PCI und das Engagement für den Frieden in Anbetracht des „arabischen Erwachens“

Vom 11. – 15. Dezember trafen sich Pax Christi Repräsentanten von Indien, USA, Deutschland, Belgien, Italien, Kroatien und Österreich, um mit VertreterInnen des Nahen/Mittleren Ostens die politische Situation zu erörtern. Vertieft wurde die Partnerschaft im Kontext des sg.“ arabischen Erwachens“. Unter der Koordination vom Generalsekretär José Henriquez (PCI) trafen wir uns mit Menschen, die sich in den Krisengebieten, in“ non violence“ Organsiationen und Bewegungen engagieren, Menschen aus Syrien, Libanon, Irak, Jordanien, Palästina und Ägypten. Als Generalsekretär von Pax Christ Österreich konnte ich an der Konferenz teilnehmen, konnte so vor Ort Kommentare und Einschätzungen zur Kenntnis nehmen. Ich wurde mit erschütternden, aber auch hoffnungsvollen Zeugnissen konfrontiert, einiges möchte ich sofort berichten:

In Syrien herrscht ein schrecklicher Bürgerkrieg. P. Hadi SJ, im ständigen Kontakt mit einem Dutzend weiterer Jesuiten versuchen in Homs, Aleppo und anderen Krisengebieten die Essensausgabe zu koordinieren. In einigen Vierteln ist schon seit Wochen die Strom- und Wasserversorgung zusammengebrochen. Brottransporte, die aus der Türkei kommen, werden von Banden überfallen. Es gibt eine Allianz des Überlebenskampfes. Das Volk leidet unter den Grausamkeiten des Diktators Bashir el Assad, fürchtet sich vor den, von Saudiaarabien oder Bahrein finanzierten Salafisten und anderen inzwischen infiltirierten Gruppierungen. Es gäbe noch keine poltischen Auswegsszenarien, es gibt aber Allianzen von Christen, Muslimen u.a. im täglichen Überlebenskampf. „Es herrscht Chaos, das bricht das Herz!“ so P. Hadi SJ.
Über ein halbe Million Flüchtlinge gibt es schon. Der König von Jordanien hat, so Frau Mahasen Al Emam, Direktorin des Women Media Center Amman, auf Grund des Bürgerkrieges die Grenzen für Flüchtlinge geöffnet. An die 100.000 sind schon im Land. Sie haben alle Rechte: Aufenthalt, Unterkunft, Arbeit, medizinische Versorgung und Bildung. In einem jordanischen Caritaszentrum konnten wir uns vor Ort überzeugen. Zivile Flüchtlinge werden privat untergebracht, Flüchtlingslager lehnt die Caritas Jordanien ab. Kinder ab 4 Jahren werden in Schulen am Nachmittag betreut. Es sind Schulklassen mit ca. 15 Kindern, eigenen Lehrerinnen und auch psychologsicher Betreuung. Ein Großteil der Kinder ist traumatisiert, kommt direkt aus Kriegsgebieten.
Palästina erfährt durch die Besatzungssituation unbeschreibliches Leid. Weder UN Resolutionen noch Völkerrecht werden von der Besatzungsmacht Israel respektiert. Neben vielen poltischen Analysen, des Faktums der ungebrochenen US Solidarität, bestehen die Palästinenser noch immer darauf, wenigstens als menschliche Wesen behandelt zu werden, so Dr. Noah Salameh vom „Center for Conflict Resolution and Reconciliation“. Dies fordern die Palästinenser von den Besatzern und auch von der internationalen Gemeinschaft.
Ägyptens Erwachen wurde von Michael El Daba von der „Coptic Evangelical Organisation for social Services“ aus Kairo als positiv eingeschätzt. Das Ergebnis der mit Spannung erwarteten Abstimmung zur Verfassung, wobei die Opposition dagegen stimmt, wird erwartet. Der Demokratisierungsprozess ist im Gang. Noch nie sei so viel Demokratie gelebt und diskutiert worden. Es gibt Zukunftsszenarien, sie werden sich entfalten, die demokratischen Kräfte sind bei den meisten Ägyptern voll am Leben. Die Teilnahme an den Demonstrationszügen sei wohltuend und hoffnungsvoll, so El Daba…
In Anbetracht der Analysen setzt sich PCI in Syrien u.a. für direkte Kontakte mit syrischen „non violence“ Gruppen ein, wird mit der jungen Generation Syriens einen Hilfsappell starten: Brot für Syrien. Eine Natointervention wird von der Mehrheit (darunter Pax Christi Österreich) befürchtet.
Die Politik, welche durch die dzt. Administration Israels bestimmt wird, wirkt sich nach Einschätzung der Partnerorgansiationen und Pax Christi International in dieser Region bedenklich aus. Das Ende der Besetzung, die Beendigung von Zerstörungen von palästinensischen Häusern, die Wasserversorgung und die Zulassung von Bewegungsfreiheit für Palästinenser würde die Situation schlagartig verbessern. Pax Christi kann durch Präsenz im Nahen und Mittleren Osten, mit verschiedensten Maßnahmen und Kampagnen nicht nur der Gerechtigkeit, sondern auch dem Frieden dienen. In Anbetracht von drohenden Iran/Israel Konflikten wurde die Forderung nach einer atomwaffenfreien Zone in der Region erneuert.
Die Mitwirkung von Pax Christi, die Mitwirkung von arabischen Christen und Kirchen im Mittleren und Nahen Osten, so alle TeilnehmerInnen, egal welcher Religionszugehörigkeit, ist für die Region und für die Demokratie unverzichtbar.


Dr. J. Windischer (Generalsekretär Pax Christi Österreich)

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