Pax Christi Österreich diskutierte „Islam und Gewaltfreiheit“ während der Katholischen Aktionstage zur Gewaltfreiheit

„Islam und Gewaltfreiheit“ war das Thema des Studienteils zum Auftakt des Präsidiumstreffens von Pax Christi Österreich im Rahmen der „Catholic Nonviolence days of Action“ im Montafon (Vorarlberg)
Der Studienteil wurde gemeinsam mit der christlich-islamischen Dialoggruppe der Fokolar-Bewegung am 25. September abgehalten. Im Mittelpunkt stand der Vortrag von Adnane Mokrani, einem muslimischen Theologen des Pontifical Institute for Arabic and Islamic Studies in Rom zum Thema „Islam und Gewaltfreiheit“.

Diese Veranstaltung fand im Rahmen der „Catholic Nonviolence Days of Action“ (Weltfriedenstag am 21. September bis zum Internationalen Tag der Gewaltlosigkeit am 2. Oktober) der „Catholic Nonviolence Initiative (CNI)” statt. Wolfgang Palaver, Präsident von Pax Christi Österreich, führte in das Referat von Mokrani ein, indem er mittels einer Präsentation von Judy Coode von CNI einen Überblick über die Catholic Nonviolence Days of Action gab.

Zu Beginn seines Vortrags stellte Mokrani mit Blick auf die Entwicklungen im arabischen Frühling fest, dass Gewaltfreiheit die beste Form sei, gegen Diktaturen vorzugehen. Gewaltfreier Widerstand gegen ungerechte Regime sei in muslimischen Regionen keine Neuigkeit. Um diese These zu bekräftigen, zeigte er Kurzportraits von muslimischen Menschen, die sich durch ihre Gewaltfreiheit auszeichneten wie die pakistanische Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai oder Khan Abdul Ghaffar Khan, einem engen Vertrauten Mahatma Gandhis.

Im Koran findet sich keine Grundlage für die Rechtfertigung expansionistischer Kriege. Ähnlich der katholischen Tradition vom gerechten Krieg gestattet auch der Koran nur die Selbstverteidigung. Etliche Verse ermutigen aber sogar zur radikalen Gewaltfreiheit, die eng mit der islamischen Betonung der Barmherzigkeit verbunden ist und so ein Aufbrechen von Kreisläufen der Gewalt ermöglicht. Der Vortrag endete mit der Bezugnahme auf Papst Franziskus, der in seinem Schreiben „Evangelii Gaudium“ betont, dass „der wahre Islam und eine angemessene Interpretation des Korans jeder Gewalt entgegenstehen“. Im Anschluss an den Vortrag folgten eine aufschlussreiche Diskussionsrunde und die gemeinsame Auseinandersetzung mit dem „Aufruf an die Katholische Kirche zur Neuverpflichtung auf die zentrale Botschaft des Evangeliums über Gewaltfreiheit“ der Catholic Nonviolence Initiative (CNI).

Aktualität in Österreich:
Die Ausführungen von Adnane Mokrani und der Aufruf von CNI zeigen deutlich, dass das Thema Gewalt und Gewaltfreiheit nicht nur eine Religion betrifft. Extremistische und gewaltverherrlichende Positionen sind nicht das Problem einer einzigen Religion, sondern finden sich in vielen Bereichen unserer Gesellschaft wieder. Die Einrichtung einer „Dokumentationsstelle Politischer Islam“ durch die österreichische Bundesregierung weist daher in eine völlig falsche Richtung. Zum einen wird dadurch impliziert, dass es das Problem des politischen Extremismus nur unter muslimischen BürgerInnen gäbe. Tatsächlich kann aber jede Religion Gefahr laufen, durch eine gewalttätige Ideologisierung zu einem Werkzeug des Extremismus zu werden. Außerdem wird durch die selektive Ausrichtung auf den Islam, die alle muslimischen Menschen unter Generalverdacht stellt, integrative Zielsetzungen deutlich erschwert.

Als religiöse Friedensbewegung in Österreich, die sich einem universalen und menschenrechtlichen Denken verpflichtet weiß, sehen wir es als unsere Pflicht an, auf diese Gefahr hinzuweisen, die von einer exklusiven Zuordnung gegenüber einer Glaubensrichtung ausgeht. Wenn wir in Frieden leben wollen, müssen wir diesen auch ermöglichen und fördern: durch Nichtstigmatisierung von Glaubensgruppen und durch gelebte Integrationsbemühung. Sinnvoll wäre demnach die Einrichtung einer Dokumentationsstelle gegen jede ideologisch vereinnahmte Religion, also beispielsweise eine „Dokumentationsstelle gegen gewaltbereiten Extremismus und Fundamentalismus“.

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