Katholische Christen und der 1.Weltkrieg

„Der Kaiser ruft – Gott ruft“ Unter diesem Titel veröffentlichte pax_zeit  (1_2014), die Pax Zeitung von Deutschland interessante Überlegungen von Heinrich Missalla. Er war geistlicher Beirat von Pax Christi Deutschland.

Als die deutschen Truppen im Juli 1914 unter dem Jubel der
Bevölkerung und dem Läuten der Glocken zum Kampf ausrückten,
ahnte niemand, dass knapp ein Jahr später Papst
Benedikt XV diesen Krieg ein „Morden“ und „Gemetzel“
nennen würde und ihn als „entsetzliches Blutbad“, „Wahnsinn“
und „Selbstmord des zivilisierten Europa“ bezeichnete.
Schier unbegreiflich erscheint heute, was in den Kirchen
damals gepredigt wurde. Bischöfe wie Michael von Faulhaber
oder Paul Wilhelm von Keppler, bekannte Professoren
wie der Alttestamentler Norbert Peters oder der Dogmatiker
Engelbert Krebs und viel gelesene theologische Schriftsteller
wie Joseph Bernhart oder Peter Lippert haben einmütig
dem Krieg und dem Vaterland eine religiöse Weihe
verliehen. In der damals vom Klerus am meisten gelesenen
Predigtzeitschrift „Chrysologus“ schrieb der bekannte Theologe
Otto Karrer viermal auf einer Seite: „Der Kaiser ruft –
Gott ruft“. Innerhalb kurzer Zeit waren eine Fülle von Büchern
und Broschüren mit Kriegspredigten auf dem Markt.
Ein halbes Jahr nach Kriegsbeginn gab es 112 „katholische“
Titel von Kriegsschriften mit religiösem Charakter, davon
62 Predigt- und 50 Kriegs- und Soldatenbücher – ohne die
Zeitschriftenliteratur, „die nun allesamt auf den Krieg eingestimmt“
waren.

Der Krieg als „heilige Zeit“ verklärt
Die Prediger erlebten den Krieg zunächst als einen Durchbruch

elementarer Kräfte in einer müde und kraftlos gewordenen
Zeit, als einen unerwarteten Anstoß zu religiöser
und moralischer Neubesinnung. Sie jubelten, weil die
Kirchen über Nacht wieder gut besucht wurden. „Was kein
Bußprediger, keine Mission fertiggebracht hat, das ist dem
Krieg mit einem Schlag gelungen; er hat aus gottvergessenen
Weltkindern hilfesuchende Gotteskinder gemacht!“ So
wurde der Krieg „Deutschlands größte Zeit“, „heilige Zeit“
und „Zeit der Gottesnähe“ genannt. Er sei der „Tag, den
Gott gemacht“ hat, eine „Zeit der Gnade“. Weil man überall
eine religiöse Umkehr zu erkennen glaubte, zitiert man das
Wort Moltkes, der Krieg sei ein „Element der von Gott eingesetzten
Weltordnung“, durch das die Menschen vom Bösen
weggeführt und in ihrem Charakter geformt würden. Und:
„Ohne den Krieg würde die Welt im Materialismus versumpfen.“
In ihm entwickelten sich „die edelsten Tugenden“:
Mut und Entsagung, Pflichttreue und Opferwilligkeit. Nicht
wenige sahen darüber hinaus im Krieg eine Offenbarung
Gottes, der nun „sehr vernehmlich … mit Kanonendonner,
mit Blut und Eisen“ durch die Welt gehe. Bischof von Faulhaber
verglich den Krieg mit der „Erscheinung des Herrn im
Dornbusch, die uns lehrt, vor dem Heiligtum in Ehrfurcht
die Schuhe von den Füßen zu ziehen“.
Wohlgemerkt: Der Krieg wurde nicht begrüßt und gefeiert,
weil man ihn liebte. Im Krieg sah man vielmehr ein unerwartetes
Mittel, eine kaum mehr für möglich gehaltene
religiös-sittliche Erneuerung Deutschlands und der Welt
einzuleiten. Bischof von Faulhaber war der Meinung: „Die
schwerste Niederlage in diesem Weltkrieg ist der Kreditverlust
des Atheismus und anderer fremden Götter von ähnlichem
Kaliber.“ Bei solcher Sichtweise ist es nicht mehr
verwunderlich, wenn ein Prediger sich zu der Äußerung verstieg:
„Gerade unsere Mutter die Kirche begrüßet von Herzen
den großen eisernen Besen.“

