„70 Jahre Staat Israel“

Erklärung des Evangelischen Oberkirchenrates A. und H.B. in Österreich
Vor 70 Jahren, am 14. Mai 1948, wurde der Staat Israel gegründet. Die
Evangelischen Kirchen in Österreich gratulieren seinen Bürgerinnen und Bürgern zu
diesem Jubiläum.

Nach jahrhundertelanger Heimatlosigkeit, Diskriminierung,
Vertreibung und Verfolgung, die schließlich in der Shoah gipfelten, fanden Jüdinnen
und Juden eine Zufluchtsstätte in dem neu errichteten Staat.
Aufgrund der bis in die jüngste Geschichte andauernden christlichen
Judenfeindschaft sind auch die Evangelischen Kirchen in Österreich am
unermesslichen Leid des jüdischen Volkes mitschuldig geworden. In der Einsicht der
eigenen Schuld wissen wir uns heute verpflichtet, jeder Form des Antisemitismus
entschieden entgegenzutreten.
Dass Jüdinnen und Juden im Staat Israel in Selbstbestimmung und politischer
Souveränität leben können, ist auch für uns Christinnen und Christen ein Grund, uns
mit ihnen zu freuen. Die Mitfreude über die Staatsgründung ist aber nicht ungetrübt.
Denn was für die einen eine sichere Zuflucht brachte, führte für andere zu
Entwurzelung und Vertreibung. Für sie bedeutet das Jahr 1948 die „Naqba“, die
Katastrophe.
Der erhoffte Friede für alle Menschen in der Region konnte bis heute nicht erreicht
werden und wird durch immer neue Gewalt, durch Abschottung voneinander und
religiöse Überhöhung der eigenen Position noch schwieriger. Dennoch dürfen die
Bemühungen um Frieden nicht aufgegeben werden. Die Voraussetzungen dafür sind
die Anerkennung der Existenz des Staates Israel in gesicherten Grenzen und die
uneingeschränkte Geltung der Menschenrechte. Ohne sie kann es keinen Frieden
und Ausgleich mit den palästinensischen und arabischen Nachbarn geben.
Als Evangelische Kirchen unterstützen wir besonders unsere christlichen
Geschwister in Israel und in Palästina, die sich seit Jahren als Vorkämpfer für einen
gerechten Frieden einsetzen und sich gemeinsam mit jüdischen Friedensgruppen
als Brückenbauer zwischen den Völkern und Religionen betätigen.
Wir hoffen und beten, dass der Staat Israel mit seinen Nachbarn, insbesondere mit
dem palästinensischen Volk, in gegenseitiger Achtung des Heimatrechtes einen
sicheren und gerechten Frieden findet, sodass Israelis und Palästinenser, Juden,
Christen und Muslime miteinander in fruchtbringender Gemeinschaft und guter
Nachbarschaft in Zukunft leben können.

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