Es war der 13. März 1945, als in einem vom Zweiten Weltkrieg verwüsteten Europa die französische Lehrerin Marthe Dortel-Claudot, tief geprägt von den Erfahrungen des Krieges, und der Bischof von Montauban, Pierre-Marie Théas, bekannt für seinen Mut im Widerstand gegen die Verfolgungen und Ungerechtigkeiten des NS-Regimes, erstmals die prophetische Einsicht hatten, dass Frieden nicht aus Rache oder einfach aus dem Ende der Feindseligkeiten entstehen könne. Er müsse vielmehr vor allem durch einen Prozess der Versöhnung mit jenen aufgebaut werden, die bis zum Tag zuvor noch als Feinde galten.
Genau aus dieser Bewegung der Begegnung und der Vergebung heraus entstand Pax Christi International – aus einer Spannung, die beinahe dem vorherrschenden Geist jeder historischen Epoche widerspricht. Während häufig angenommen wird, der Sieg gehöre denen, die über andere triumphieren, pflanzte der Frühling vor einundachtzig Jahren zum ersten Mal im Bewusstsein vieler Menschen den Samen einer alternativen Möglichkeit.
Der erste konkrete Schritt war das Engagement für die Versöhnung zwischen Franzosen und Deutschen – eine radikale Geste in einem Europa, das noch immer von den Wunden des Krieges gezeichnet war. Dennoch eröffnete sie den Weg für eine internationale Bewegung, die Gemeinschaften in der Förderung des Friedens zusammenführen konnte, im Geist des Evangeliums dessen, der als Erster die Geschichte veränderte, indem er gegen den Strom schwamm.
Auch heute, in einer Zeit, in der Krieg so oft als ein Weg erscheint, den die Menschheit nicht vermeiden kann, und Hoffnung häufig zu schwinden scheint, entscheiden sich immer mehr Frauen und Männer jeden Alters und aus allen Teilen der Welt, ihre menschlichen, persönlichen und beruflichen Werte in ein Modell der aktiven Gewaltlosigkeit einzubringen – eines Modells, das jeden Tag für eine entwaffnete Welt arbeitet, in der Solidarität und die Sorge für die Schöpfung leitende Prinzipien sind.
Einundachtzig Jahre später leitet diese Vision weiterhin den Weg von Pax Christi International. Wie es in der offiziellen Verpflichtung heißt, die beim Welttreffen im vergangenen November in Florenz vorgestellt wurde:
„In diesem Moment globaler Unsicherheit verweigern wir die Verzweiflung. Inspiriert vom Jubiläumsjahr der Hoffnung entscheiden wir uns für Hoffnung – nicht als Gefühl, sondern als eine Disziplin, die im Glauben verwurzelt und in Solidarität gelebt wird. Wir werden weiterhin Brücken bauen über Kulturen und Kontinente hinweg, zwischen Völkern und Nationen, über Generationen und Traditionen hinweg. Wir werden Partnerschaften mit anderen christlichen Gemeinschaften pflegen, mit Menschen aller Religionen, mit Nichtgläubigen und mit allen, die sich für eine Welt einsetzen, in der jeder Mensch in Würde und Frieden leben kann.“
Möge jede und jeder von uns weiterhin daran arbeiten, dass Frieden nicht nur das Ende von Konflikten ist, sondern eine konkrete Brücke zur Gewaltlosigkeit, die fähig ist, die Beziehungen zwischen Menschen und zwischen Nationen zu verwandeln.
https://paxchristi.net/making-peace-a-possibility-81-years-of-pax-christi-international/