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Jesuitenpater Frans Van der Lugt in Syrien erschossen

Als "Mann des Friedens" hat Vatikansprecher Federico Lombardi den im syrischen Homs getöteten niederländischen Jesuiten Frans van der Lugt (75) bezeichnet. Mit großem Mut habe dieser in einer äußerst gefährlichen und schwierigen Situation beim syrischen Volk bleiben wollen, dem er einen großen Teil seines Lebens bewidmet habe, betonte Lombardi in Radio Vatikan: "Wo ein Volk stirbt, da sterben auch seine treuen Hirten", so der Vatikansprecher. Van der Lugt war Montagfrüh in der belagerten Stadt von Bewaffneten verschleppt, geschlagen und mit zwei Kopfschüssen getötet worden.

Mit dem tiefen Schmerz über den Tod Van der Lugts verbinde sich auch Dankbarkeit und Stolz, sagte Lombardi, der wie der Ermordete dem Jesuitenorden angehört. Er sei trotz der Gefahr in seinem Tätigkeitsbereich bei den leidenden Menschen geblieben und habe bis zu seinem Ende die Liebe Christi bezeugt.

Als "unmenschliche Tat" hat UN-Generalsekretär Ban Ki-moon die Ermordung des Ordensmanns verurteilt. Van der Lugt habe der syrischen Bevölkerung in Homs trotz Belagerung und wachsender Schwierigkeiten heldenhaft zur Seite gestanden, teilte Ban mit. Der UN-Generalsekretär forderte die Konfliktparteien in Syrien auf, den Schutz der Zivilbevölkerung zu gewährleisten.

Van der Lugt hatte sich während der Belagerung darum bemüht, Wasser und Lebensmittel in die Stadt zu bringen. Von den ursprünglich 60.000 Christen in der mittelsyrischen Stadt sollen heute dort nur noch 66 leben. Unbestätigt blieb bisher, dass der Niederländer zwischen den in der Stadt eingeschlossenen Rebellen und der belagernden Armee vermittelt habe.

Die Jesuitenniederlassung von Homs sei in den vergangenen zwei Jahren zum Zufluchtsort für viele Menschen geworden, die ihre durch die Bombardierungen zerstörten Häuser verlassen mussten, meldet der Pressedienst "AsiaNews". Van der Lugt, der seit 1966 in Syrien lebte, habe sich trotz der prekären Lage geweigert, Homs zu verlassen. Er wolle den Schmerz und die Schwierigkeiten mit ihnen teilen, erklärte der Geistliche noch vor wenigen Wochen in einem Interview. Der Jesuit habe sich nicht an der von den Vereinten Nationen vor wenigen Wochen ermöglichten Ausreise von 1.400 Menschen aus der Stadt beteiligen wollen, so "AsiaNews". (SJ)

Gedanken zum Krieg – anlässlich des Karfreitags und Osterfestes 2014

Um Nationalismus  zu retten umgibt man Idee und Krieg mit einer heidnischen Lüge: „Dulce et decorum est/ Pro patria mori.“ (Horaz)

