Gedanken zu Egoismus und Solidarität in Zeiten von Corona (von Jussuf Windischer, von 2011 – 2016 Generalsekretär von Pax Christi Österreich)

Es scheint, dass Egoismus, Egozentrik und privater Hedonismus (gut ist das, was mir Spaß macht) für einige Menschen zur Leitlinie geworden ist. In Coronazeiten haben sich auch Verschwörungstheoretiker (d. h. z. B.: Juden, Freimaurer, Chinesen, Geheimagenten, Angriffe aus dem All u.a.m. … ja, sie sind schuld), Reichsbürger, Identitäre und Sektoren der FPÖ, AfD zusammengetan, um gegen Coronavorsichtsmaßnahmen und Einschränkungen der persönlichen Freiheit zu protestieren.
Fundamentaldarwinisten plädierten zudem für das Recht der Stärkeren und für die natürlichen Auslese des Überlebens. Der Blick in die USA, der Blick nach Brasilien zeigt, dass sich Präsidenten über die „gripezinha“ lustig machen und sich sogar über die Epidemie, wenn sie arme Leute und indigene Gruppen betreffen, insgeheim freuen. Amazonas sollte ja indigenenfrei und wirtschaftlich nutzbar sein. Todeszahlen, Massengräber bzw. diesbezügliche Fakten und Informationen werden lächelnd als Fake-news bezeichnet. Es betrifft uns letztlich alle, es betrifft Menschheit und Schöpfung, wenn Egoismus zum Schlüsselwort und Solidarität zum Fremdwort wird.
Es gilt auch, dass das Recht auf Kundgebungen bestehen bleibt – auch in Coronazeiten, selbstverständlich unter Berücksichtigung der behördlichen Vorgaben. In Brasilien prallen coronaverniedlichende und coronaronabesorgte BürgerInnen aufeinander, Bolsonaroanhänger und Opposition, in den USA Trumpanhänger und Opposition, Rassisten rufen nach law and order, Menschenrechtler nach Gerechtigkeit und Frieden. Solidarität mit den sozial Schwachen ist gefragt, eine diesbezügliche Zivilcourage ist gefragt. Sie bröckelt: Schlimm, wenn Solidaritätsbekundungen (z.B. Donnerstagsdemos, Antirassismusdemos, Fridays for future, u.a.m.) gemieden werden, weil es persönliche Nachteile bringen könnte. Solidarität mit Benachteiligten, Zivilcourage für Benachteiligte…. darum geht es. Wenn dann Diktaturen, Militärregimes, Faschisten an die Regierung kommen, ist es leider mit der Zivilcourage zu spät, dann wurden, dann werden Kritiker liquidiert. An Solidarität muss wohl immer wieder erinnert werden, vielleicht müssen wir es immer wieder neu buchstabieren.

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