8.12.2010 Enns – Zweimal Wendepunkt im Leben Franz Jägerstätters

Enns – Zweimal Wendepunkt im Leben Franz Jägerstätters

Vor 70 Jahren, am 8. Dezember 1940, fand in der Ennser Marienkirche die feierliche Einkleidung von Franz Jägerstätter und Rudolf Mayr in den Weltlichen Franziskanischen Orden statt. Anlässlich dieses Jubiläums laden die Pfarre Enns-St. Marien und die Franziskanische Gemeinschaft am 8. Dezember um 14 Uhr zur Gedenkveranstaltung im Pfarrsaal ein. Um 16 Uhr Festgottesdienst in der Stadtpfarrkirche mit den Bischöfen Ludwig Schwarz und Maximilian Aichern.    

Am 8. Dezember 1940 wurden Franz Jägerstätter und Rudolf Mayr in Enns in den Weltlichen Franziskanischen (III.) Orden  eingekleidet. Dieser Jahrestag ist ein Anlass, sich mit der spirituellen Prägung des Seligen auseinander zu setzen. Die Briefe Rudolfs an Franz, der von 1941 – 1943 bei seiner Familie sein kann, geben Einblick in das Ringen der beiden Soldaten. Ungeschminkt beschreibt jener den Kriegsalltag. Sehr wichtig ist beiden das Apostolat: „Seelen für Christus zu gewinnen“. Rudolf berichtet von manchem Anknüpfungspunkt an der Front. Franz hat ihm sein Vorhaben, einen weiteren Kriegsdienst zu verweigern, mitgeteilt. Rudolf bestätigt die Argumente von Franz, ist „aber noch nicht bereit zu sterben“. Zuletzt, Franz ist bereits zum Tod verurteilt, gibt er ihm Recht: „Maria hat den besten Teil erwählt.“ Beide sterben zur selben Zeit, der eine im Schützengraben, der andere unter dem Fallbeil. Erschütternd ist auch das Schicksal der Frauen Franziska und Maria.

Thomas Schlager Weidinger und Erna Putz haben Lehrer und Schüler eingeladen, in Enns und in Peuerbach und Raab den Spuren dieser beiden Männer nachzugehen.

Die Ergebnisse werden am Nachmittag des 8. Dezember in Enns vorgestellt.

Für den Weltlichen Franziskanischen Orden ist Franz Jägerstätter Inspiration und Herausforderung gleichermaßen. Vize-Nationalvorsteher und Mitglied des Internationalen Rates, Mag. Ewald Kreuzer spricht über die aktuelle Bedeutung des Seligen Franz für die Franziskanische Gemeinschaft. Prälat Josef Mayr, ein Neffe von Rudolf, und Erna Putz geben Einblick in die bewegenden Schicksale der beiden Soldaten und deren Familien.

Der Franziskanische Orden wird wie die Pfarre Enns St. Marien und die Pädagogische Hochschule der Dioezese Linz die Gedenkfeier mittragen.

Bischof Ludwig und Bischof Maximilian werden im Gedenken an das Ereignis einen festlichen Gottesdienst feiern. Hoffentlich wird es möglich, dass Franziska Jägerstätter in der Ennser Kirche eine Gedenktafel an das Ereignis enthüllen kann.

Für das Vorbereitungsteam: Ihre/ eure Erna Putz

Kontaktadressen:

P. Mag.Martin Bichler, Wienerstr. 4, 4470 Enns, St. Marien 07223 82855 pfarre.enns.stmarien@dioezese-linz.at

Dr. Thomas Schlager- Weidinger , 0676 8776 1191 t.schlager-weidinger@ph-linz.at

Dr. Erna Putz, Buchenstr. 9, 4694 Ohlsdorf 0699 1179 4665 erna.putz@tele2.at

Mag. Ewald Kreuzer, 0664 2311570  ewald.kreuzer@gmx.at

 

Einladung

Zur Feier im Gedenken an die Einkleidung in den Weltlichen Franziskanischen Orden von Franz Jägerstätter und Rudolf Mayr

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Pfarrheim und Pfarrkirche St. Marien, im Stadtzentrum Enns, O.Ö.