Etliche Kriege wüten in diesen Tagen: allzu oft werden Nationalismen und Religionen vorgeschoben, um jeweils dem anderen den Krieg zu erklären: Eine Rückbesinnung auf den ersten Weltkrieg insbesondere auf Tirol, auf die Kriegsbegeisterung , welche von breitesten Sektoren der katholischen Kirche unterstützt wurde, kann uns heute nur mehr erschüttern. Im katholisch – konservativen und auch im deutschnationalem Lager wirkte der bekannte Religionslehrer Bruder Wilram (Anton Müller). Am 2.August 1914 hielt Bruder Wilram eine Rede zum Thema „Gut und Blut für unseren Kaiser!“ Im Widerspruch zu den immer stärkeren Nationalismen der Monarchie verkündigt Bruder Wilram, dass einzig allein der Kaiser die Ordnung garantieren könne. Dazu braucht es „pflichttreue Bürger, pflichttreue Beamte und pflichttreue Soldaten.“ und den Krieg: „Blut und Tränen sind ein starker Kitt“, oder Gedichtbände wie „Das blutige Jahr“ oder „Der heilige Kampf“ In den Gedichten nimmt die Verklärung des Heldentodes den breitesten Raum ein. Es sind Schlachtgebete. Die Feinde sind die anderen. Ob vor „Russen oder Serben, vor welchen Schuften und Schergen“ – das Feindbild ist austauschbar. Es geht immer darum, die Heimat und dessen Sitten zu behüten. Arthur von Wallpach, renommiertester Lyriker Jung Tirols, militanter Verfechter der deutschnationalen Fraktion verbündet sich: „so sind wir in den heiligen Kampf gezogen, mit gleicht Liebesglut fürs Vaterland, der Burschenschafter mit dem Theologen….Wir sind alle aus gleichem Blut geboren …dass Gott sie (die Banner) schmück mit frischem Siegerkranz. Drum lasst uns, Hand in Hand demütig beten.“

Die Rückbesinnung auf erschütternde Kriegsgedanken warnt uns vor jeder Wiederbelebung von Fundamentalismen. Nationen und Religionen, ob Juden, Christen oder auch Muslime, sie haben auch heute ihre Hassprediger: in der ehemaligen SU, in der EU, im Nahen Osten oder sonst wo. Die Irreleitung von „Märtyrern“, die Irreleitung von „Soldaten“, die Verherrlichung von Kriegshelden, egal auf welcher Seite sie Gewalt und Schrecken hinterließen, stellt jeden Krieg in Frage. Es gibt keinen gerechten Krieg. Pax Christi hält diese so genannte Lehre für obsolet.

In diesen Tagen erinnert uns der in Syrien durch 2 Kopfschüsse ermordete Priester P. Frans van der Lugt SJ, der bei den Seinen blieb an das wahre Martyrium, auch an Jesus Christus, der bei den Seinen blieb, keine Legionen herbeirief und gewaltfrei für die Seinen starb und auferstand.

Allen Mitarbeitern und Sympathisantinnen von Pax Christi eine gute Karwoche und ein frohes, befreiendes Osterfest.

(Zitate nach Holzner Johann „Die ungeborenen Enkel“ in Reimmichls Volkskalender 93.Jg) S93f),

Jussuf Windischer
Generalsekretär

Pax Christi Reise nach Sarajevo ( 6.9.2014 – 10.9.2014)

Pax Christi Österreich bietet vom 6.9.2014 – 10.9.2014 eine Reise nach Sarajevo an.
Reiseziel ist einen Einblick in unterschiedliche Kulturen und Religionen und deren Formen des Zusammenlebens zu ermöglichen. Aber auch Begegnungen mit VertreterInnen der Kulturen und Religionen zu schaffen.
Die Zielgruppe richtet sich an Interessierte am muslimischen-christlichen-jüdischen Dialog, Interessierte an zeitgeschichtlichen Ereignissen und Entwicklungen, an der friedenspolitischen Arbeit und an SympathisantInnen und MitarbeiterInnen von Pax Christi Österreich.

