Kopftuch und religiöse Symbole – 4 Fragen an Hermann Glettler, Bischof Diözese Innsbruck

Quelle: Tiroler Tageszeitung

1.Wie stehen Sie zum geltenden Kopftuchverbot an Volksschulen?
Wir müssen alles tun, um die bestmögliche Entwicklung und Integration von Kindern sicherzustellen. Ich glaube nicht, dass das Kopftuchverbot an den Schulen eine notwendige und geeignete Maßnahme dafür ist. Es wirkt eher kontraproduktiv, weil es als Bevormundung empfunden wird.

2.Was halten Sie von der Ausweitung des Verbots?
Das halte ich nicht für sinnvoll. Mir ist die dahinterstehende Absicht suspekt. Wollen wir wirklich eine Religionen den Pranger stellen? Das gefällt mir weder in der Schule noch anderswo. In jedem Fall muss die Schule ein Ort sein, wo das Leben in einer freien und demokratischen Gesellschaft eingeübt wird.

3.Ist das eine unzulässige Einmischung des Staates in religiöse Belange?
Das Kopftuch ist ein kulturelles und kein religiöses Zeichen. Durch die tendenziöse Deutung als Erkennungszeichen für einen „politisierten Islam“ wird es ideologisch aufgeladen. Eine gute religiöse Bildung und pädagogische Begleitung sind wichtiger als die Fixierung auf ein Stück Stoff.

4.Wieso ist es gerechtfertigt, dass in Tirols Klassenzimmern ein Kreuz hängt, aber die Religion der Minderheit auf ihr Symbol verzichten muss?
Ich möchte keinen Krieg der religiösen Symbole, zumal das Kopftuch keines ist. Das Kreuz ist ein eindeutig christliches Glaubenszeichen. Darüber hinaus ist es auch ein Symbol für Vergebung und Liebe. Angriffe gegen das Kreuz in den Schulen kommen zumeist nicht von Muslimen, sondern von Atheisten. Neben dem Kreuz sollten bei entsprechenden Schülerzahlen auch andere Glaubenssymbole in einem Klassenzimmer Platz haben dürfen.

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