„Gibt es eine Hoffnung für Palästina?“


Univ.Prof.in Dr.in Sumaya Farhat Naser berichtet über die schwierige Situation für Palästinenser
Die Arbeitsgemeinschaft Christentum und Sozialdemokratie (ACUS) und die Friedensbewegung Pax Christi Amstetten haben die palästinensische Friedensaktivistin Univ.-Prof.in Dr.in Sumaya Farhat Naser am Freitag, 29. November 2019 in den Pfarrsaal St. Stephan in Amstetten zum Thema „Gibt es eine Hoffnung für Palästina?“ eingeladen.
„Es war schon immer schlimm, aber in der letzten Zeit ist alles viel schlechter geworden“, berichtete Dr.in Farhat Naser. Die Ursache sieht die christliche Palästinenserin in der vorbehaltlosen Unterstützung der Politik der israelischen Regierung durch Donald Trump.
Dr.in Farhat Naser erzählte aus eigener Erfahrung von den Schikanen der israelischen Besatzung gegen die palästinensische Bevölkerung, aber auch von den vielen motivierenden Erlebnissen im Rahmen ihres Unterrichtes an Universitäten sowie Schulen und beim Aufbau von konkreten Friedens-, Sozial-, Kultur- und Umweltprojekten.
„Es ist kein Religionskrieg. Es gibt genug Beispiele, wie die Gläubigen der drei Religionen friedlich zusammenleben. Es ist ein politischer Interessenskonflikt, in dem Religion instrumentalisiert wird“, betonte Farhat Naser. Eine Hauptursache ist die extrem ungleiche Verteilung zwischen Israel und Palästina.
Eine eindeutige Absage erteilte Farhat Naser jeder Form von Antisemitismus, aber es muss klar unterschieden werden, zwischen Kritik an der israelischen Politik und Antisemitismus.
Drei Prinzipien sieht Farhat Naser als Grundlage ihrer Friedenspädagogik:
1. Allen Menschen werden gleich geboren.
2. Jeder Mensch wird zwar gleich geboren, ist aber anders, eigenartig und auch einzigartig.
3. Jeder Mensch wird mit einem wunderbaren Kern geboren, gleichsam einem Diamanten in seinem Herzen. Es geht darum diesen zum Strahlen zu bringen.“
„Nur mit meiner Menschlichkeit werde ich die Menschlichkeit im anderen Menschen wecken, das ist nicht einfach, aber das ist der Weg“, so Farhat Nasser. Auch wenn die Lage kompliziert und schwierig ist, dürfe man die Freude am Leben und das gemeinsame Feiern nicht vergessen.
In der Diskussion unter der Leitung von Kaplan Franz Sieder wurde die Verantwortung der Christinnen und Christen für den Frieden im „Heiligen Land“ betont: Pfarren sollen bei PilgerInnenreisen nicht nur die Stätten des Lebens Jesu besuchen, sondern auch Kontakte mit der palästinensischen Bevölkerung, die dort lebt, suchen.

Ein persönlicher Bericht zum Vortrag von Sumaya Farhat-Nasser in Amstetten:

Der Vortrag von Sumaya Farhat-Naser war sehr bewegend. Sie sprach frei über eine Stunde lang, berichtete von der persönlichen Lage der Bewohner Palästinas, der bewundernswerten Friedensarbeit mit palästinensischen, aber auch israelisch-palästinensischen Frauengruppen, ihre Arbeit in Schulen, evangelischen und katholischen, ihre öffentliches Auftreten auf Grenzübergängen und Checkpoints, wo sie riskante persönlich Interventionen machte. Am bewegendsten und für Sumaya am erschütterndsten sind die Folgen der Anerkennung von Jerusalem als Hauptstadt Israels durch Präsident Trump. Die israelische Regierung entfernt die jahrhundertealten Straßennamen der Altstadt Jerusalems und ersetzt sie durch israelische Namen (z.B. Namen von israelischen Generälen), schließt die Büros vieler Hilfsorganisationen in Jerusalem, sodass diese oft nicht mehr weiterarbeiten können, fordert plötzlich Steuern von den christlichen Kirchen, die ohnedies kaum Einnahmen haben, und dies auf 50 Jahre rückwirkend. Kirchen müssen in der Folge ihren Grundbesitz verkaufen. Außerdem ist das Wahlrecht der Palästinenser in Ostjerusalem in Gefahr, weil sie ja jetzt angeblich Bürger Israels sind.

Trotzdem verbreitet Sumaya Farhat-Naser nicht Defätismus und keine Spur von Hass. Sie zeigt mit Fotos ihren Wiederaufbau verlassener Häuser in der Westbank. Wiederaufgebaut, um sie zur Weiterbildung von Frauen und für Dorffeste der palästinensischen Bevölkerung zu nutzen, um die Kommunikation und die Durchhaltekraft im friedlichen Widerstand zu stärken. Sie macht auch uns hier in Österreich Mut, uns für Palästina einzusetzen, z.B. auf die Berichterstattung und die Wortwahl der Medien Einfluss zu nehmen.
HH.

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