Nähere Infos und Anmeldeformular im Anhang:

Reise nach Sarajevo (Pax Christi Österreich)
Sarajevo Antwortblatt

Friedensweg in den Karnischen Alpen (Vorbereitung)

"Wege, die einst Fronten trennten, sollen uns heute verbinden"
Anlass: vor 100 Jahren begann der schreckliche 1. Weltkrieg

Pax Christi Österreich plant vom 14.Juli – 17.Juli 2014 mit Friedensbewegten aus Deutschland, Slowenien, Italien, Österreich und anderswo eine besondere Wanderung auf dem Friedensweg (vie della pace, poti miru). Jeweils am Morgen und am Abend gibt’s eine kurze Besinnung und eine kurze Reflexion.

Wir treffen uns am Montag den 14. Juli um 9.30 Uhr in Kötschach/Mauthen vor dem Bahnhof. Wer mit dem Zug kommt, hat es dann nicht weit, wer mit dem Auto kommt, kann dort gut parken. Wir fahren von dort auf den Plöckenpass (ca. 20 min) und besteigen den Kleinen Pal. Sepp Lederer (Obmann des ÖAV Obergailtal) hat sich dankenswerterweise bereit erklärt uns zu begleiten und zu führen. Der Aufstieg ist relativ steil aber kurz (ca. 1,5 h) Auf dem Pal gibt es ein sehr weitläufiges Freilichtmuseum, welches uns einen erschütternden Einblick in die Kriegsführungen des 1.Weltkrieges bietet. Nach Besichtigung und Gipfeljause (bei der Hütte) wandern wir hinunter zur Unteren Valentinhütte (ca. 2,5 h). Um 16.00 Uhr beginnt unser Seminar zum Thema „100 Jahre 1.Weltkrieg und jetzt?“ Richard Hussl (Büro PCÖ) wird das Seminar koordinieren. Sepp Lederer (ÖAV), Rudolf Jopp (PCSteiermark) werden ein Kurzreferat zum Thema halten.

Weitere Informationen im Anhang
Friedensweg Beschreibung

Pax Christi Österreich und die Krise in der Ukraine

Mit großem Bedauern verfolgt Pax Christi Österreich die Entwicklungen in
der Ukraine.

Die Proteste in der Ukraine nahmen bekanntlich ihren Anfang, weil die
legitime Regierung Janukowitsch das Assoziierungabkommen mit der EU nicht
unterschrieb, um die enge Zusammenarbeit mit Russland nicht zu gefährden.
Die Proteste begannen in der Westukraine, vor allem in Kiew, konzentriert
auf dem Maidan. Unter Vermittlung von drei EU-Außenministern (Deuschland,
Frankreich und Polen) unterzeichneten sowohl Janukowitsch als auch die
Opposition ein Abkommen, das u. a. eine Übergangsregierung der nationalen
Einheit, die Auflösung bewaffneter Milizen, eine Verfassungsänderung sowie
vorgezogene Präsidenten- und Parlamentswahlen vorsah. Unter dem Druck der
Protestaktionen stimmte das Parlament unter Missachtung dieses Abkommens
sowie der geltenden Verfassung für die Absetzung des Präsidenten und wählte
Alexander Tuchynow zum Interimspräsidenten. Die neue Übergangsregierung
wurde ohne Vertretung der russisch-sprachigen Bevölkerung nur aus Parteien
der bisherigen Opposition gebildet.

Der maßgebliche Einfluss von rechtsradikalen und nationalistischen
Gruppierungen, fast 100 Tote auf beiden Seiten, ermordet von Scharfschützen,
Hunderte von Verletzten, verschiedene neue Gesetze u.a. auch die dann wieder
zurückgenommene Abschaffung von Russisch als Amtssprache u.a.m steigerte die
Eskalation. Am 28.2.2014 appellierte der UN-Sicherheitsrat, die Einheit,
territoriale Integrität und Souveränität der Ukraine und die Diversität der
ukrainischen Gesellschaft zu respektieren. Ohne Erfolg.

