18.5.2013

18.Mai

Wir sind 4 Leute in unserm Team in South Hebron Hills. Samstags sind wir immer einsatzbereit, wohin wir von unserem Kontaktmenschen Nasser gerufen werden, wo es Konflikte geben kann.

Die anderen Tage besuchen wir Dörfer, wo wir unsern Schutz und unsere Hilfe anbieten, wir haben 2 Schulen, wo wir Kinder begleiten, da es sonst gefährlich für sie sein kann, wir haben zu 2 Checkpoints zu gehen, zu beobachten, ob Menschenrechte eingehalten werden, Kontakte zu anderen NGOs zu pflegen, präsent sein in Yatta, Berichte schreiben u. v. m.

Heute ist's sehr heiß, es ist momentan ruhig.

In Yatta wohnen wir zwar, aber wir arbeiten hauptsächlich in der ganzen Region Yattas und in der Militärzone. Drum ist die Präsenz in Yatta auch am schwierigsten. Zum einen ist Yatta riesengroß, 100.000 Einwohner, zum andern 100% muslimisch. Evarossa aus Deutschland und ich aus Österreich sind die einzigen Frauen ohne Kopftuch, wir werden wie Exoten gesehen, das ist oft nicht leicht: wir werden angeredet, angegriffen, oft abgetastet, aber im Prinzip sind die Menschen sehr freundlich. Mit den Nachbarn haben wir guten Kontakt.

Yatta sieht aus wie ein großes Dorf: eine Hauptstraße asphaltiert, sonst Schotterstraßen, keine Ampel, keine Gehsteige, 1 Restaurant, kein Hotel, 100 Moscheen, viele Schafställe, Kinder auf den Straßen. Die Familien haben viele Kinder, die Familien halten sehr zusammen, es sind große Clans. Ich hab noch keine hungrigen Kinder gesehen, die Familien haben Schafe, Hühner, Olivenbäume, es gibt für alle zu essen. Was ich in keiner Familie gesehen habe: Spielzeug, Bücher. Natürlich auch kein Alkohol.

Das war so ein bisschen die Beschreibung von meinem Einsatzort.

Es ist Samstag. Alle Samstage spielt sich dasselbe ab. Die jüdischen Siedler haben am Shabbat nichts zu tun. So versuchen sie immer wieder, in die nebenanliegenden Felder der palästinensischen Bauern und Hirten einzudringen.

So heute wieder. Wir wurden gerufen, nach She’b El-Buttum zu kommen, ein kleines Zeltdorf in der Nähe von Susiya. Alle umliegenden Dörfer von der Landstraße hier in South Hebron Hills sind gefährdet.

Als wir ankamen war schon eine Menschenansammlung – mitten in einem Kornfeld: Bauern, Hirten, Männer und Kinder, viele Soldaten und noch andere NGOs von gewaltfreien Menschenrechtsorganisationen (Israelis, Palästinenser und Internationale). Als die palästinensischen Bauern über den Hügel auf ihr anderes Feld gingen, sahen wir 5 Siedler auf uns zukommen. Die Soldaten dazwischen…in Kürze waren 9 Autos da: Militärfahrzeuge, Polizei und die private Siedlerpolizei. Zuerst wurden wir alle zurückgewiesen, einige von Soldaten zurückgeschoben, die Soldaten waren sehr streng und einsichtslos…. sie erfüllen ihre Aufgabe, erst dann wurden die Siedler gebeten, ein Stück zurückzugehen. 200m mussten wir zurück. So blieben wir mit den Bauern und Hirten und den anderen NGOs sitzen – neben ihrem Feld, das sie nicht mehr betreten durften, da das jetzt Militärzone sei. 2 Bauern neben mir, erklärten, dass sie dieses Kornfeld bald ernten müssten. Die Palästinenser haben sehr Angst, sie wollen nicht ihr Land verlassen, sie lebten immer schon hier, auch ihre Eltern und Vorfahren. Sie haben Angst, einmal alles verloren zu haben.

V.Windischer (EAPPI)

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