Statement die Aktualit\u00e4t von Pacem in terris angesichts des Kriegs in der Ukraine und der drohenden Gefahr eines Atomkriegs. Die 1963 ver\u00f6ffentlichte Sozialenzyklika widmete sich als erste ganz dem Thema Frieden und bereitete innerkirchlich den Weg f\u00fcr eine \u00c4chtung des Krieges und der Entwicklung einer Strategie der Gewaltfreiheit. Palaver zeichnete die Entwicklung der kirchlichen Positionen zu Krieg und Gewaltfreiheit nach, angefangen beim Zweiten Vatikanischen Konzil bis zum gegenw\u00e4rtigen Weckruf von Papst Franziskus, dass sich die Welt in einem \u201eDritten Weltkrieg in St\u00fccken\u201c befinde.<\/p>\n<p>Im zweiten Referat des Tages zeigte Lucia G\u00f6besberger, Fachbereichsleiterin \u201eGesellschaft und Soziales\u201c und Umweltbeauftragte der Di\u00f6zese Linz, die Verbindung zwischen Sch\u00f6pfungsverantwortung und Friedensethik auf. Mit Hinweis auf die Utopie eines \u201eSch\u00f6pfungsfriedens\u201c gehe es um die ehrliche Teilhabe der Menschen an der Sch\u00f6pfung. Diese soll nicht als Nutzen, sondern als Geschenk betrachtet werden, mit dem verantwortungsvoll umgegangen werden muss. Mit Blick auf kriegerische Auseinandersetzungen der vergangenen Jahre zeigte G\u00f6besberger die Wechselwirkung von Klimawandel und Kriegen auf. Einerseits werden die Auswirkungen des Klimawandels (z.B. Mangel an Rohstoffen) zunehmend zu Kriegsursachen, andererseits bringen Kriege noch mehr Umweltzerst\u00f6rung hervor.<\/p>\n<p>Das Vormittagsprogramm beschloss Severin Renoldner, Professor f\u00fcr Ethik, Moraltheologie und politische Bildung an der Privaten P\u00e4dagogischen Hochschule der Di\u00f6zese Linz mit einer friedensethischen und politischen Analyse des Ukrainekriegs. Er sieht seit dem Jahr 2010 einen Vormarsch der Diktaturen, in denen kein Platz f\u00fcr Toleranz ist. Konflikte friedlich und gewaltfrei sowie mithilfe von Verhandlungen zu l\u00f6sen, wird dabei zunehmend schwieriger und f\u00fchrt zur Frage: Wie k\u00f6nnen Kriege gewaltfrei verhindert oder beendet werden, ohne die Gerechtigkeit aufzugeben? Als L\u00f6sungsvorschlag pr\u00e4sentierte Renoldner in zehn Punkten M\u00f6glichkeiten aus gewaltfreier Perspektive, aktiven Widerstand gegen Diktaturen zu leisten und sich f\u00fcr Frieden und Gerechtigkeit einzusetzen.<\/p>\n<p>Am Nachmittag setzte der Theologe Klaus Heidegger, Mitglied von Pax Christi Tirol und Vorsitzender der Katholischen Aktion der Di\u00f6zese Innsbruck, mit seiner pazifistischen Sicht auf den Ukrainekrieg fort. Die starke Kritik, die dem Pazifismus seit Beginn des Ukrainekriegs entgegenkommt, ist f\u00fcr ihn nichts Neues und musste beispielsweise bereits Bertha von Suttner ertragen. Dass die Zeit f\u00fcr pazifistische Ideen f\u00fcr ihn noch lange nicht vorbei ist, unterstrich Heidegger mit dem Versuch einer Pazifismus-Definition anhand von acht Punkten. Pazifismus ist in diesem Sinn: widerst\u00e4ndisch, antimilitaristisch, aktiv-k\u00e4mpferisch, dialogisch, alternativ, verst\u00e4ndnisvoll, gerechtfertigt und christlich. Der Impuls schloss mit dem Hinweis, dass der Gewaltverzicht Jesu ein zentraler Bestandteil des Christentums ist und Pazifismus damit ein Grundbestandteil unseres Glaubens und Wirkens.<\/p>\n<p>Den Reigen der Referate schloss Martin Senn, Professor f\u00fcr Politikwissenschaft an der Universit\u00e4t Innsbruck, mit seinem Vortrag zur Zukunft der Neutralit\u00e4t aus europ\u00e4ischer und \u00f6sterreichischer Sicht ab. Er wies gleich zu Beginn auf das Spannungsfeld zwischen Neutralit\u00e4t und Solidarit\u00e4t hin, in dem sich \u00d6sterreich seit den 1950er-Jahren befindet und arbeitete drei unterschiedliche Phasen heraus: In der ersten Phase bis in die 1980er Jahre, gepr\u00e4gt von einer umfassenden Neutralit\u00e4t l\u00f6ste \u00d6sterreich diese Spannung durch den Vorrang der Neutralit\u00e4t auf. Die zweite, differentielle Phase, die bis in die 2000er-Jahre dauerte, brachte einen Paradigmenwechsel und den Vorrang einer solidarischen Position, sichtbar durch die Teilnahme \u00d6sterreichs am UNO-Sicherheitsrat und dem EU-Beitritt. In den letzten 20 Jahren entwickelte sich eine zunehmend depolitisierte Haltung, gepr\u00e4gt von einer passiven und zur\u00fcckhaltenden Rolle des Parlaments. Senn pl\u00e4dierte angesichts einer fehlenden Strategie f\u00fcr eine aktive Diskussion in Politik und Gesellschaft \u00fcber die Rolle der Neutralit\u00e4t und die Frage, wie (solidarisch) \u00d6sterreich in zuk\u00fcnftigen Anlassf\u00e4llen reagieren sollte. Es brauche eine Neutralit\u00e4tsdebatte, jedoch nicht automatisch zur Frage der Abschaffung, sondern \u00fcber das Wesen und die Kultur der Neutralit\u00e4t.<\/p>\n<p>In der abschlie\u00dfenden Debatte setzten sich die Teilnehmer:innen des Studientags nochmals mit den geh\u00f6rten Inhalten auseinander, wobei vor allem die das Spannungsfeld Neutralit\u00e4t-Solidarit\u00e4t-Gewaltfreiheit f\u00fcr Diskussionen sorgte. Am Ende lief die Debatte auch auf die Frage hinaus, welche konkreten Aufgaben und Herausforderungen sich daraus f\u00fcr Pax Christi ergeben und wie die Botschaft der Gewaltfreiheit gest\u00e4rkt werden kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Freitag, 17. M\u00e4rz und Samstag, 18. M\u00e4rz trafen sich, wie jedes Fr\u00fchjahr, Mitglieder und Interessierte von Pax Christi \u00d6sterreich \u2013 diesmal wieder in Linz. Am Freitag stand die Generalversammlung am Programm, bei der Neuigkeiten und Berichte aus den verschiedenen Gruppen der Bewegung ausgetauscht wurden und \u00fcber aktuelle Herausforderungen gesprochen wurde.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":true,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.paxchristi.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9998"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.paxchristi.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.paxchristi.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.paxchristi.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.paxchristi.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9998"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.paxchristi.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9998\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10002,"href":"https:\/\/www.paxchristi.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9998\/revisions\/10002"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.paxchristi.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9998"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.paxchristi.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9998"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.paxchristi.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9998"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}