Die Lage der autonomen Republik (Provinz) Krim ist sehr komplex, aber die
wie auch immer begründete Konfliktbeteiligung der russischen Armee ist nicht
akzeptabel.

Das Misstrauen der russischen Regierung gegenüber NATO-Visionen der
ukrainischen Übergangsregierung, die Befürchtungen Russlands um die
russischsprachige Mehrheitsbevölkerung in der Krim und die Befürchtungen ,
vitale Interessen in der Krim (u. a. bezüglich der seit über 200 Jahren in
Sewastopol stationierten russischen Schwarzmeerflotte), welche historische
engste und gewachsene Verbindungen mit Russland hat, sind nachvollziehbar
und ernst zu nehmen. Sowohl die Sicherheitsinteressen Russlands als auch die
der Ukraine müssen berücksichtigt werden.

• Pax Christi fordert auf, von militärischen Gewaltlösungen abzusehen
und Gespräche zu führen. Dies betrifft die Beteiligten in der Ukraine, Russland, EU,USA u.a.m.)
• Pax Christi ersucht die österreichische Bundesregierung, die
neutrale Rolle, die Nichtangehörigkeit zu Militärbündnissen ernst zu nehmen
und auch diplomatisch einzubringen. Österreich muss sich einer EU Politik widersetzen, die an Muster des alten Ost-West-Konfliktes anknüpft. Österreich muss sich einer westlichen Politik widersetzen, die über gemeinsame Nato Übungen (EU – Ukraine) ein Drohpotential gegenüber Russland aufbaut.
• Pax Christi bittet vor allem die religiösen Menschen und
Verantwortungsträger, nicht die Waffen zu segnen, sondern als Mediatoren und
Brückenbauer aktiv zu werden.
• Wir ersuchen alles Menschen guten Willens, für den Frieden zu beten.
Lasset uns beten, auf dass die Weisheit, der Friede und die Gerechtigkeit
den Sieg davon trage.

Innsbruck, am 12.3.2014
J.Windischer
Generalsekretär

Drei Jahre Haft für 84-jährige Nonne wegen Eindringens in Atomanlage

Weil sie in einem pazifistischen Protest auf das Gelände einer schwer bewachten Atomanlage eingedrungen war, ist eine 84-jährige Nonne in den USA zu fast drei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Im Prozess bat die Friedensaktivistin Schwester Megan Rice den Richter, die Höchststrafe gegen sie zu verhängen, wie die Zeitung The Tennessean berichtete: Es wäre eine Ehre für sie, wenn sie den Rest ihres Lebens im Gefängnis verbringen würde, sagte Rice.

Rice und ihre zwei Mitangeklagten sitzen bereits seit Mai vergangenen Jahres in einem Bezirksgefängnis in Georgia, nachdem sie für schuldig befunden worden waren. Das ihnen vorgeworfene Vergehen lautet: „versuchte Verletzung der nationalen Verteidigung“. Ihr Eindringen auf das Gelände der Atomanlage war eine große Blamage für die US-Regierung, schließlich zeugt es nicht gerade von hohen Sicherheitsstandards, wenn eine betagte Frau mit zwei Komplizen scheinbar mühelos in eine Atomanlage hineinspazieren kann.

Genau dies war Rice und den beiden Mitangeklagten Michael Walli, 64, und Greg Boertje-Obed, 58, am 28. Juli 2012 gelungen. Schauplatz war das Gelände der US-Atomanlage Y-12 National Security Complex in Oak Ridge im US-Bundesstaat Tennessee. Die Anlage gilt als „Fort Knox“ unter den Atomlagern, als Amerikas Top-Lagerstätte für waffenfähiges, hochangereichertes Uran. Laut Anklage schnitten sich die drei Friedensaktivisten den Weg durch drei Zäune, vorbei an Sicherheitskameras, Bewegungsmeldern und bewaffneten Sicherheitskräften. Ihre einzigen Werkzeuge sollen Taschenlampen und ein Bolzenschneider gewesen sein.

