„Brot und Gesetze brechen“ – Eine Buchvorstellung rund um die pazifistische Pflugscharbewegung

Brot und Gesetze brechen – Christlicher Antimilitarismus auf der Anklagebank
Pax Christi Steiermark hat sich am 11. November in einem Workshop mit der biblischen Ansage ‚Schwerter zu Pflugscharen‘ und der daran anknüpfenden Plugscharbewegung befasst. Dr. Florian Mittl, Ausbildungsleiter im Zentrum der Theologiestudierenden und Pastoralreferent im SR Graz-Ost hat dabei referiert. Im Folgenden finden sie hier einen kurzen Überblick über die wesentlichen Aspekte und den Tipp zum Buch: Brot und Gesetze brechen.
Dann werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Lanzen zu Winzermessern. Sie erheben nicht mehr das Schwert, Nation gegen Nation, und sie erlernen nicht mehr den Krieg. (Micha 4,3b).
Eine schöne Vision, oder? Die Völker der Welt pilgern zum Gottesberg Zion in Jerusalem und „upgraden“ ihre Waffen zu Pflugscharen. Leider ist dieses vom Propheten Micha und anderen verkündete Motiv noch weit davon entfernt, realisiert zu werden.
Einen unkonventionellen Beitrag zur Verwirklichung leistet die 1980 in den USA gegründete „Pflugscharbewegung“. Die aus dem Umfeld der Katholischen Arbeiterbewegung (Dorothy Day) hervorgegangene Bewegung hat es sich zum Ziel gesetzt, konkret und real gegen den atomaren Rüstungswahn zu protestieren und es dabei nicht nur bei Worten zu belassen. Ihre Mitglieder dringen in Militärbasen ein, zerstören symbolisch oder reell Kriegsmaterial und lassen sich verhaften. Gewalt gibt es immer nur gegenüber Dingen, nie Menschen, und ist in den Augen der Aktivist*innen Sachbeschädigung aus einer Notlage heraus. Ähnlich wie Feuerwehrmänner eine Tür einschlagen, um ein Feuer zu löschen, versuchen sie auf die Gefahr des nuklearen Flächenbrands hinzuweisen. Die Aktionen werden lange geplant und sind Teil eines spirituellen Prozesses, viele der Aktivist*innen sind Priester und Ordensleute.
Zwei der jüngsten Aktionen fanden 2018 in Kings Bay und am Flügelhorst Büchel statt. Sowohl die amerikanische U-Boot-Basis als auch der deutsche Luftwaffenstützpunkt verfügen über ein Arsenal an Atomwaffen mit einem Vielfachen der Sprengkraft der Hiroshima-Bombe. Seit Dezember 2020 sitzen die Aktivist*innen im Gefängnis.

Filmemacherin Cristina Yurena Zerr wollte eigentlich eine Dokumentation über dieses Ereignis drehen, aufgrund der Pandemie ist dann ein gemeinsam mit dem Religionslehrer und Sea Watch-Aktivisten Jakob Frühman herausgegebenes Buch mit den Abschlussplädoyers der Angeklagten und weiterführenden Texten geworden.

Vielleicht wird auch für uns, wenn wir das Buch lesen, „ganz organisch ein Einsatz entspringen, der – unseren eigenen Lebensumständen entsprechend – Wagemut mit Sanftmut verbindet“, wie David Steindl-Rast im Vorwort schreibt.

 

Hinweis: Als weiterführende Lektüre zu dem Thema können wir einen sehr lesenswerten Beitrag aus dem „Vorarlberger KirchenBlatt“ (Februar 2020) über die Gruppe „Pflugschar 7“ empfehlen: https://www.paxchristi.at/wp-content/uploads/2021/11/Vorarlberger-KirchenBlatt-9-2020_Pflugschar-7.pdf

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