Programm:

14.00 – 15.40  im Pfarrheim: „Ordenskleid statt Waffenrock“

 Grußwort von Bischof Maximilian Aichern

 …“dass mein Glaube als Soldat nicht schwächer wurde.“

Biografische Hinführung zu Rudolf Mayr und Franz Jägerstätter durch Prälat Josef Mayr, Linz und Erna Putz, Ohlsdorf

Präsentation: „Auf den Spuren von Franz Jägerstätter und Rudolf Mayr in Enns und Peuerbach“  Schüler bringen in vielfältiger Form den Ertrag ihrer Suche

Franz Jägerstätter, ein Ordensbruder, der uns bewegt.  Kurzvortag von Mag. Ewald Kreuzer, Steyr

 

16.00 Pfarrkirche St. Marien:

Eucharistiefeier mit Diözesanbischof Dr. Ludwig Schwarz in Konzelebration mit Bischof Maximilian Aichern und Prälat Josef Mayr

Der Kirchenchor Enns singt…

Enthüllung einer Gedenktafel an das Ereignis in der Pfarrkirche Enns durch Franziska Jägerstätter

Segnung der Tafel durch Bischof Ludwig

Im Anschluss an den Gottesdienst Agape im Pfarrheim

 

In der Kirche sind an diesem Nachmittag Originaldokumente wie das Drittordensbuch mit dem entsprechenden Eintrag und Briefe der beiden Ordensbrüder ausgestellt.

 

Zitate

Franz Jägerstätter an seine Frau Franziska am 9. 12. 1940 aus Enns: „Liebe Fani, gestern am Feste der Unbefleckten Empfängnis, konnte ich noch einen großen Gnadensonntag verbringen. Es wurden in der wunderbar festlich geschmückten Franziskanerkirche zwei Soldaten in feierlicher Form in den Drittorden aufgenommen. Liebste Gattin, unter diesen zwei Soldaten war auch Dein Gatte dabei, hoffe, dass Du ihm deshalb nicht böse bist, denn Du hast ja wie ich hoffe, dieselbe Ansicht wie ich. Muss Dir auch ein guter Trost sein, dass mein Glaube als Soldat nicht schwächer wurde. Wenn ich euch schon bei der Arbeit nicht behilflich sein kann, so hoffe ich, dass ich euch durch mein Gebet Hilfe bringen kann. Lernte hier in letzter Zeit einen ziemlich gleichgesinnten Kameraden kennen, dieser war 1934 in Rom und Neapel. Er wird aber einstweilen noch in Enns bleiben, denn er hat sich vor kurzer Zeit in die Küche gemeldet, denn er ist gelernter Koch.“

Aus Briefen Rudolf Mayrs an Franz Jägerstätter:

Lieber Bruder, Du wirst sowieso eifrig sein an Seelen gewinnen für Jesus.. Unser Vater Franziskus hat sich wirklich aufgerieben im Eifer für den Nächsten…. Es wird eine Zeit kommen, wo wir uns gegenseitig stützen müssen, wenn wir wollen, dass die Religion nicht untergeht.                            28./29. 5. 1941, Masurenland

 

Von den Städten ist gewöhnlich nichts zu sehen als Rauchfang, Ofen, verbrannte Eisen – Bettgestelle und Schutt. Hier in Russland ist fast alles Holzbau bis auf den Rauchfang.                                                                                 24. 7. 1941

 

Teilweise ist der Mensch viel ärmer als das Vieh, denn das Vieh wird niemals so gemartert wie manche Menschen im Krieg.                             23. 10.1941, Russland

 

Lieber Bruder, hab von Deinem Aufenthalt gehört, es sind viele Monat, seit wir uns nie geschrieben… bin nicht mehr bei den Kraftfahrern sondern bei Infanterie… weißt, so wie es früher bei uns war, ist’s nimmer, dass man 2 Stund Posten steht und dann sich ausruht, hier geht man abends in den Graben und morgens ein paar Stund in den Bunker. Alle 3. Tag ist auch vormittags ganzen Vormittag Wache. Zwischenzeiten gibt’s noch Arbeitsdienst, Bunkergraben oder Graben tiefer machen. Die Füß tun mir oft weh, so müd wird man… Wir haben ja zu Haus auch nichts als Arbeit in unserem Leben, aber man ist zufrieden, wenn man nachts schlafen kann und von diesem Schrecken nichts mehr sieht, ich habe Dich nicht vergessen, wenn auch lange nicht geschrieben. Bitte Dich um Dein Gebet, dass der Wille Gottes in uns erfüllt wird… Du hast Zeit, es ist so viel zu tun für die Rettung der Welt, der Seelen zu beten. Täglich sterben so viele in bitteren Leiden, die Dir in Ewigkeit danken für Dein Gebet… Du weißt, das Christus sagte im Evangelium, Maria hat den besten Teil erwählt, der ihr nicht genommen werden kann.         12. 7. 1943, Russland, Franz in Berlin z. Tod verurteilt

 

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