Babyflaschen mit Menschenblut

Im Inneren der Anlage schleuderten sie mit Menschenblut gefüllte Babyflaschen gegen die Außenmauern des Lagerhauses und besprühten sie mit biblischen Friedensbotschaften wie „Schwerter zu Pflugscharen“ oder „Spieße zu Sicheln“ – zum Andenken an die Opfer von Kriegen. Außerdem sollen sie mit Hämmern ein paar Steine aus der Mauer geschlagen haben. Anschließend ließen sie sich widerstandslos festnehmen.

Vor Gericht gaben sie ihre Taten ohne Umschweife zu. Mit der Aktion hätten sie auf das amerikanische Atomwaffenarsenal aufmerksam machen wollen, das unmoralisch und illegal sei, sagten sie. Außerdem sei es ihnen darauf angekommen, zu zeigen, wie lasch die Sicherheitsvorkehrungen in der Anlage seien.

Das ist ihnen in der Tat gelungen, doch Dankbarkeit von Seiten der Behörden dürfen sie nicht erwarten – im Gegenteil. So lehnte der zuständige Richter Amul Thapar es ab, die drei Angeklagten nach dem Schuldspruch bis zur Festsetzung des Strafmaßes auf freiem Fuß zu lassen. Tausende Menschen aus aller Welt hatten in Briefen an den Richter um Milde gebeten.

„Die Angeklagten sind ernster Vergehen für schuldig befunden worden“, zitiert die Zeitung Knoxville News Sentinel aus einem Antrag von Bundesanwalt Jeff Theodore. Der Bundesanwalt verweist darauf, dass die Aktion von langer Hand vorbereitet gewesen sei und die Angeklagten keinerlei Reue gezeigt hätten. „Sie haben in ihren Straftaten geschwelgt und diese dazu benutzt, Publicity für ihr Anliegen zu erzeugen“, so Theodore. Bereits Ende Januar wurden Rice und die beiden anderen Aktivisten zu einer Zahlung von 53.000 Dollar (39.000 Euro) Schadenersatz verurteilt.

Rice sitzt nicht zum ersten Mal in Haft

Ihre Angst vor einer Gefängnisstrafe muss sich in Grenzen gehalten haben, immerhin wusste die 84-jährigen Nonne, worauf sie sich einließ. Im Laufe ihres Lebens hat die Atomkraftgegnerin an zahlreichen Protestaktionen gegen die amerikanische Armee und Nuklearanlagen teilgenommen und wurde schon unzählige Male wegen „zivilen Ungehorsams“ festgenommen. Sie saß zwischen 1997 und 1999 zweimal für sechs Monate in Haft, weil sie bei mehreren Protesten gegen die Militärakademie School of the Americas in Georgia Hausfriedensbruch begangen hatte. Ihre Zeit im Gefängnis beurteilt die Nonne nicht nur negativ, immerhin habe sie durch diese Erfahrung gelernt, wie wenig sie eigentlich brauche. „Das hat mir die Augen geöffnet“, sagte Rice der New York Times.

In den achtziger Jahren hatte sie sich der Anti-Atomkraft-Bewegung angeschlossen. Sie habe sich dazu verpflichtet gefühlt, sagte sie der New York Times, schließlich habe sie als Nonne den notwendigen Freiraum für die Protestaktionen: „Wir sind frei wie die Lerchen. Wir haben keine Verantwortung – keine Kinder, keine Enkelkinder, keine Jobs.“ Deswegen sei es ihre Aufgabe, gegen die Atomkraft zu kämpfen.
Als reuige Sünderin scheint sich die Nonne nicht zu fühlen. „Ich bedauere, dass ich es nicht schon vor 70 Jahren getan habe“, sagte sie während des Prozesses zu ihrem Vorgehen. Die wahren Verbrechen würden in der Atomanlage begangen, zitierte die Zeitung Knoxville News Sentinel aus den Aussagen der Angeklagten.

Autor: Süddeutsche Zeitung
(http://www.sueddeutsche.de/panorama/anti-atom-protest-drei-jahre-haft-fuer-jaehrige-nonne-wegen-eindringens-in-atomanlage-1.1891884)

Politik mit Visionen – Alfred Dallinger

Politik mit Visionen
Alfred Dallinger
Sozialminister 1980-1989

ein Kommentar von Jussuf Windischer

Am 23. Februar, vor 25 Jahren stürzte die Maschine der Rheinthalflug im Nebel in den Bodensee. Der damalige Sozialminister war unter den Toten.

In den 70ger Jahre stieg die Arbeitslosigkeit. Die Hoffnung durch Wirtschaftswachstum wieder Vollbeschäftigung zu erreichen wurde durch technologische Entwicklungen und auch Rationalisierungen gebremst.
Arbeitszeitverkürzung (35 Stunden Woche), Finanzierung durch Wertschöpfungsabgaben (Maschinensteuer) und Grundeinkommen wurde diskutiert.
Für Dallinger war klar: wenn die Lohnarbeit weniger wird, sei zu fragen „ob sich nicht aus einer Entkoppelung von Wachstum und Beschäftigung die Konsequenz einer Entkoppelung von Arbeit und Lohn ergibt“ (Dallinger, Die künftigen Aufgaben der Sozialpolitik“ Wien 1985 S15).
Weiteres: „wenn es richtig ist, dass der modernen Gesellschaft die Arbeit im traditionellem Sinne ausgeht – und vieles deutet darauf hin, dass es so kommt – hat das viel weiter reichende Konsequenzen. Eine Neubestimmung der Arbeit wird notwendig. Arbeit kann nicht mehr gleichgesetzt werden mit Lohnarbeit. Wenn wir von künftigen Aufgaben der Sozialpolitik reden, werden wir auch daher auch über einen Vorschlag zu diskutieren haben, den vor kurzem die Katholische Sozialakademie aktualisiert hat, den Vorschlag eines ‚Grundeinkommens ohne Arbeit‘, eines ‚Basislohns‘ “ (ebd. S15)

Dallinger hatte eine Sozialpolitik mit Visionen. Seine Politik wollte bei den Ursachen ansetzen.

Vgl. dazu Sozialpolitik ksoe 1/2014 S4

Pax Christi vermittelt im Syrien-Krieg

Ende Jänner traf die Co-Präsidentin von Pax Christi International, Marie Dennis, mit Vertretern der Friedensbewegung in Innsbruck und Linz zusammen. Zuvor nahm sie an Verhandlungen zur Vorbereitung der Syrien-Konferenz in Genf teil.

Trotz der verworrenen und von vielen als aussichtslos beschriebenen Lage engagiert sich die katholische Friedensbewegung Pax Christi, um im Bürgerkrieg von Syrien zu vermitteln. „Dazu stehen wir in regelmäßigem Austausch mit Organisationen vor Ort, um die Lage möglichst gut beurteilen zu können“, berichtet die US-Amerikanerin Marie Dennis anlässlich ihres Besuchs bei Pax Christi in Innsbruck. Die ehemalige Direktorin für globale Angelegenheiten des Maryknoll Missionsordens ist neben dem südafrikanischen Bischof Kevin Dowling Co-Präsidentin von Pax Christi.
Die Friedensorganisation hat auch das von Papst Franziskus ausgerufene Friedensgebet für Syrien weltweit unterstützt. Das Gebet ist immer wieder zentraler Bestandteil der „Strategie“, mit der Pax Christi seine Friedensinitiativen umsetzt. „Beten kann etwas verändern. Das ist keine Illusion“, sagt Marie Dennis im Kirchenzeitungsgespräch. „Beten verändert einen selber, es verändert den eigenen Willen, etwas zu ändern, und es verändert die Gemeinschaft, in der gebetet wird.“

Frauen in Friedesprozess eingebunden

Bei den Syrien-Gesprächen macht sich Pax Christi dafür stark, „dass die Frauen in den Friedensprozess eingebunden werden und wirklich auch am Verhandlungstisch sitzen. Wir glauben, dass dieser Schritt die Gespräche sehr beeinflussen kann“, ist Dennis überzeugt. Frauen seien in mehrfacher Weise besonders stark vom Konflikt betroffen, durch die brutalen Haftbedingungen in Assads Gefängnissen, durch Vergewaltigungen, durch die Rekrutierung von Kindern oder durch die fehlende Versorgung mit Nahrung und Medizin. Besonders engagiert ist Pax Christi auch im israelisch-palästinensischen Konflikt, im Irak und im Sudan. Immer wieder setze man sich auch international für den Ausbau gewaltfreier Friedensstrategien ein, wenngleich die absolute Gewaltfreiheit auch in Pax Christi heftig diskutiert werde.

Autor/in: D. Furxer

Unterstützung der Familien von Beit Jala auf der Suche nach Gerechtigkeit

Pax Christi International fordert internationalen Druck zu Beginn des Hearings am Supreme Court of Israel zu Cremisan Valley

Pax Christi International fordert, dass Gerechtigkeit walte im Cremisan Tal nahe Bethlehem, und der Plan Israels, eine Mauer auf dem Land von 58 christlichen Familien zu bauen, verworfen werde. Wir haben den Schmerz und die Angst der Familien in Beit Jala gehört, die vom Verlust ihres Landes und ihrer Lebensgrundlage bedroht sind. Die geplante Mauer würde Weingärten, Haine, Obstgärten zerstören und die Menschen von ihrem Land trennen. Das würde für die Kinder, die versuchen, ihre Schule in einem der christlichen Konvente zu erreichen, tägliche Schwierigkeiten schaffen.

Der geplante Verlauf der Mauer weicht stark von der Grünen Linie ab, der international anerkannten Demarkationslinie, die Israel und die im Sechs-Tage-Krieg im Juni 1967 eingenommenen und seither besetzten palästinensischen Gebiete trennt. Mehr als drei Viertel
(¾) des geplanten Verlaufs der Mauer sind illegal gemäß der auf Rat des Internationalen Gerichtshofes von 2004 vorgeschlagenen Landteilung. Er ist auch ein offensichtlicher Bruch der Genfer Konvention und der weltweiten Deklaration der Menschenrechte.

Wir ersuchen die Regierungen dringend, Israel zu ermutigen, dem internationalen Recht zu folgen. Insbesondere muss Israel die Lebensrechte der Familien respektieren. Die Menschen in der Pfarrgemeinde Beit Jala müssen vor weiteren Enteignungen ihres Landes und ihrer Wohnstätten geschützt werden. Dies ist eine Sache von Dringlichkeit, weil das Hearing des israelischen obersten Gerichtshofes über den Bau der Trennungsmauer im Cremisan Valley am 29. Jänner 2014 beginnt.

Unsere tiefste Besorgnis ist – wie wir wiederholt festgestellt haben – dass diese geplante Mauer die israelischen Siedlungsgebiete konsolidieren und Bethlehem auf Dauer von Jerusalem abschneiden würde. Dieser spezielle Plan ist ein Mikrokosmos der tragischen Situation im Heiligen Land – eine Situation, die Misstrauen und Ressentiment schüren und die Möglichkeit einer so dringend benötigten Lösung unwahrscheinlicher machen würde.

Unsere Gebete sind mit dem Volk von Beit Jala in seiner Suche nach Gerechtigkeit. Wir beten auch für alle, die Gerechtigkeit suchen im Heiligen Land.

Brüssel, 28. Jänner 2014

(Übers.: Gerhilde Merz)